Festival: 13.-15.06.19 – Subkultfestivalen – Folkets Park, Trollhättan/Schweden

Der beste Kaffee von Seattle

lineup-1Kaum ist die Wäsche trocken, geht’s auch schon wieder los … Grade war noch WGT, aber nach einem kurzen, aufgrund der schlechten Reiseverbindungen unvermeidlichen Zwischenstopp in Stockholm (bei dem dann auch zumindest ein Teil der Wäsche noch schnell gewaschen werden kann) sitzen wir (eure Skandinavien-Korrespondentin ankalætha mit Begleitung) am Donnerstag nach Pfingsten schon wieder im Zug zum nächsten Festival: das Subkultfestivalen im schönen Trollhättan ruft. Das Subkult ist ein unglaublich gemütliches, familiäres Festival im Westen von Schweden, das sich – ganz genau – den Subkulturen verschrieben hat. Dementsprechend gemischt ist auch das Line-up, etwas Goth, etwas Metal, Hauptsache subkultig. Dieses Jahr bin ich zum dritten Mal dort, und die Vorfreude ist entsprechend groß.

Donnerstag
Am frühen Nachmittag kommen wir an, beziehen unser Hotelzimmer und haben dann noch einiges an Zeit, bevor es richtig losgeht. Offiziell startet die Pre-Party in der mitten in der Fußgängerzone gelegenen Backstage Rockbar um sechs Uhr, aber der erste Live-Act ist nicht vor halb neun dran, und die erste Band, die ich sehen will, dann nochmal eine Stunde später. Wir glühen daher gemütlich auf dem Balkon des Hotelzimmers vor, bevor wir uns dann mal auf den Weg, in diesem Fall: einmal schräg über die Straße, machen.
Cynical-Existence-1Die Backstage Rockbar, ein gemütlich-düsterer Club im Souterrain unter einem asiatischen Restaurant, aber mit eigener Außenterrasse, ist schon recht gut besucht, als wir ankommen. Wir haben gerade noch Zeit, um uns während der Umbaupause einen Überblick über eventuell anwesende Bekannte zu verschaffen, dann betreten Cynical Existence die Bühne bzw. den hinteren Bereich des Raumes, der mit einer simplen Kette vom Zuschauerraum abgesperrt ist. Die Schweden überzeugen auf ihren bisherigen Alben durch intelligent-abwechslungsreichen Metal mit elektronischen Einflüssen, ich bin daher gespannt. Doch ob es nun am neuen Material liegt oder an der Live-Situation, heute scheint davon nur relativ eintöniger Metalcore übrigzubleiben. Ich höre mir das zwei, drei Songs lang an, dann wird es doch zu langweilig, und wir gehen wieder hoch, um auf der Terrasse in der Abendsonne zu sitzen, bis es dann eine Stunde später Zeit ist für das Highlight des Abends.
Felin-3-1Felin, nach eigener Angabe ein Künstler-Projekt und keine Band, sind in erster Linie Sänger-/Songwriterin Elin Blom und der für die visuelle Umsetzung zuständige Künstler Fredrik Etoall. Live wird Elin durch eine Band unterstützt, sodass der Auftritt alles andere als wie aus der Konserve wirkt. Als Erstes erscheinen, untermalt von typischen Tippgeräuschen, nach und nach Buchstaben auf der seitlich angebrachten Leinwand, die schließlich „This is a story about…“ und weitere Sätze formen – leider sieht man das nur gut, wenn man im richtigen Winkel und ganz vorne an der „Bühne“ steht. Glücklicherweise hat Elin Blom keinerlei Probleme, auch ohne Videounterstützung das Haus zu rocken, wie ein Derwisch springt, tanzt und tobt sie herum. Das führt zu gelegentlichen Problemen mit dem „Soundknopf im Ohr”, der zwischen den Songs mehrmals neu verkabelt werden muss, davon lässt sie sich jedoch nicht weiter stören und liegt mit ihrem kraftvollen Gesang nie daneben. Musikalisch sind Felin zwischen Bluesrock und Pop angesiedelt, live lässt sich jedoch eine starke Affinität zum Punk kaum verleugnen. Kurz gesagt: Ich freue mich auf das „erste richtige Album”, das dieses Jahr erscheinen soll, und kann ein Reinhören (oder in diesem Fall auch Reinschauen auf YouTube) nur empfehlen.
Anschließend gibt’s noch ein Getränk auf der Terrasse, inzwischen wird es ja doch auch langsam mal dunkel in Schweden, dazu ein paar Diskussionen über Grufti-Altenheime, die wir jetzt bald mal einrichten müssen, wenn wir später nicht jeden Donnerstag zum gemeinsamen Volksmusik-Schunkeln gezwungen werden wollen, und ob Altwerden sich doch lohnt, wenn man eventuell dafür seine Lieblingsband jeden Tag neu kennenlernen darf. Aber dann ist mir kalt, und ich bin müde. Ein Glück ist der Heimweg ja nicht weit.

Freitag
Nach den doch recht anstrengenden letzten Tagen müssen wir heute Vormittag ausnahmsweise mal gar nichts und verschlafen gleich mal gepflegt das Frühstück. Daher finden wir uns irgendwann am frühen Nachmittag in Schwedens bester Burgerkette zu einem verspäteten „Frühstück” wieder, immerhin gibt es hier angeblich „den besten Kaffee in Seattle”. (Wieso das, haben wir nie wirklich rausgefunden, aber man kann ihn trinken.) Während wir also noch am Kaffee nippen und am Telefon rumdaddeln, bemerke ich plötzlich, dass am Nebentisch gerade Solar Fake einen der später auch im Klovideo erwähnten veganen Burger verspeisen. Die sind also auch schon da und zeigen im weiteren Verlauf der zwei Festivaltage auch auf dem Gelände keinerlei Berührungsängste mit Fans und anderen Besuchern.
Trollywood-1Bevor es für uns richtig losgeht mit dem Festivalfreitag, gehen wir aber noch kurz auf Besichtigungstour durch die Stadt – ich habe gerade erst mitgekriegt, das Trollhättan ein schwedisches Filmzentrum ist. Nicht nur (auch in Deutschland bekannte) schwedische Filme wie Fucking Åmal (Raus aus Åmal) und Tillsammans (Zusammen) sind hier entstanden, sondern z. B. auch Lars von Triers Dogville wurde hier gefilmt. Und es gibt den „Trollywood Walk of Fame”, wo in Hollywood-Manier Sterne für beteiligte Künstler in den Gehweg eingelassen sind. Namen wie Rolf Lassgård, Stellan Skarsgård, Lauren Bacall und nicht zuletzt Nicole Kidman finden wir beim Spaziergang die Straße rauf und runter. Danach schauen wir kurz aufs Festivalgelände, wo gerade die Dead Kittens in bester Dead-Kennedys-Manier in der Halle rumbolzen, und holen uns einen Kaffee vom Kaffee-Bus, der nach wie vor niedlichsten mobilen Kaffeebar, die ich je gesehen habe. Dann geht’s nochmal kurz zurück ins Hotel, um die Schuhe zu wechseln.
Pretty-Addicted-2-1Sandalen hätten zwar immer noch besser zum Wetter gepasst, aber damit zu Pretty Addicted rumzuspringen, wäre mir dann doch zu gefährlich. Die Briten waren vor zwei Jahren schonmal auf dem Subkult und haben damals abends zwischen den Headlinern die Halle zerlegt und die Menge begeistert. Auch heute kann man an den diversen Mauseohren im Publikum schnell erkennen, wie überaus beliebt die Electro-Punker sind. Weshalb es diesmal nur einen Nachmittagsslot gab, ist mir deshalb nicht ganz klar. Trotz der frühen Stunde ist die Halle locker gefüllt – leider ist aber der Sound wirklich komplett unterirdisch. Man kann nicht einmal die Ansagen verstehen und hat Mühe, die einzelnen Songs auch nur zu identifizieren. Das ist wirklich schade, denn die Band gibt offensichtlich alles – aber was bringt das, wenn man nur Rauschebrei hört? Ich bleibe trotzdem bis zum Schluss, schon alleine aus Solidarität.
Als Nächstes spielen draußen De Lyckliga Kompisarna, schwedische Punk-Ikonen, die seit den 90ern aktiv sind. Für mich als Nicht-Schweden allerdings eher Hintergrundmusik für Getränke und Gespräche, während wir auf die nächste Band warten.
Alvar-1Alvar – hier lassen sich auf Schwedisch lustige Wortspiele machen, denn „allvar“ bedeutet „bitterer Ernst“ – haben die sicherlich nicht leichte Aufgabe, die kurzfristig ausgefallenen Spetsnaz zu vertreten. Sie meistern diese Herausforderung souverän, und – natürlich – mit der gebührenden Ernsthaftigkeit. Kein Lächeln, keine Ansagen, nur Beat, Power, Musik und Sprechgesang. Alvar machen eine interessante Mischung aus Electro und EBM, aber auch deutliche Industrial-Einflüsse (ein Stahlrohr als Instrument darf nicht fehlen) sind unverkennbar. Durch den betonten Verzicht auf spaßige Elemente in der Show gewinnt der Gig eine enorme Eindringlichkeit und erinnert streckenweise durchaus an Auftritte von Bands im deutlich gothischeren Bereich. Ein beeindruckend atmosphärischer Auftritt, der einen deutlich energieärmer aus der Halle entlässt, als man reinkam. Aber das macht nichts, nachdem draußen jetzt Elaine spielen, mit denen ich mal so überhaupt gar nichts anfangen kann, suchen wir uns eh erstmal eine Sitzbank möglichst weit von der Bühne entfernt und machen Pause.
Wulfband-3-1Ein Glück gibt es dann schon wieder Kontrastprogramm, Wulfband sind dran. Seit einigen Jahren einer der steil aufsteigenden Sterne am schwedischen EBM-Himmel, dem der Ruf vorauseilt, live metaphorisch jede Halle abzureißen. Die zwei geheimnisvollen Schweden, immer maskiert und nur bekannt unter den Pseudonymen 7 und 9, haben heute zur Unterstützung einen – ebenfalls maskierten – Gitarristen dabei. Nun verstehe ich prinzipiell weder den ausgeprägten Hang schwedischer Musiker zu Anonymität und Maskierung noch warum schwedische EBM-Bands unbedingt auf Deutsch singen müssen, in diesem speziellen Fall muss ich aber zugeben, dass die Masken die Show nochmal ein gutes Stück grimmiger wirken lassen. Und von den Texten versteht man eh kein Wort. Das Energielevel ist wie versprochen enorm, die Stimmung im Publikum kocht. Und dann holt plötzlich Sänger 7 einen kleinen Jungen, der bis dahin in der ersten Reihe auf den Schultern seines Vaters saß, für ein gemeinsames Tänzchen auf die Bühne. Der Kleine ist erst perplex – freut sich dann aber sichtlich und trampelt begeistert mit. Und irgendwie wirkt die Band jetzt gar nicht mehr grimmig und aggressiv, sondern einfach nur nett.
Der Headliner des Tages, Evergrey, fällt für uns eher unter „ganz nette Hintergrundmusik”, also ist jetzt erstmal Abendessen dran und Freunde treffen. Zusammen geht es dann rechtzeitig in die Halle, um für unsere persönlichen Lieblinge Rotersand einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Was allerdings kein großes Problem ist, da in der Zwischenzeit in einem abgesperrten Eck vor der Halle noch eine Feuershow gegeben wird und wie so oft auf dem Subkult die meisten Leute es gar nicht eilig haben, dahin zu kommen, wo die Musik spielt.
Rotersand-4-1Sobald es dann aber losgeht, schafft es das sympathische Duo aus Gelsenkirchen, das hereinströmende Publikum ab dem ersten Ton des Openers „Merging oceans” in seinen Bann zu ziehen. Weiter geht es mit einem gekonnten Mix aus älteren und neueren Songs. Kleinere Pannen wie der Moment, in dem Rascal ankündigt, einen mit dem nächsten Song ganz zu den Anfängen der Band mitzunehmen, und Krischan ihn grinsend unterbricht: „No, actually we won’t”, oder als bei „Torn realities” mittendrin kurz die Musik ausfällt, werden so gekonnt gemeistert, dass sie die Party eher anheizen als stören. Und dann der Moment, auf den ich schon den ganzen Auftritt warte: das Into zu „War on error” ertönt, im Publikum schnellen die Fäuste in die Luft. Krischan verlässt seinen Posten hinter den Maschinen, um am Bühnenrand den Einpeitscher zu geben, während Rascal einen kleinen Ausflug ins Publikum unternimmt und „I am not a digit!”-Aufkleber verteilt. Danach gleich der nächste Kracher, mit „Exterminate annihilate destroy” geht es jetzt wirklich zurück zum ersten Album Welcome to goodbye. Die Stimmung ist auf dem absoluten Höhepunkt – und dann ist es leider ziemlich abrupt vorbei, weil man auf dem Subkult auch als letzte Band seine Spielzeit nicht überziehen darf. Zum Ausgleich kommt Rascal nochmal ins Publikum runter, für Fotos, Umarmungen oder auch einen kleinen Ratsch.

Samstag
Samstagvormittag steht zunächst mal das Viktorianische Picknick auf dem Programm. Was klingt wie ein billiger Versuch, das WGT nachzumachen, ist in Wirklichkeit eine sehr nette und entspannte Veranstaltung, ins Leben gerufen von einer Gruppe, die auch in Uppsala Viktorianische/Steampunk-Picknicks mit Anreise im historischen Zug organisiert. Ums Sehen und Gesehenwerden geht es hier weniger als einfach darum, die passend dunkelromantische Stimmung zu schaffen für ein äußerst gemütliches Picknick im Grünen, mit ein wenig Essen, viel zu trinken, und für ein kleines Krocket-Match ist auch Platz und Zeit. Bei immer noch warmem, sonnigem Wetter der beste Start in den zweiten Festivaltag, den man sich wünschen kann.
Dark-1Dafür opfert man gerne die ersten Bands, und so bin ich erst um halb fünf wieder auf dem Gelände. Dark, die vermutlich stiltreueste Goth-Band des Festivals, eröffnen sehr stimmungsvoll mit einem Cover von Leonard Cohens „You want it darker”. Danach fliegt der Hut in die Ecke, und es wird rockiger. Einflüsse aus dem Goth-Rock der Achtziger sind unverkennbar, man fühlt sich immer wieder an Bands wie Sisters of Mercy und, nicht zuletzt durch die sehr dunkle Stimme von Sänger Erik, an The 69 Eyes erinnert. Eigentlich ein gelungener Einstieg in den musikalischen Abend, leider ist es aber im Zuschauerraum heute wirklich erschreckend leer und viel zu ruhig. Einzig ein paar mittelalte Männer in eher normal-bunten Klamotten und mit Tagesbändchen machen Stimmung vor der Bühne. Ob es daran liegt, dass die Campingplatzparty am Vortag allzu heftig war? Irgendwie scheinen alle, sogar die meisten Anwesenden, noch zu schlafen.
Bataar-1Das ändert sich erstaunlicherweise auch kaum, als BatAAr als nächste Band die Hauptbühne bespielen. Die Visual-Metal-Band aus Göteborg ist bekannt dafür, sich auf keinen musikalischen Stil begrenzen zu wollen und japanische „visual kei”-Ästhetik in ihre Arbeit zu integrieren. Sogar einen Song zum Soundtrack des japanischen Videogames Tekken7 hat man beigesteuert. Musikalisch finde ich den wilden Stilmix eher schwierig – ich bin mir bis zum Schluss nicht sicher, ob ich das, was da alles so innerhalb eines Songs passiert, bloß nicht verstehe, oder ob es zumindest teilweise wirklich einfach nicht zusammenpasst. Nach den ersten Songs kündigt Sänger Endigo an, dass dies der letzte Auftritt vor der endgültigen Bandauflösung ist. Warum man nicht weitermachen will, wird nicht verraten, stattdessen danken sich zwischen allen weiteren Songs reihum die Bandmitglieder gegenseitig, den Fans, dem Festival, den freiwilligen Helfern, und schwelgen in nostalgischen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. Und als dann, nach einem letzten gemeinsamen Foto mit dem harten Kern der Fans vor der Bühne, Schluss ist, merke ich erstaunt, dass ich das jetzt tatsächlich traurig finde – so netten Leuten würde man doch einfach ein Happy End wünschen.
Seadrake-1Aber jetzt müssen wir schnell wieder rein, zu Seadrake. Die sehr internationale „Supergroup” (mehr Nationalitäten als Bandmitglieder …) eröffnen mit ihrem meiner Meinung nach besten Song „Lower than this” und spielen sich zunächst quer durch ihr Album Isola. Im Vergleich zum Beginn der Tour als Vorband von Solar Fake im Januar, als ich sie zuletzt live gesehen habe, hat man sich inzwischen deutlich besser aufeinander eingespielt – jetzt passt es nicht nur musikalisch, auch die Chemie auf der Bühne scheint zu stimmen. Live wie immer etwas rockiger als auf Konserve kommt die langjährige und vielfältige Erfahrung der Mitglieder gut zur Geltung, manchmal meint man sogar, Hiltons musikalischen Hintergrund als Metal-Gitarrist (Dark Millennium, Cherub) durchschimmern zu hören. Gegen Ende des Sets wird dann noch jeweils ein Song von einer der anderen Bands der drei Musiker eingebaut – „Get it on” von Akanoid, „A 1000 miles” von Lowe und „Down to the ground” von Minerve.
A-Projektion-2-1Weiter geht es auf der großen Bühne mit einem meiner persönlichen Festival-Highlights: A Projection, ein glänzender Vertreter des aktuellen Stockholmer Indie/Postpunks. Letztes Jahr habe ich sie auf dem Amphi gesehen, auf der komplett gefüllten RheinEnergie, und hätte mir damals etwas mehr Platz gewünscht. Den habe ich jetzt. Fast schon ein bisschen zu viel davon. Es rächt sich, dass das Mischerzelt dieses Jahr genau zwischen Verpflegungszelt und Bühne steht, und somit diejenigen, die gemütlich bei Bier und Burger der Musik lauschen, überhaupt nicht als Publikum wahrgenommen werden. Die Band lässt sich jedoch vom relativen Mangel an Menschen vor der Bühne kein bisschen verunsichern und legt zur Eröffnung mit den ersten drei Songs vom letzten Album Framework gleich ordentlich los. Bass und Gitarren machen ordentlich Druck, aber auch die Atmosphäre stimmt, der Gesang sitzt perfekt, und die Action auf der Bühne kommt auch nicht zu kurz. Der eine oder andere neue Song im Set lässt Vorfreude auf weitere Veröffentlichungen aufkommen, und wenn es irgendetwas zu beklagen gibt, dann höchstens, dass es nur zwei Songs vom ersten Album zu hören gibt: „The laughing garden” und, passend zum Abschluss, „Exit”. Aber das wäre wirklich Jammern auf höchstem Niveau.
Das totale Kontrastprogramm mit Sturm Café in der Halle wäre uns jetzt irgendwie doch ein bisschen zu heftig, deshalb machen wir erstmal eine Pause. Auch die anschließend auf der Hauptbühne agierenden Chyra erleben wir nur aus der „Ferne” des Verpflegungszeltes, ehemalige In-Flames-Mitglieder hin oder her, diese Art Melodic Metal ist mir einfach zu glatt.
Dive-1Dafür sind wir aber wieder voll da, als Dive in der Halle auf die Bühne geht. Nachdem es inzwischen zugezogen hat und auch langsam etwas dunkel wird, sieht man Dirk Ivens bis auf kurze, grellweiße Lichtblitze meistens nur von hinten beleuchtet, was seinem enthusiastischen Auftritt eigentlich nicht ganz gerecht wird. Dafür kann man zwischendurch, als wohl eher unfreiwilliges Schattenspiel, auf der Leinwand mitverfolgen, wie der Soundtechniker hinter der Bühne einen Snack zu sich nimmt. Der sei ihm für seinen unermüdlichen Einsatz während des gesamten Festivals aber natürlich gegönnt. Weder am Sound noch am Energielevel der Musik gibt es etwas auszusetzen, an meinem eigenen Energielevel aber leider schon, und so verlasse ich nach circa einer Dreiviertelstunde Tanzen gegen Ende des Gigs die Halle wieder, um draußen noch mal eine kurze Verschnaufpause einlegen zu können. Die wird dann etwas länger als erwartet, denn die eigentlich für Mitternacht angesetzte Feuershow nutzt stattdessen die fünfzehnminütige Lücke im Programm und startet schon jetzt. Zu donnernden Rammstein-Klängen wirbeln also erstmal Fackeln durch die Luft, dass es einem schwindelig werden könnte. Leider dauert die Show aber länger als eine Viertelstunde, sodass der Headliner Solar Fake erst mit einigen Minuten Verspätung auf die Bühne darf.
Solar-Fake-2-1Ich versuche zunächst, aus der ersten Reihe ein paar Fotos zu machen, gebe aber wegen schlechten Lichts und akutem Geschiebe der Fans bald auf und gehe weiter nach hinten, wo es zwar jetzt doch auch einigermaßen voll wird, man aber trotzdem noch gut Platz zum Tanzen hat. Solar Fake geben ein typisches Festivalset mit all den üblichen Verdächtigen von „Sick of you” über „Not what I wanted” bis „Parasites”. Die meisten der auf der Tour im Frühjahr zum Einsatz gekommenen starken Songs vom neuen Album fehlen deshalb, dafür agiert die Band aber wie entfesselt. Allen voran Sven: er nutzt locker den gesamten Platz auf der großen Bühne aus und singt diesmal dabei nicht nur, sondern brüllt und schreit auch an den richtigen Stellen, ohne jegliche Rücksicht auf die Stimmbänder. Ein starker Auftritt, der – nach einer sehr kurzen Pause – mit dem Editors-Cover „Papillon” leider schon beendet werden muss. Man hätte zwar noch einen Song mehr spielen wollen, aber dafür ließ der Ablaufplan keine Zeit mehr.
Rein-1Ich stehe danach noch ein bisschen draußen rum, will erst mal wieder runterkommen, aber nachdem es inzwischen doch recht kühl geworden ist, gehe ich auch in die Halle, wo die schwedische EBM-Nachwuchskönigin Rein gerade ihren Auftritt begonnen hat. Im schwarzen Lackmantel und mit Sonnenbrille wirkt sie so unnahbar, wie das eigentlich nur Schwedinnen können, während sie im Takt ihrer Hintergrund-Trommlerinnen über die Bühne marschiert. Der Auftritt fällt erfrischend hart und kompromisslos aus, das – für eine Autowerbung entstandene – Leila K.-Cover „Electric” wird zum Beispiel nicht gespielt. Diese Konzentration auf die eigene Stärke kommt gerade bei den echten Fans sehr gut an, das Publikum geht trotz der späten Stunde gut mit, ohne Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Als die Damen nach nicht mal 45 Minuten die Bühne verlassen, geht jeder davon aus, dass jetzt noch eine ausführliche Zugabe kommt, aber offensichtlich hat man einfach kein weiteres Material mehr. Zwei Songs gibt es dann trotzdem noch – Rein entschließt sich, das gerade erst zum Abschluss gegebene „Missfit” einfach nochmal zu spielen, danach einen neuen Song. Dann ist aber wirklich Schluss.
Obwohl es jetzt noch viel früher ist, als der Abend laut Running Order zu Ende sein sollte, bekommt trotzdem nur die Hälfte von uns noch etwas zu trinken, bevor die Bar zumacht – und dann werden wir auch recht bald von Ordnern aufgefordert, das Gelände zu verlassen, was dazu führt, dass einige Getränke sehr schnell „gekippt” werden müssen. Ein kleiner Wermutstropfen auf einem ansonsten so entspannten, freundlichen Festival. Ein Glück können wir uns noch mit im selben Hotel untergekommenen Freunden auf deren Zimmer zum Nachglühen zurückziehen – ich hoffe nur, das Hotel lässt uns nächstes Jahr trotzdem wieder rein. Denn eines ist klar – solange es ein Subkultfestivalen gibt, so lange habe ich vor, dabei zu sein!

Für noch mehr und sehr schöne Festivalbilder schaut doch bei bei den Fotografen Darklark und Krichan Wihlborg  auf Facebook vorbei!

 

Feuershow - 1

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