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Die Schwedifizierung der Festivalwelt, Teil 2

20190720_201429Ein Vorteil des abrupt geendeten Abends ist, dass ich am Sonntag einigermaßen ausgeschlafen bin und voller Tatendrang mittags auf dem Tanzbrunnen-Gelände einlaufe. Nicht nur ich stelle überrascht fest, dass der Beach Club erst um zwölf Uhr öffnet, es hat sich bereits eine ansehnliche Schlange gebildet. Als wir dann endlich das Sand- und Liegestuhlparadies betreten dürfen, kommt der Türsteher mit dem Klickzählen der Besucher gar nicht mehr nach. Im Handumdrehen sind die Liegestühle besetzt, und man meint geradezu, das wohlige Seufzen aller zu hören. Der Blick auf Rhein und Dom, die vorbeiziehenden Lastenschiffe, der riesige Schattenspenderbaum … Da sind alle spielenden Bands einen Moment lang egal, was in meinem Fall bei den auf der Main Stage lärmenden Ost + Front auch stimmt. Neue Deutsche Härte wird nie mein Fall sein, und als dann noch die Sonne richtig runtersticht, verziehe ich mich auf der Suche nach ohrenfreundlicherer Musik ins Händlerzelt zum Hands-Stand. Dort verquatsche ich mich wieder kolossal, nehme natürlich auch Musik mit (wen es interessiert: MDDReverse the contrast) und schaffe es auf die Minute pünktlich zurück zur Main Stage, denn da habe ich einen Termin. Weiterlesen

Schwedifizierung der Festivalwelt, Teil 1

IMG_7958Nach dem wunderschönen Call the ship to port vom Vorabend bin ich jetzt schon voll im Festivalmodus und starte den Amphi-Samstag mit dem ersten Act des Tages auf dem Schiff, den Italienern Ash Code. Das sympathische Trio habe ich vor einiger Zeit schon mal in München beim Katzenclub gesehen, wo es einen hervorragenden Eindruck auf mich gemacht hat. Dark Wave mit Postpunk-Anleihen und ordentlich Tempo, spannende Visuals und drei Musiker*innen, die sich an den Instrumenten und am Mikro abwechseln – eine hervorragende Mischung. Das Schiff ist schon überaus ordentlich gefüllt, was mich sehr für Alessandro, Adriano und Claudia freut. Drei Alben hat das Trio bereits veröffentlicht, das letzte, Perspektive, ist von 2018. Wir hören einen schönen Querschnitt, vor allem „Betrayed“ mit Claudia am Mikro oder das druckvolle „Want“. Das TheSound-Cover „I can’t escape myself“ fehlt diesmal, aber das fällt bei dem starken eigenen Material überhaupt nicht auf. Weiterlesen

Feelin‘ quite aquatic

IMG_769215 Jahre Amphi – das will gefeiert werden! Ein ganzes Wochenende voller großer Namen aus dem Electro-, Gothic-, Mittelalter- und EBM-Bereich, mit höchst empfehlenswerten Bands, die schon bald sehr große Namen sein werden, und natürlich mit allem anderen, was so dazugehört: Tanzbrunnen, Schiff, Beach Club, Hohenzollernbrücke, Dom und der Rhein. Nach der letztjährigen Hitzeschlacht mit 37 Grad sind dieses Wochenende zum Glück etwas moderatere Temperaturen angekündigt, der Rhein führt auch ausreichend Wasser, sodass die MS RheinEnergie für das Freitagsevent und die regulären Festivaltage ein paar Schritte entfernt vom Tanzbrunnen auf der Deutzer Seite anlegen kann. Ich genieße im Vorfeld noch ein bisschen Köln, befinde mich zwischendurch im „Siebten Himmel“ (eine unglaublich empfehlenswerte Buchhandlung im Belgischen Viertel) und freue mich schon sehr auf die schwarze Familie und den Freitagabend, wenn es wieder heißt: „Call the ship to port“ – die beliebte und jedes Jahr restlos ausverkaufte schwarze Kaffeefahrt mit Musikprogramm den Rhein hinunter und wieder hinauf. Weiterlesen

Experimentell und bewusstseinserweiternd

a3673207349_10Im extremeren Metal-Bereich bin ich ja im Regelfall wirklich nicht Zuhause. Es gibt aber wie immer Ausnahmen, bei denen etwas Besonderes passiert, das die Band aus der Masse heraushebt und für mich interessant macht. Die vorab veröffentlichte Instinct-EP der Kölner Band Ayahuasca ist so ein Fall, ich bin gespannt, ob das Debütalbum Beneath the mind meine geweckten Erwartungen erfüllt. Kurz zusammengefasst: Ayahuasca ist ein halluzinogen wirkender Tee, der aus einer Lianenpflanze und einem DMT-haltigen Kaffestrauch gebraut wird und seinen Ursprung bei Schamanen und Naturvölkern ganz Südamerikas hat. Den Namen nach haben einige Mitglieder der neunköpfigen Band südamerikanische Wurzeln, woher sich die Verbindung erklärt. Weiterlesen

Von rutschenden Hosen, Zombieclowns und tanzenden Katzen

 

Meine Güte, wie die Zeit vergeht. Fünf Jahre gibt es den Katzenclub schon, die vierteljährliche Party- und Konzertreihe, die es schafft, an nostalgische Pulverturmzeiten anzuknüpfen und gleichzeitig die derzeit angesagtesten Bands aus dem schwarz-wavigen Untergrund auf die Bühne zu holen. Die Tempers waren schon da, Zanias, She Past Away, Lebanon Hanover, Ash Code, aber auch so Szenelegenden wie Psyche oder The Invincible Spirit; Klangstabils Boris May ist sowieso Stammgast. Doch die schönste Partyreihe taugt nichts ohne die DJs hinter den Reglern, und da kann der Katzenclub auf die langjährige Erfahrung der Pagan DJs zurückgreifen, auf DJ Thaly aus dem Pulverturm und diverse hochklassige Gäste an den Reglern, die die kleine Tanzfläche mit oft wohltuend unbekanntem Material versorgen. Solche Erfolge müssen gefeiert werden, dachten sich daher die Veranstalter, und daraus wurde das erste Katzenclub Festival im Feierwerk. Weiterlesen

Die schwarze Kaffeefahrt – ein Pflichtprogramm der besonderen Art

IMG_9530Schon wieder ist ein Jahr vergangen, schon wieder ist es Zeit, nach Köln an den Tanzbrunnen zu pilgern, um das dreizehnte Amphi Festival gebührend zu begehen. Wie immer ist es heiß in Köln, wie schon öfter in den letzten Jahren gibt es Probleme mit dem Wasserstand des Rheins, sodass die MS RheinEnergie für das Freitagsevent und auch das reguläre Festival auf der anderen Rheinseite festmachen muss. Innerhalb von zwei Tagen stellt das Amphi-Team hierzu einen Shuttle-Service auf die Beine – nach dem Sturmchaos vor zwei Jahren sicher ein planerischer Klacks, aber dennoch: Hut ab! Mit diesen Infos im Gepäck und massig Vorfreude geht es also kurz vor dem dritten Juli-Wochenende wieder nach Kölle, bei mir diesmal schon einen Tag früher als sonst, um noch genug Zeit für Freunde und ein wenig Sightseeing (die Seilbahn über den Rhein!) zu haben. Weiterlesen

XXX-Mas in Amsterdam

IMG_3039Arbeitstechnisch müssen recht kurzfristig noch vier Tage Urlaub dieses Jahr verbraten werden. Daheim hocken ist doof, lieber einen Kurztrip planen. Nur, wohin soll es gehen? Schon wieder London? In Prag war ich letztes Jahr. Warum nicht Amsterdam? Da spielen außerdem „rein zufällig und ganz nebenbei“ New Model Army ihr Abschlusskonzert der Weihnachtsminitour, die für die treuesten Fans über Nottingham, London, Paris und Köln nach Amsterdam führt, das die drei XXX im Stadtwappen trägt. Diese sind überall in der Stadt gegenwärtig.
Nachdem ich letztes Jahr erstmalig das legendäre Weihnachtskonzert von New Model Army im Kölner Palladium besucht habe (Link zum Bericht), ist die Show im berühmten Melkweg in Amsterdam eine neue Erfahrung, zumal ich die Stadt noch nie besucht habe. Somit ist das eine prima Gelegenheit, einen Kurzurlaub mit Konzertvergnügen zu verbinden. Weiterlesen

IMG_8825-2Der Sonntag beginnt auch wieder elend früh, um elf eröffnen Beyond Obsession den Tag, und auch sie spielen erfreulicherweise vor einer großen Schar Frühaufsteher. Das Wetter ist im Vergleich zum gestrigen Waschküchentag (bedeckt, schwül wie Hölle, regnerisch) heute etwas erträglicher, weil trockener, es wird allerdings sehr, sehr heiß und sonnig – wie immer auf dem Amphi. Beyond Obsession habe ich erst ein paar Tage vorher in München gesehen, hier auf der größeren Bühne gefallen sie mir noch etwas besser, mehr Bewegungsfreiheit tut Nils Upahl gut, und Songs wie „Unwinnable War“ oder „Song for the Dead“ kommen noch mal eindringlicher rüber. Nils und André machen ihre Sache bei ihrem ersten Amphi-Auftritt als Tagesopener richtig gut und werden mit verdientem Applaus belohnt. Weiterlesen

Das Amphi ist wieder zu Hause!

IMG_8693So wurde es den Besuchern im März 2016 jedenfalls verkauft, der abrupte und für viele überraschende erneute Locationwechsel von der Lanxess-Arena zurück an den Tanzbrunnen. Eine wirkliche Erklärung dafür gibt es bis heute nicht, man munkelt, der Verkauf der Arena an einen asiatischen Investor sei der Grund dafür. Allerdings mochten auch viele Besucher die große, etwas unpersönliche Halle nicht und sehnten sich nach dem gemütlichen Ambiente des Tanzbrunnens zurück. Mir persönlich hat das neue Gelände letztes Jahr gut gefallen, die hervorragende Sicht in der Halle, Sitzplätze, Schatten, Klimatisierung – das Amphi ist traditionell ja immer eine Hitzeschlacht –, ausreichend und saubere Toiletten … ich war zuerst überhaupt nicht begeistert über den Rückzug zum Tanzbrunnen, zumal dieser mit Wegfall des Staatenhauses auch sehr viel beengter und kleiner geworden ist. Als dritte Bühne sollte neben der Main Stage und dem Theater das Schiff, das sonst nur am Freitagabend zur Verfügung steht, dienen und dauerhaft für das Wochenende am Tanzbrunnen liegen. Das Schiff ist ohne Zweifel toll, hat aber auch nur eine sehr beschränkte Kapazität. Wo also hin mit den ganzen Leuten, sieht man dann auch die Bands, die man sehen möchte? Wie lange werden die Schlangen an den Verpflegungsständen, Toiletten und am Einlass zu Theater und Schiff werden? Fragen, die die Festivalvorfreude bei mir doch ein wenig getrübt haben. Und wie war es dann letztendlich? Lest selbst. Weiterlesen

Weihnachtsfeier einmal anders

Trotz über 30 besuchter Konzerte einer meiner immerwährenden Lieblingsbands habe ich es bislang nie nach Köln zu der legendären Weihnachtsfeier von New Model Army geschafft, eines von vier Konzerten im Dezember speziell für die treuesten Fans. Die weiteren finden in Nottingham, London und Amsterdam statt. Der heutige Abend ist also etwas Besonderes für mich.

Radio Havanna eröffnen den Abend, und ich muss gestehen, dass mir die Band bislang unbekannt ist, obwohl sie schon 2002 gegründet wurde und mittlerweile fünf Alben veröffentlicht hat. Sie machen deutschen Punkrock und das gar nicht mal so schlecht, aber mir persönlich sind sie vom Sound her zu poppig. Etwas weniger Tote-Hosen-mäßigen Stadionrock und dafür mehr Punk hätte ich mir gewünscht, obwohl die politische Richtung klar erkennbar ist. Bei zwei Liedern wird die Gitarre deutlich härter und schneller gespielt, und die kommen dann direkt nicht nur bei mir, sondern auch beim restlichen Publikum deutlich besser an, obwohl die Hälfte noch gar nicht eingetroffen oder draußen beim Rauchen ist.

Nach einer kurzen Umbaupause erobern The Godfathers die Bühne, und jetzt erlebe ich eine Überraschung. Namentlich waren sie mir zwar irgendwie bekannt, trotzdem frage ich mich, wie diese Band all die Jahre an mir vorübergegangen sein konnte, wurde sie doch schon 1985 gegründet. Der Indie-Alternative-Rock ist deutlich von Punk und New Wave beeinflusst und begeistert mich auf der Stelle, die energiegeladene Bühnenshow und die 30er-Jahre-Gangsteroptik tut ihr Übriges dazu. Auch in der Halle ist jetzt ordentlich was los, viele Leute kennen die Godfathers ganz offensichtlich und gehen begeistert mit. Am 06.02.2016 spielen sie übrigens in München im kleinen Rahmen in der Glockenbachwerkstatt, das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Nun heißt es warten auf den Hauptact. Der Umbau dauert nun etwas länger, doch schließlich erlischt das Saallicht, und endlich geht es los. Weiterlesen