Hörbare Depression

853033In A Darkened Room ist eine dreiköpfige Band aus dem sonnigen Texas, die sich 2020 in San Antonio gegründet hat. Das mag etwas verwunderlich sein, denn ihr Sound klingt eher nach der grauen Nebellandschaft eines einsamen alten Friedhofs auf den britischen Inseln. Insofern ist die rote Covergestaltung vielleicht nicht konsequent, aber letztlich kommt es ja auf den Inhalt an. Neben Sänger und Gitarrist CJ Duron sind Svia Svenlana am Bass und Kandi Keys in der Band, der die Synthesizer bedient. Ihr Debütalbum Sorrows ist in Eigenregie erschienen.

Ein fragiles Gitarrenspiel eröffnet „Descend“, bevor sich erst getragene Synthiespuren und schließlich ein abgrundtiefer Grabesgesang dazugesellt. Wenn die Farbe Schwarz hörbar wäre, so müsste sie klingen. Was für eine Eröffnung für ein Album. Wer es geschafft hat, sich dabei nicht direkt umzubringen, wird mit „Final vows“ belohnt. Drumcomputer, Bass, The Cure ähnliche Gitarre und dazu diese unwiderstehliche samtweiche dunkle Stimme. Ich müsste erst eine Steigerungsform von Melancholie erfinden, um dem Song gerecht zu werden. In „Doom and gloom“ nimmt das Bassspiel mehr Raum ein, auch wenn die Lead-Gitarre natürlich prägnant bleibt. Ausgerechnet in „Walls of sadness“ erreicht der Gesang seine höchste Tonlage und dringt immerhin in mittlere Regionen vor. Die depressive Grundstimmung kann dies jedoch nicht vertreiben. Mehrstimmiger Gesang im Hintergrund sorgt darüber hinaus für Abwechslung.
Der Bass übernimmt in „Sleep again“ die Führung und zieht alles in Richtung Post Punk und in die Tiefe. Die gezupfte Gitarre und die Synthie-Harmonien runden alles ab. Von der Stimmung her fühle ich mich beim Refrain an Sixth June erinnert. Ich kann nicht genau sagen warum, aber bei „Burnt by the sun“ schweifen meine Gedanken zu R.E.M., allerdings eher bei der halben Geschwindigkeit, und der Gesang liegt hier natürlich eine ganze Etage tiefer. Vielleicht liegt es an den Harmonien. „Hollow“ besitzt einen gewissen Vibe von „Gallow dance“ von Lebanon Hanover. „The string is always ready“ heißt es dort, und das gilt hier gleichermaßen. Diesem Sound gilt kein Entkommen. Zum Abschluss liefert „Water under the bridge“ noch einmal The Cure nahen Wave, bei dem der wehklagende Gesang etwas entfernt abgemischt wirkt. Etwas überraschend ist der instrumentale Mittelteil, bevor das Album schließlich traurig ausklingt.

Fazit: Zum Glück beziehen In A Darkened Room ihre Inspiration nicht aus dem gleichnamigen Song von Skid Row. Denn nur selten erfährt mensch auf einem Album eine solche verzweifelte Hoffnungslosigkeit wie sie Sorrows ausstrahlt. Der Name ist hier tatsächlich Programm, sowohl als auch. Das ist hörbar gemachte Depression, die auf gitarrenbasiertem Dark Wave mit Wurzeln in den Achtzigern beruht. Das ist allerdings nicht negativ zu verstehen, im Gegenteil. Die Musik umschmiegt eine*n wie eine schwere schwarze Samtdecke und spendet Geborgenheit.
Ja, es ist Frühling, und wir sollten wieder rausgehen und das Leben genießen. Doch manche von uns werden sich in einem dunklen Raum einschließen und sich Sorrows hingeben, wenn sie eine Auszeit brauchen. Für mich ist das wie eine Therapie. Das Album Faith von The Cure war seinerzeit ein Meilenstein, und nun ist Sorrows ein eiskalter Kandidat für eine moderne Nachfolge.

Anspieltipps: Descend, Final vows, Hollow

In A Darkened Room: Sorrows
Independent, Vö. 10.01.2023
MP3 10,00 $, CD 10,00 $ erhältlich über Bandcamp

Homepage: https://www.facebook.com/inadarkenedroomband
https://www.instagram.com/inadarkenedroomband

Tracklist:
01 Descend
02 Final vows
03 Doom and gloom
04 Walls of sadness
05 Sleep again
06 Burnt by the sun
07 Hollow
08 Water under the bridge

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1 Kommentar

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  1. […] Kürzlich haben sie ihr großartiges Debütalbum Sorrows veröffentlicht, das uns begeisterte (hier zur Review)! Ein guter Grund, mehr über das Trio aus Texas zu erfahren, das mit seiner Musik einen […]

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