Band der Woche: Lichtscheu

Lichtscheu – das sind vier Musiker aus dem hohen Norden Deutschlands, die sich 2011 in dieser Form zusammengefunden haben. Melodischer Metal mit Gothic- und Rock-Elementen ist ihr Steckenpferd, und 10.01.2016 ist ihr erstes Album Scherbenwelt erschienen.
Lichtscheu mögen sie sein, doch zum Glück sind sie nicht interviewscheu und haben sich tapfer unseren Fragen gestellt!
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Wer verbirgt sich hinter Lichtscheu?
Vier sehr unterschiedliche Wesen, die versuchen, einen Teil ihrer Persönlichkeit in die Musik fließen zu lassen: Timo an der Gitarre, Daniel an den Keyboards, Freddy an den Drums und Angela am Mikrofon. Der Umstand, dass wir kein Bandoberhaupt haben, erschwert den Entstehungsprozess der Songs zwar, macht ihn aber auch zu einem sehr ehrlichen, aufregenden Erlebnis. Und jedes Mitglied hat seine Aufgaben, die sich einfach aus den besonderen Vorzügen oder Vorlieben der Beteiligten von selbst entwickelt haben. Daniel regelt unsere Finanzen, Timo hat das Cover des neuen Albums Scherbenwelt entworfen und wird sicher auch zukünftig Artwork für Lichtscheu erschaffen. Angela kümmert sich um das Booking und füllt die Homepage und all die anderen Social Networks, in denen wir vertreten sind, mit Leben. Freddy wird geschont, weil er on tour den lästigsten Job hat: Drums auf- und abbauen. Und er ist im Allgemeinen eher der Mann, der zupackt, wenn es was zu erledigen gibt. Kaminholz für den Proberaum beschaffen (ja, wir heizen im Winter dort mit einem Ofen) und all solche Dinge. Wir ergänzen uns also verdammt gut. Und das ist eine wichtige Voraussetzung, um ohne Management zu funktionieren. Und wir haben natürlich auch Helfer von Außen. Timo Schnoor hat ganz allein Regie- und Dreharbeiten des Videos Scherbenwelt übernommen, um nur ein Beispiel zu nennen. Wir haben beständige Helfer und solche, die uns nur eine Zeit lang begleiten. Jedem Einzelnen sind wir dankbar.

Müsste man eure Musik in eine Schublade stecken und ein Genre-Etikett darauf kleben, welches wäre das?
Wie sagte es unsere treue Seele aus der Abteilung Merchandise neulich? Für ihn gäbe es nur zwei Schubladen: mag ich oder mag ich nicht. Ist das nicht eigentlich das Wesentliche? Die Sache mit den Etiketten ist eine komplizierte Sache. Sagen wir, es ist Dark Romantic Metal, heißt es gelegentlich, für Metal wären wir nicht hart genug. Dabei versuchen wir mit dem Wort „Romantic“ genau das zu sagen: dass der Metal-Anteil durch verspielte Elemente relativiert wird. Kleben wir das Etikett Gothic Rock drauf, kommen Reaktionen wie „richtiger Gothic ist das aber nicht“ … usw., usw. Um das alles zu umschiffen, könnten wir es Dark Romantik Rock nennen, aber da kommt bestimmt wieder eine Gegenstimme aus dem Äther. Live sind wir jedenfalls durchaus metallisch.

Beschreibt euren Sound mal außerhalb aller Genre-Schubladen: Die Musik von Lichtscheu klingt wie …?
… ein musikalisches Plädoyer für die Schönheit der Nacht, eine Reise ins Zwielicht, die musikalische Umsetzung eines Lebensgefühls.

Aus welcher Stimmung heraus ergeben sich die besten Lieder?
Zugegeben, Angela hat noch nie vor lauter Glückseligkeit einen Song bzw. Text geschrieben. Ihre größte Inspiration ist wohl die innere Seelenqual. Und wir Übrigen haben festgestellt, dass nach langen Probepausen in der ersten Euphorie des Wiedersehens sehr gute Songideen entstehen können. Auch nach einem richtig guten Gig gibt es Kraft für Neues. Daniel hat eher in euphorischer Stimmung einen Ideenfluss und wird auch durch Konzertbesuche inspiriert, dann setzt er sich ans Keyboard.

Welches Instrument wird sicherlich NIE auf einem Lichtscheu-Album zu hören sein?
Man soll niemals nie sagen, stimmt’s? Wir könnten viel eher sagen, welches Instrument wir gern mal dabei hätten, aber ausschließen würden wir auf Anhieb keines. Angela steht nicht so auf Trompeten. Die würden sehr wahrscheinlich nie vorkommen, oder nur sehr dezent. Und der Sound der Hammond-Orgel erzeugt auch eher negative Schwingungen bei ihr.

Welche Platte sollte man auflegen, wenn man morgens aus dem Bad spaziert und das wunderhübsche Mädchen von gestern Nacht noch im Bett liegt?
Das käme drauf an, ob man das Mädchen langfristig bei sich behalten möchte oder lieber nicht! (lacht) Wir können uns an solche bezaubernden Momente gar nicht mehr erinnern. Aber wir haben einen Song, der ganz gut dazu passen könnte: „Geheimnis“ aus unserem Debütalbum von 2011. „Teil ein Geheimnis mit mir, dann gehör’ ich für immer zu dir. Begeh’ eine Sünde oder auch zwei, fühl dich verbunden und doch frei“. Timo, unser Gitarrist, würde wahrscheinlich einen Song seiner favorisierten Band Meshugga auflegen, um zu testen, ob die neue Eroberung damit klar kommt. (lacht)

Die gute Fee steht plötzlich vor euch und sagt, ihr hättet einen Wunsch frei. Was wünscht ihr euch?
Nr. 1: Weltfrieden. Nr. 2: Einen Sponsor/Mentor für unsere Musik, der uns dabei aber nicht die Authentizität raubt, sodass wir bessere Entwicklungsmöglichkeiten erhalten und vorhandene Ideen sich auch besser umsetzen ließen, z. B. im Bereich Videodreh und Studioarbeit. Nr. 3, etwas widersprüchlich zum zweiten Wunsch (falls der nicht in Erfüllung gehen sollte, die Feen von heute sind auch nicht mehr das, was sie mal waren): Ein Musikbusiness, bei dem es sich nicht in erster Linie um Geld und Erfolg dreht, sondern um das Wesentliche: um die Musik und die Menschen, für die sie bestimmt ist!

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Kein Alkohol ist bekanntlich auch keine Lösung – eine Alk-Kombination, nach der ihr ganz sicher keine Probleme mehr habt?
Vor Konzerten gibt es bei uns keinen Alkohol, denn dann hätten wir garantiert Probleme. Da wir selten in der eigenen Region unterwegs sind, haben wir auch hin und wieder recht lange Anfahrtswege. Sex, Drugs, Rock’n’Roll? Bei uns gibt’s das eher nicht. Ein Konzert, bei dem positive Energie fließt, ist auch oder gerade ohne Alkohol ein unvergessliches Erlebnis. Nach den Konzerten sieht man Angela hier und da mal ein Glas Sekt trinken. Wenn wir „keine Probleme mehr“ als das totale Ausklinken deuten, dann wäre brauner Tequila mit Orangenscheibchen der Komabringer für unsere Sängerin.

Woran erkennt man einen Freund?
Dazu gäbe es recht viel zu sagen. Aber ein Merkmal, gerade aus der Sicht von Musikern, die viel Zeit für ihre Musik opfern, wäre dieses: Freunde kann man Monate lang nicht gesehen haben, trifft man sich wieder, ist es, als wäre das letzte Gespräch erst gestern gewesen, und es fühlt sich an wie Heimkommen.

Wer war der Held eurer Kindheit?
Held unserer Sängerin war in Kindertagen Pan Tau und später in ihrer Jugend David Bowie. Wobei sich David Bowie bei ihr wohl heute noch als Heldenfigur eignet. Nun ist ihr Idol im Januar 2016 verstorben. Das war schon ein kleiner Schock gleich zu Beginn des Jahres. Timo wird mit Sicherheit u. a. Comic-Helden gehabt haben und hat diese wohl auch heute noch. Mehr verraten wir nicht.

Was ist die peinlichste/überraschendste CD in eurem Regal?
CDs, die einem peinlich geworden sind, wurden lange aussortiert. Vielleicht überraschend: Angela hat eine CD von Christina Aguilera im Regal, nämlich einfach zum Üben.

Was steht als Nächstes an – Tour? Studio? Auszeit? Ganz was anderes?
Wenn man bedenkt, dass die Tonspuren von Februar 2015 jetzt erst im Januar 2016 als Scherbenwelt auf den Markt kommen, lässt sich vorstellen, dass sich die Titel für uns schon fast „alt“ anfühlen. Hinzu kommt, dass wir einige Songs schon länger im Live-Programm hatten und auch konsequent gespielt haben, in der Zeit als noch am Mixing und Mastering der Scherbenwelt gearbeitet wurde. Da wir noch einen relativ kleinen Fankreis haben, ist das aber unproblematisch, und die Musik ist für die meisten Hörer trotzdem unverbraucht und neu. Uns zieht es aus dem Grunde aber schon sehr stark dahin, neue Songs zu erschaffen und in Sachen Tonstudio noch mehr Professionalität zu erreichen. Wir werden versuchen, kompositorisch mutiger zu werden. Schließlich haben wir kein Management oder Label, das uns etwas vorschreibt. Diese Freiheit voll auszuschöpfen ist das Ziel, auch wenn durchaus nicht unwesentliche Nachteile dadurch entstehen, z. B. bei der Suche nach Auftritten und der Vermarktung. Die positiven Aspekte dieser Freiheit wollen wir bewusster genießen und für uns nutzen. Live-Auftritte sind zwar für uns immer die Highlights, aber die Auftrittslage hat sich allgemein für Underground-Bands nicht gerade optimiert. Aus verschiedenen Gründen müssen wir in der nächsten Zeit etwas kürzer treten, würden aber zu tollen Festival-Gigs niemals Nein sagen. Fakt ist, wir werden in nächster Zeit hauptsächlich neue Songs komponieren und aufnehmen und auch noch den einen oder anderen Videoclip zu Songs aus der Scherbenwelt nachlegen.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich auf gut gepflegten Accounts in diversen sozialen Medien näher über Lichtscheu informieren:

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