CD: Leaves‘ Eyes – King of Kings

Zurück zu den Wikingern

Wie das mit Lieblingsbands so ist, hangelt man sich erwartungsvoll von Release zu Release. Ein neues Album kommt raus, man ist begeistert, hört es wochenlang rauf und runter, dann ist bei den meisten Bands ein paar Jahre Ruhe, bis das Ganze von vorn beginnt. Und mit jedem gelungenen Album steigen die Ansprüche.
Leaves‘ Eyes ist eine Band, die mich bisher noch nie enttäuscht hat. Mit jeder Veröffentlichung wurde ihr Sound ausgefeilter, die Ideen reifer, ständig kam Neues dazu und verschwand Altes, aber der Sound war immer eindeutig Leaves‘ Eyes.
Nachdem das letzte Album, Symphonies of the Night, nun auch schon wieder zwei Jahre alt ist, habe ich wieder erfreut auf ihr neues Werk King of Kings hingefiebert. Aber wurden die hohen Erwartungen erfüllt?


Titel und Cover machen schon klar: nach dem Abstecher in die Geschichte der starken Frauen aus Symphonies of the Night kehren Leaves‘ Eyes zu ihren Wurzeln zurück: Wikinger! Das Album ist Harald Hårfagre (Harald Schönhaar) gewidmet, dem Krieger, der als erster „König“ Norwegens gilt, da er es geschafft hat, die ständig verfeindeten Stämme zu vereinen.
Die Thematik legt schon nahe, dass es stilistisch wieder folkiger wird, also eine Reise in die Bandvergangenheit. Track Nummer eins, „Svewen“, wird dem auch gleich gerecht – es bietet einen mystischen, spannenden Einstieg ins Album und macht Lust auf mehr. Es geht nahtlos in „King of Kings“ über, das vor Epik strotzt. Eine große Hymne an den König der Könige, in der Liv Kristines kristallklare Stimme hervorragend von den London Voices (ja, genau, der Chor von Herr der Ringe, Hobbit, Harry Potter … so ziemlich allen großen Filmsoundtracks!) unterstützt wird.
Der nächste Song „Halvdan the Black“, möchte leider etwas brachialer daherkommen, als er eigentlich ist. Er fängt zwar interessant an, aber die heiseren Growls und der „böse“ Refrain klingen dann doch zu bemüht. „The Waking Eye“ schreit vom ersten bis zum letzten Takt „Single!“ – nicht unangenehm zu hören, eingängig, rundherum nett. Und wessen kleiner Bruder „nett“ ist, wissen wir ja.
Weiter zu „Feast oft he Year“ – endlich wieder richtig folkig! Klasse! Aber … was? Nur 38 Sekunden lang? Na gut, es dient als geniale Überleitung in „Vengeance Venom“, das eine Prise Metal zum Folk und Fahrt ins Album bringt.
Track Nummer 7, „Sacred Vow“ will leider so gar nicht in mein Ohr, obwohl ich nicht benennen könnte, was mir daran nicht gefällt. Die Strophen gehen gut, aber alles in allem ist das Stück eher nichtssagend.
Für „Edge of Steel“ wird Liv Kristine von einer weiteren Genregröße unterstützt: Epica-Frontfrau Simone Simons gibt sich die Ehre, und ihre kräftige, kehlige Stimme ergänzt den Gesamtklang perfekt. Episch, heldenhaft – so muss das. Und es bleibt folkig: „Haraldskvæði“ beginnt ähnlich mystisch und geheimnisvoll wie schon die Einleitung in King of Kings. Es stellt den Ruhepol des Albums dar, weitgehend akustisch und schlicht gehalten, aber mit großartiger Atmosphäre.
„Blazing Waters“ hat ein ähnliches Problem wie schon „Sacred Vow“ – nichts an diesem Stück ist wirklich verkehrt, aber auch nichts wirklich toll, und für sieben Minuten steckt leider einfach zu wenig drin.
Mit „Swords in the Rock“ steuern wir aufs Ende des Albums zu, und das dreht nochmal richtig mit fetzigem Folk Metal auf. Das geht ins Ohr und ein bisschen sogar in die Beine und ist eigentlich genau so, wie ich es mag und von Leaves‘ Eyes erwarte.

Allgemein ist King of Kings, wie jedes Leaves‘ Eyes Album, technisch einwandfrei, der Sound ist ausgewogen und auf jeden Fall typisch Leaves‘ Eyes, aber alles in allem einfach irgendwie langweilig. Mir fehlen diese „WOW“-Stücke von früheren Alben, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollten, wie „Meredead“ oder „Elenore de Provence“. Und grade bei einer Band, die mich dahingehend sonst nie enttäuscht hat, ist das doch sehr schade. Da helfen leider auch die London Voices und Simone Simons nicht. King of Kings ist ein solides Symphonic-/Folk Metal Album, aber im direkten Vergleich zu seinen Vorgängern leider eher schwach.

Anspieltips: „King of Kings“, „Swords in the Rock“

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch2: :mosch2:

Tracklist:
1. Sweven
2. King of Kings
3. Halvdan the Black
4. The Waking Eye
5. Feast of the Year
6. Vengeance Venom
7. Sacred Vow
8. Edge of Steel (feat. Simone Simons / Epica)
9. Haraldskvæði
10. Blazing Waters (feat. Lindy-Fay Hella / Wardruna)
11. Swords in Rock

Leaves‘ Eyes – King of Kings
2015, AFM Records, VÖ 11.9.2015
CD: 16,99€, mp3: 9,99€
Amazon: http://www.amazon.de/King-Kings-Leaves-Eyes/dp/B00ZPZTVN2
http://www.leaveseyes.de/
https://www.facebook.com/leaveseyesofficial

 

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