CD: Trees of Eternity – The Hour of the Nightingale

Kein Licht am Ende des Tunnels

trees-of-eternity-hour-of-the-nightingale-2lpSeit dem 2013 veröffentlichten Demo Black Ocean sind nun drei lange Jahre vergangen (diese Zeit ist allerdings keine Seltenheit im Metal Genre), in denen die aus Finland stammende Formation Trees of Eternity einige Höhen und Tiefen durchlebt hat. Die Band besteht aus Juha Raivio (Guitars, Swallow the Sun), Kai Hahto (Drums, Wintersun), Fredrik Norman (Guitars, October Tide), Mattias Norman (Bass, Moondark) und Aleah Starbridge (Vocals). Womit wir auch schon bei den oben angesprochenen Tiefen wären, denn Aleah Starbridge verstarb 2016 an einem Krebsleiden. Die Gesangsspuren für The Hour of the Nightingale waren bereits eingesungen bevor sie ihrem Leiden erlag. Als Fan des Demos war es für mich eine Selbverständlichkeit, für Euch ins neue Album The Hour of the Nightingale zu hören.

Der rund 62-minütige Rundling, dessen Qualität schon nach wenigen Sekunden positiv ins Ohr geht, besticht durch eine glasklare Produktion. Eingleitet von „My Requiem“ beginnt eine Reise zum Inneren der Seele, eine elegische Schönheit getragen von der ätherischen Stimme Aleahs. Der Grundtenor liegt ganz tief im Herbst und Winter, Trauer und Melancholie, Erhabenheit und Fragilität. „Eye of Night“ beginnt bedächtig und steigert sich im Laufe der Spielzeit zu einm progressiven Stück Metal, das im Refrain so schön klingt, das man am liebsten die Augen schließen würde, um eins mit dem Song zu werden. Die eingestreuten Akustikpassagen, nur mit der nackten Stimme der Sängerin, habe ich so nicht mehr seit dem Album Velvet Darkness they fear von Theatre of Tragedy vernommen. „Condemned to Silence“ ist vertonte dunkle Romantik. Hier wird zum ersten Mal auch der männliche Klargesang unterstützend beigesteuert. Für mich persönlich einer der schönsten Tracks seiner Art. „A Million Tears“ erinnert mich wieder daran, warum ich Gothic / Doom Metal über alles schätze: sehnsuchtsvoll vorgetragene Elegie und Schönheit. Es geht unter die Haut und fühlt sich dort scheinbar sehr wohl. Die Melodien sind ein wenig an My Dying Bride angelehnt, und der Gesang ist schier betörend. Das titelgebende „The Hour of the Nightingale“ beginnt akustisch, und in meinem Kopf entstehen Bilder von Seen mit grünbewachsenen Flächen umgeben von Bergen und Melancholie. „The Passage“, der wohl lupenreinste Gothic Metal Track des Albums, lässt mich an Großmeister des Genres wie Draconian, The Fall of every Season, Lethian Dreams, Saturnus und Todesbonden denken. Perfekt auf den Punkt gespielt, aber auch nie die ausladenede Epik vermissen lassend. „Broken Mirror“ wurde als Vorab-Single ausgekoppelt und ist meiner Meinung nach das ideale Stück, um den Soundkosmos von Trees of Eternity kennenzulernen. „Black Ocean“, das bereits auf ihrem Demo Black Ocean veröffentlicht wurde, liegt hier in einer remasterten Version vor. Dieses Stück besticht durch seine fast schon erdrückende Schwere und der sakral verträumten Grundstimmung. „Sinking Ships“ ist rein akustisch gehalten. Definitiv elfenhaft, anders ist es nicht zu beschreiben. Der letzte Track des Albums, „Gallows Bird“, ist ein fieses Stück Funeral Doom Metal, gepaart mit Neoclassic Vocals wie man sie sonst von Bands wie Ataraxia oder Black Tape for a blue Girl kennt. Hier wird Tristesse und Bleakness nicht nur zelebriert sondern auch gelebt. Ein mehr als würdiger Abschluß!

Fazit: Ich bin begeistert! Für Melancholiker, Romantiker, Herbstmenschen, Winterdepressionisten und alle Fans von Draconian, The Fall of every Season und Liebhaber von Metal, der ein wenig nach Moder riecht. Zur kommenden Jahreszeit passt dieses Album wie der Nagel zum Sarg. Lasst euch betören von der Hoffnungslosigkeit. Kaufempfehlung ohne wenn und aber!

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Trees of Eternity: The Hour of the Nightingale
Svart Records, 11.11.2016
Bandcamp
Download 6€

Tracklist
1 My Requiem
2 Eye of Night
3 Condemned to Silence (feat. Mick Moss of Antimatter)
4 A Million Tears
5 Hour of the Nightingale
6 The Passage
7 Broken Mirror
8 Black Ocean
9 Sinking Ships
10 Gallows Bird (feat Nick Holmes of Paradise Lost)

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