CD: Ayahuasca – Beneath the mind

Experimentell und bewusstseinserweiternd

a3673207349_10Im extremeren Metal-Bereich bin ich ja im Regelfall wirklich nicht Zuhause. Es gibt aber wie immer Ausnahmen, bei denen etwas Besonderes passiert, das die Band aus der Masse heraushebt und für mich interessant macht. Die vorab veröffentlichte Instinct-EP der Kölner Band Ayahuasca ist so ein Fall, ich bin gespannt, ob das Debütalbum Beneath the mind meine geweckten Erwartungen erfüllt. Kurz zusammengefasst: Ayahuasca ist ein halluzinogen wirkender Tee, der aus einer Lianenpflanze und einem DMT-haltigen Kaffestrauch gebraut wird und seinen Ursprung bei Schamanen und Naturvölkern ganz Südamerikas hat. Den Namen nach haben einige Mitglieder der neunköpfigen Band südamerikanische Wurzeln, woher sich die Verbindung erklärt.

Nach Naturgeräuschen und Vogelgezwitscher empfangen mächtige Tribal-Drums den Hörer beim zehnminütigen Opener „Instinct“, das könnten fast auch noch die französischen Trommler Les Tambour du Bronx sein. Aber schließlich setzen die weiteren Instrumente und ein im Death Metal typischer Growl-Gesang ein. Die Stimmung wechselt fortlaufend, und auf ruhige Klargesangspassagen folgen knüppelharte Blastbeats. Zum Klang der Trommeln läuft der Track langsam aus. Bereits bei diesem Song ist klar: „Roots bloody roots“ von Sepultura ist eins der musikalischen Vorbilder von Ayahuasca. Die Rhythmussektion von „Life beneath the mind“ versetzt meinen Kopf sofort in Schwingungen, dazu sägen spitze Girarren ins Hirn. Hier wird aber nicht bedingungslos aufs Tempo gedrückt, außer passagenweise von den Double Bass Drums. Auch Tribal-Klänge kommen in den ruhigeren Parts zum Einsatz, und hochtrabende Gitarren-Soli dürfen nicht fehlen. Gesanglich wechselt die Stimme teilweise vom Death in den Black Metal und in Klargesang. Auf „Abyss“ wird sogar mehrstimmiger Gesang eingesetzt, aber grundsätzlich bleibt es dem Death Metal verhaftet. Drums und Percussion ergänzen sich gegenseitig, eine ruhige Zwischenpassage sorgt für Abwechslung. Das schleppende Intro zu „Cendres et ruines“ lässt Großes erwarten, und richtig, irgendwann bricht die musikalische Gewalt aus. Diese ist aber von Breaks durchgezogen, dennoch hat es die Mischung aus verschiedenstimmigen Shouts, Growls, ruppigen Gitarren und wechselnden Drumbeats in sich. Zum Ende hin überrascht der Song mit einem getragenen Streicherpart, der einen Übergang zum ruhigen „Cult“ bildet. Die Gitarre wird hier ganz feinfühlig gezupft, und auch der Gesang passt sich an, irgendwie wehmütig und traurig mit den langgezogenen Vocals, aber gleichzeitig einfach schön. Etwa zur Mitte des Songs kippt die Stimmung, die Gitarren werden progressiver. Die Band rockt nun das musikalische Thema, der Growlgesang kehrt zurück.
„Orange spliff“ ist ein Fest für Drumfans, wahnsinnig schnell und immer wieder von Breaks und Tempiwechsel durchzogen, dazu wird einem kompromisslos der Death Metal um die Ohren geblasen. Etwa zur Hälfte herrscht plötzlich Stille, aber hier wird nur kurz Luft geholt für den zweiten Teil des Songs. Dieser ist rein instrumental gehalten und doom-ähnlich schwer und getragen. Eine fragile Melodie durchzieht „Eternal embrace“, über die sich mit Wucht die übrigen Saiteninstrumente und die Drumsection legen. Vertrackte Rhythmus- und Tempiwechsel dominieren auch diesen Song, in dem der Growlgesang vorherrscht. Das Schlusslied „Summoners of storms“ beginnt mit Percussion, bis diese in eine Double Bass Drum übergehen, und die Gitarrenriffs passend dazu die Nackenwirbel malträtieren, zumindest bis zum nächsten Break. Auf zwölf Minuten Länge werden noch einmal alle bereits beschriebenen Register gezogen. Auf die ruhigeren Passagen folgt ein Gewaltausbruch, auch der Gesang vollzieht die gesamte Bandbreite von Klargesang über Growls bis hin zu Black-Metal-typischem Kreischen. Im letzten Drittel wird es noch einmal richtig mystisch mit Tribal Percussion und Schamanengesängen, bevor der Song und damit das Album nach einem furiosen Finale ausklingt.

Fazit: Das ist keine leichte Kost, die Ayahuasca auf ihrem Debüt Beneath the mind abliefern. Death Metal trifft auf Ethno-Elemente, Blast Beats treffen auf Tribal Drums, das Erbe Sepulturas wird fortgeführt und mit Breaks und Metalcore-Elementen erweitert. Die Arrangements sind zum einen äußerst komplex und experimentell, zum anderen aber gleichzeitig so voller Groove, dass mich bereits das erste Mal hören auf eine Reise ins Unterbewusstsein schickt. Ayahuasca sind offensichtlich ähnlich bewusstseinserweiternd wie der gleichnamige Tee. Trotz der musikalischen Dichte kommt diese mir zu keinem Zeitpunkt überladen vor. Die abrupten Übergänge werden sicherlich nicht jedem gefallen, für mich passt das so. Man soll ja bekanntlich die Finger von Drogen lassen, aber das Experimentieren mit dieser musikalischen Droge lohnt sich auf jeden Fall.

Anspieltips: Instinct. Aber eigentlich ist Beneath the mind ein zusammenhängendes Gesamtkunstwerk, das man sich mit Kopfhörern komplett am Stück anhören sollte.

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Ayahuasca: Beneath the mind
Kernkraftritter Records, Vö. 09.11.2018
CD 15,00 €, erhältlich über Kernkraftritter Records
MP3 Download 9,99 €, erhältlich über Bandcamp
Homepage: https://www.facebook.com/ayahuasca.death
https://www.kernkraftritter-records.de/

Tracklist:
Instinct
Life beneath the mind
Abyss
Cendres et ruines
Cult
Orange spliff
Eternal embrace
Summoners of storms

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