CD: Weathered Statues – Borderland

Dreiländereck

weathered statuesWeathered Statues, das ist eine EP der amerikanischen Hardcore Punk Band T.S.O.L. (True Sound Of Liberty) aus dem Jahr 1982.
Weathered Statues, das ist nun auch eine Band aus Denver, bestehend aus Schlagzeuger Andrew Warner, Bassist Bryan Flanagan, Jason Heller an der Gitarre und Jennie Mather, die der Band die Stimme verleiht. Ihre Musik weicht jedoch stark von den Namensgebern ab, denn sie haben sich einem wesentlich dunkleren Sound verschrieben. Zu deren Herkunft Denver ist mir in musikalischer Hinsicht spontan nichts eingefallen, aber das soll sich nun zukünftig ändern. Die Band wurde 2015 noch unter dem Namen Cloak Of Organs gegründet, aber nach einem Personalwechsel, der sich auch musikalisch auswirkte, erfolgte zwei Jahre später die Umbenennung. Borderlands ist ihr Debütalbum.
Der Bass zu Beginn von „Corpse candle“ klingt stark nach The Organ aus dem kanadischen Vancouver, aber die Stimmfarbe von Jennie ist eine gänzlich andere. Sie tendiert eher zu Grandma Fiendish von Antiworld aus Portland, Oregon. Noch dazu wirkt der Song vor allem in der Strophe auf mich wie eine langsamere Version von Antiworld. Beim folgenden „Betrayal“ könnte Mephisto Walz Pate gestanden haben, auch Christian Death zu Zeiten von Bari Bari und Rozz Williams kommt mir in den Sinn. Dieser Bezug verstärkt sich noch auf dem folgenden „Dark tides“. Mehrfach geht der Song aus tollen düsteren Basspassagen heraus in Death-Rock-Stimmung über. „Heather“ hingegen klingt schon fast wie eine Hommage an X-Mal Deutschland. Hier paart sich New Wave mit Gothic-Rock-Gitarren, eine Kombination, die einfach großartig ist. Bei „Hypnagogia“ erinnert der Gesang nun teilweise doch an Katie Sketch von The Organ, dazu passend ist der Song etwas ruhiger, und irgendwie habe ich dabei Melodie-Fragmente von Depeche Mode im Kopf.
Hallende Gitarren, brummender Bass und eine ordentliche Portion Wave bestimmen „The silver cliff“. Eine Textzeile klingt musikalisch für mich nach „All you zombies“ von The Hooters. Ein Bezug, von dem ich mir nicht vorstellen kann, dass er bewusst geschehen ist, der mir aber Spaß bereitet. Das folgende „Sabbat“ kommt düsterer daher, was vor allem am betonten Bass liegt. Das durchgehende Stakkato der Gitarre sorgt für abgefahrenes, leicht experimentelles Flair. „The widow sunday“ konzentriert sich ganz auf den markanten Gesang von Jennie, der hier weit im oberen Spektrum angesiedelt ist. Lediglich in den instrumentalen Zwischenparts kommt auch der Rest der Band voll zum Tragen. Auch auf „Ossuary“ beeindrucken die Vocals, aber im Zusammenspiel ist hier das Verhältnis ausgewogener, und die Mischung aus Post Punk und Death Rock tritt zu Tage. Noch mehr in Richtung Death Rock tendiert „Holy masquerade“, ein Song, den auch Siouxsie Sioux gut hätte singen können und der passenderweise auch in Richtung der finnischen Masquerade tendiert.
Als Bonus hat Lol Tolhurst, Gründungsmitglied bei den legendären The Cure, einen Remix zu „Corpse candle“ beigesteuert, bei dem vor allem der tanzbare Rhythmus verstärkt worden ist.

Fazit: Weathered Statues haben mit Borderlands ein tolles Album aus dem Dreiländereck Death Rock, Wave und Post Punk vorgelegt, bei dem die verschiedenen Grenzregionen unwiderstehlich miteinander verschmelzen. Das ist vom Sound her richtig Oldschool und Gothic und weckt automatisch Erinnerungen und Sehnsucht an die gute alte Zeit. In der vorliegenden Kombination ist die Musik aber gleichzeitig neu und weiß zu begeistern.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung für Fans von Antiworld, Mephisto Walz, X-Mal Deutschland oder Siouxsie and the Banshees, und alle anderen sollten hier unbedingt hereinhören.

Anspieltips: Heather, The silver cliff, Holy masquerade

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Wheatered Statues: Borderlands
Svart Records, Vö. 01.06.2018
CD 14,00 €, LP 18,00 € erhältlich über Svart Records
MP3 Download 6,50 € erhältlich über Bandcamp
Homepage: https://www.facebook.com/weatheredstatuesband/
https://www.svartrecords.com

Tracklist:
01 Corpse candle
02 Betrayal
03 Dark tides
04 Heather
05 Hypnagogia
06 The silver cliff
07 Sabbat
08 The widow sunday
09 Ossuary
10 Holy masquerade
11 Corpse candle (Lol Tolhurst Remix)

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