Thor – voll der krasse Hammertyp, oder was?

Denkt man an Thor, denkt man automatisch (wohl auch beeinflusst von gewissen rezenten Comic-Verfilmungen) an einen hünenhaften blonden Kerl mit Sixpack, der seinen Hammer schwingt und wahrlich heldenhaft ist – der Inbegriff eines Wikingergottes eben. Dementsprechend darf der Gute auch so manches Albumcover zieren, und unzählige Hymnen des Metal werden ihm gewidmet.

Aber was, wenn Thor gar kein so richtiger Held war, sondern eigentlich ein ganz armer Kerl? Die Edda gibt erst einmal einige Fakten zu Thors Biographie und Familienverhältnissen wieder. Er ist nach Odin als dessen Sohn der zweitmächtigste Gott, seine Mutter ist Jörd, die Erde selbst. Er ist mit der wunderschönen goldhaarigen Göttin Sif verheiratet, und sie haben eine Tochter, Thrud. Nebenbei hat Thor auch noch eine Affäre mit der Riesin Jarnsaxa, aus der die Söhne Magni und Modi stammen. Er lebt im größten und herrlichsten Palast von Asgard. Neben seinem allseits bekannten Hammer Mjöllnir ist er ausgestattet mit dem Gürtel Megingjardir, der seine Kraft verdoppelt, sobald er ihn anlegt.

So weit, so gut, das klingt nach einem wirklich mächtigen Kerl. Leider aber weiß die Edda auch diverse Abenteuer von Thor zu berichten, in denen er gar nicht gut wegkommt. Einige Geschichten lassen ihn im Gegenteil ziemlich dumm dastehen, er wird als tumber Hau-Drauf geschildert, der sämtliche Probleme mangels Intelligenz mit seinem Hammer lösen will. Oft genug geht er deshalb dem listigen Loki auf den Leim. Auch in bildlichen Darstellungen aus der Wikingerzeit sieht Thor alles andere als strahlend und bewundernswert aus.

Thor

Diese isländische Bronzestatue zeigt vermutlich Thor. Eindrucksvoll sieht er ja nicht gerade aus.

In einigen Begebenheiten muss sich der arme Thor sogar regelrecht lächerlich machen, so zum Beispiel, als ihm im Schlaf sein Hammer abhanden kommt. Der Riese Thrym hat ihn gestohlen und will ihn nur gegen Thors Schwester Freya eintauschen. Die will natürlich nicht, also überredet Loki den verzweifelten Thor, sich doch in ein Brautkleid zu werfen und zu den Riesen zu gehen. Thor allerdings spielt seine Rolle nicht sonderlich überzeugend, er weigert sich, den Bräutigam zu küssen und fällt durch seine Gefräßigkeit negativ auf. Letzten Endes erkämpft er sich den Hammer und tötet sogleich Thrym.

Auch den großen Auftritt von Thor auf seinem Wagen stellt man sich oft sehr majestätisch vor. Allerdings ist in der Edda auch beschrieben, wer diesen prächtigen Wagen zieht: Zwei Ziegenböcke namens Tanngnjostr und Tanngrisnir.

Thor

Thor mit seinem Ziegengespann. Ein großer Auftritt geht anders.

Thor hat es also voll erwischt, er ist ein Gott mit Stärken und Schwächen, der kein Fettnäpfchen auslässt. Dennoch wurde er verehrt und bewundert – oder vielleicht gerade deshalb? Es ist gut möglich, dass der jähzornige, manchmal einfältige, aber doch grundehrliche Thor einfach zugänglicher für die Wikinger war als der hinterlistige Loki oder der allzu weise Odin.

Bildquelle: Wikipedia.

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