Ethereal Post Rock und ein Meer aus Emotionen

Eines vorweg: Es ist mir ein besonderes Vergnügen, etwas über eine Künstlerin zu schreiben, deren Musik ein Meer an Empfindungen bei mir ausgelöst hat. Ellereve (Elisa Giulia Teschner) spielt einen ganz eigenen Sound, aber dazu später mehr. Die Künstlerin aus München (für Ellereve wird uns der Rest der Republik beneiden) veröffentlicht Ende März ihr neues Album Reminiscence über Eisenwald. Falls ihr euch über das Label wundert, das tat ich auch. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich das Vergnügen, Ellevere in einem kleinen Rahmen live zu erleben, und ihre Musik hat mich nicht mehr losgelassen. Folgend meine Eindrücke für euch!

Was mir zu Beginn gleich auffällt, ist das Intro. Endlich wieder ein Intro, das geschmeidig (oder auch weniger geschmeidig) in ein Album leitet und musikalisch den Weg ebnet. Wenn es nach dem Intro „Gossamer Wings“ gehen würde, hätten wir ein sehr düsteres Bild der Apokalypse. Das darauffolgende „In infinite light“ beginnt im Gegensatz mit einer Schönheit, die ich in der Form selten zuvor vernommen habe. Die Fragilität in der Stimme von Ellereve ist betörend. Beim Einsatz der Gitarren (man wird förmlich von einer Gitarre erschlagen – im positiven Sinne) brechen alle Dämme. Ich denke an Chelsea Wolfe, Anneke von Giersbergen, Kari Rueslåtten und andere Künstlerinnen, die der Musik durch ihre emotionale Art zu singen, die richtige Richtung geben. Wunderschöner Post Rock mit dem richtigen Maß an Härte und wie gesagt, süchtig machend. „Cosmos“ ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man musikalisch auf Reisen gehen kann. Eingängig ist gar kein Ausdruck für diesen Song, und dazu gesellen sich die von mir so geliebten Shoegaze Gitarren hinzu. Zusammen mit dem Gesang entsteht zumindest in meinem Geiste das Bild eines großen, nebligen Waldes auf einem Berg. Einsamkeit, mit sich alleine sein, die Natur drum herum genießen. „Levitate“ und „I am enough“ offenbaren sich als wunderbare Teile dieses musikalischen Meisterwerks. Ellereve ist keinen Einflüssen verschlossen. Ich meine ein wenig auch schamanische Trommeln zu vernehmen (mach ich gern). Wunderbare düstere Songperlen! Eines der Highlights des Albums und mein besonderer Tipp für euch ist das sich mit einem Wahnsinns-Crescendo auftürmende „The empty chair“. Gleich zu Beginn hat man das Gefühl, es braut sich etwas zusammen. Während des Songs vergisst man dieses Gefühl jedoch aufgrund mental–musikalischer Apnoe, nur um am Ende von einem Gefühlsausbruch umgeblasen zu werden. Ohhh, mehr davon! Das instrumentale „Oblivion“ glättet gekonnt die emotionalen Wogen, die ein wenig in Aufruhr gekommen sind, melancholisch und einfach nur schön. Einen beeindruckenden musikalischen Rundumschlag, oder auch Befreiungsschlag, markiert „Somewhere“. Man spürt förmlich die innere Wut und das Aufbäumen gegen etwas. Als ob man etwas nicht mehr möchte und jemanden/etwas die Meinung ein wenig lauter mitteilen würde. Mein zweiter Anspieltipp für euch ist der sich an letzter Stelle befindende Track „But nowhere“. Herrlicher Power Dream Ethereal Metal, von dem man einfach nicht genug bekommen kann. Solche Songs sind die, die musikalisch noch in Jahren in aller Ohr sein werden!

Fazit: Ellereve spielt in einer Liga mit den von mir oben erwähnten Künstlerinnen. Eisenwald haben sehr gut daran getan, sich dieses Juwel unter die Fittiche zu reißen. Perfekte Produktion, eine Frau, die über allem steht und Musik, die man nur allzu gern genießt. Ich denke, die Zukunft sieht mehr als rosig aus. Es werden ein Haufen Anfragen kommen, und der Erfolg ist mehr als verdient. Ich für meinen Teil werde gleich noch einmal die Play-Taste drücken und mir das Album noch einmal anhören. Kaufen ist absolute Pflicht!

Ellereve: Reminiscence
Eisenwald, Vö. 31.03.2023
Bandcamp: https://ellerevemusic.bandcamp.com/
CD: 12,12 € / Vinyl (Black) 21,21 € / Vinyl (Smoke) 23,23 €

Ellereve: http://ellereve.de/
Facebook: https://www.facebook.com/Ellereveofficial/

Tracklist
1. Gossamer wings
2. In infinite light
3. Cosmos
4. Levitate
5. I am enough
6. The empty chair
7. Oblivion
8. Somewhere
9. But nowhere

 

(1422)