Mythen im Metal: Männer in Röcken

… oder warum Metaller gern Kilt tragen

Es ist ein weitverbreitetes Bild auf diversen Festivals: Freunde des gepflegten Metals wühlen sich durch den Matsch, mit langen Haaren, Bärten (die Frisurensache haben wir ja schon geklärt), Stiefeln, Band-Shirt – und Kilt. Moment mal. Warum bitte tragen Metaller, vermutlich gänzlich unschottischer Herkunft, eigentlich so gerne karierte Röcke?


Schuld daran trägt wohl ein gewisser Mel Gibson, aka William Wallace in Braveheart. Als tapferer, ungebrochener Highlander wehrt er sich im Kilt (übrigens auch mit Wallemähne) gegen die bösen Engländer. Ein richtiger Held. Da kann man schon einmal auf die Idee kommen, insbesondere wenn Mann sich in der Schnittmenge zwischen Metal und Mittelalter-Rock bewegt, dass so ein Kilt doch für richtig harte Krieger die perfekte Kleidung ist.

So leid es mir nun tut, meine Leserschaft enttäuschen zu müssen, aber nach neuesten Erkenntnissen haben mittelalterliche schottische Krieger nie im Kilt gekämpft (William Wallace wird übrigens auch nicht mit australischem Akzent gesprochen haben, aber das ist ein anderes Thema). Dr. Clare Downham, Historikerin der Universität von Aberdeen, hat viel zum Thema Kilt geforscht. Das Ergebnis: In den großen Schlachten, zum Beispiel bei Bannockburn 1314, trugen die Krieger bunt gefärbte Leinenkleidung, das Tartan-Muster war ihnen gänzlich unbekannt und wurde erst um 1725 erfunden. Schottische Nationalisten benutzten es dann in romantisierten Abbildungen ihrer Nationalhelden als Symbol der schottischen Kultur und Einheit. Vermutlich fanden sie die knallbunten Shirts ihrer Vorfahren einfach nicht besonders passend. Um ein leuchtendes Gelb zu erreichen, wurde das Leinen nämlich unter anderen im Pferdeurin getunkt.

Reichere Clanchefs trugen dazu vermutlich lederne Hosen, die zumindest eine gewisse Schutzwirkung hatten, lederne Überwürfe und im Winter Pelz. Ärmere Clansmen wickelten sich in alles, was sie hatten. Dabei dürften Röcke allerdings generell keine Rolle gespielt haben: Zu Pferde sind sie sehr unpraktisch, sie bieten bei Kämpfen keinerlei Schutz, und auch die Kronjuwelen leben unterm Kilt eher gefährlich.

Dennoch ist es sicher keine schlechte Idee, wenn Metalheads Kilt tragen – jedenfalls ist mir persönlich diese Variante deutlich lieber, als wenn jemand im in Pferdeurin getränkten Leinenhemd neben mir mosht. Kaum vorstellbar, wie die Geruchskulisse nach drei Tagen Festival dann wohl wäre. Leider lässt sich keine historische Quelle darüber aus, wie die schottischen Armeen des Mittelalters wohl gerochen haben, das wird auch seine Gründe haben.

In englischen Pubs hat man übrigens eine ganz eigene Theorie zum Thema Kilt:
„Why do the Scots wear skirts?“ – „Well, because sheep can hear the sound of zippers…“ Auch diese Hypothese lässt sich allerdings nicht wissenschaftlich belegen.

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