Konzert: 20.11.2015 – Project Pitchfork, Eisfabrik, BhamBhamHara – Backstage Werk, München

Perfektionierter Dark-Electro Sound mit Yeti-Support

Für viele Fans, auch für mich, ist es immer wieder ein Highlight, Peter Spilles, Dirk Scheuber und Jürgen Jansen live zu erleben. Deshalb habe ich mich dann doch gern im strömenden Regen und bei Temperaturen, die den Winter ankündigen, aufgemacht, mit Ziel: Backstage Werk München. Angekommen, ausgestiegen, eingeweicht, durchgefroren beim Warten am Einlass. Der Abend kann also von nun an nur besser werden, habe ich mir gedacht, und wurde nicht enttäuscht. Als die erste Band des Abends die Bühne betritt, ist das Backstage erwartungsgemäß nur mäßig gefüllt.

bham-bham-hara-by-peter-seidel-metalspotter-11BhamBhamHara beginnen ihren Auftritt mit „So ´ne schöne Welt“. Die mir bis dahin völlig unbekannte Band ist musikalisch im Electro/EBM/Synth-Pop einzuordnen. Hymnenartige Rhythmen kombiniert mit polit- und sozialkritischen Texten machen den Stil von Jan Bicker und Axel Ermes aus.

eisfabrik-by-peter-seidel-metalspotter-08Nach einer kurzen Umbaupause betreten Dr. Schnee, Der Frost und °Celsius die Bühne, und das Projekt Eisfabrik beginnt mit seiner auch optisch frostigen Show. Schon nach dem 3. Song ist das Backstage inzwischen gut gefüllt und die Reihen vor der Bühne merklich voller. Die drei machen Stimmung und können die Leute mitreißen. Interessante Auffälligkeiten im Publikum sind die Eisfabrikfans, die mit polarer Ausrüstung ihr Styling aufgepeppt haben, und ein hyperaktiver Yeti turnt auch fröhlich durch die Massen. Die Künstler wissen zu inszenieren und lassen beim Titel „Maschinen“ passend zum Text einen übermenschlich großen Roboter auf der Bühne erscheinen. Der Yeti ist später natürlich auch wie gewohnt mit einem Auftritt dabei und heizt die Stimmung an; bei einem anderen Titel fängt es gar zu schneien an. Doch kalt wird einem zu keinem Zeitpunkt, da die Jungs ordentlich einheizen und eine sehr gute Show abliefern. Insgesamt ein sehr guter Auftritt, und Eisfabrik hat mit seinem Futurepop-Sound an diesem Abend sicher auch den einen oder anderen Fan mehr für sich gewonnen. An dieser Stelle mein kurzer persönlicher Dank an die Band. Ihr habt mit eurem Auftritt im Februar dieses Jahres in Augsburg (ebenfalls als Pitchfork-Support) meine langjährige Vorbandphobie geheilt!

project-pitchfork-by-peter-seidel-metalspotter-11Als beim nächsten Bühnenumbau Peters markanter Mikrofonständer aufgebaut wird, ist das Backstage wirklich gut gefüllt, und alle warten auf den Headliner des Abends. Während des Intros nehmen die beiden Drummer Nook und Léo ihre Plätze ein, gleich danach erscheinen Jürgen Jansen und Dirk Scheuber an ihren Keyboards. Als Peter Spilles die Bühne betritt und die ersten Takte von „Timekiller“ erklingen, steigt die Stimmung merklich, und die Fans sind sofort im Sog ihrer Musik. Das Publikum an diesem Abend ist Ü30 bis 50, aber auch einige ältere Fans halten der Band die Treue und feiern in Bühnennähe mit.

Als Nächstes wird ein Titel aus dem aktuellen Album Blood gespielt, „Blood-Stained“, gefolgt von Legenden wie „Conjure“ und „En Garde!“. Die Fans haben sich längst eingegroovt, und die Menge ist eine brodelnde Masse. „ I am“ und „Midnight Moon Misery“, zwei großartige, jedoch eher nicht so bekannte Songs, passen dennoch perfekt zur Stimmung des Konzertes. Aus dem aktuellen Album folgen die Songs „Blood-Diamond“ und „Blood-Loss“, dazwischen gibt es „The Dividing Line“, der absolute Fanfavorit des Albums Continuum Ride. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass ich wohl die Happy Hour verpasst haben muss, da die Anzahl der deutlich Angetrunkenen leider zunimmt – ungewöhnlich für diese Art Konzert und störend.

Nach dem schon kultigen „Fire and Ice“ vom ersten Album aus dem Jahr 1991 wird das Konzert kurz unterbrochen, da ein Captain-Sparrow-Verschnitt etwas randaliert. Peter fragt nach Security; bis diese jedoch aktiv werden können, haben schon Gäste den Störenfried entfernt. Nach einer weiteren kurzen Verzögerung, die lässig kommentiert wurde, konnte es mit „Blood-Pressure“ schon lautstark weitergehen. Der Refrain animiert nun eben einfach zum Mitbrüllen.

Bei „Rain“, dem ausdrucksstarken Song vom Album Black, bin ich inzwischen auch wieder trocken, auch wenn die Frisur nicht mehr sitzt. Doch das ist egal, denn die Musik lässt einen völlig Zeit und Raum vergessen, und man tanzt und feiert, vergisst sich einfach für einen Moment in der Musik, die einen nun schon fast ein Vierteljahrhundert begleitet.

Es folgen „An End“ vom Album Dream,Tiresias! und „Alpha Omega“, was auf keinem Konzert fehlen darf. Nach „Beholder“ ist erst einmal Schluss, aber nach einer kurzen Pause pfeifen die Fans Pitchfork zurück, die mit „Continuum Ride“ ihren Fans antworten. Dann der emotionale Höhepunkt eines jeden Project-Pitchfork-Konzerts: „Souls“ die Gänsehautballade aus dem 1993 erschienen Album Souls/Island.

Nach einer zweiten Zugabe mit „Acid Ocean“, „Mine“ und „Blood-Thirst“ ist aber wirklich leider Schluss. Trotz einiger Spinner, die sich an dem Abend ins Backstage verirrt hatten, war es ein fantastisches Konzert mit Project Pitchfork in Bestform. Es hat Spaß gemacht, und Fakt ist, dass die Hingabe zu dieser Band bei den Fans nach wie vor ungebrochen ist.

Und für visuelle Eindrücke vom Konzert schaut doch mal bei Helge Roewer unter HR-Pictures oder Facebook HR-Pictures vorbei.
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Tommyknocker hat auch noch Bilder zur Verfügung gestellt:

 

 

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