Exactly what I wanted

Weiter geht’s für Schwarzes Bayern mit Electro beim Free & Easy, heuten stehen Future Lied To Us und Solar Fake auf dem Programm. Erstere sind zum zweiten Mal im Backstage, Letztere seit Jahren gern gesehene und häufige Gäste (und haben uns mit ihren zwei Besuchen während der Pandemie musikalisch aufrechtgehalten), die sich im Lauf der Zeit vom Club zum Werk hochgespielt haben. Solar-Fake-Konzerte machen einfach immer Spaß und sind Garanten für anderthalb Stunden Tanzen, Hüpfen, Singen, Springen. Future Lied To Us haben sich in den letzten Jahren ebenfalls einen Namen als qualitativ hochwertiges Synthie-Pop-Projekt gemacht, sodass einem wunderbaren schwarzelektronischen Abend nichts im Weg steht.
DSC_4825Future Lied To Us – der Name mag manchen vielleicht noch unbekannt sein, die großen Namen dahinter jedoch sicher nicht. Krischan Jan-Eric Wesenberg von Rotersand sowie Vasi Vallis von Frozen Plasma (und Reaper, die legendären NamNamBulu nicht zu vergessen) sind seit Langem feste Größen der Szene, und auch der ursprüngliche Sänger Tom Lesczenski von [:SITD:] dürfte den meisten etwas sagen. Bzw. gesagt haben, denn seit zwei Jahren steht ein neuer Mann hinter dem Mikro, ein nie ganz einfacher Wechsel für eine Band. Doch mit Damasius Venys und seiner düster-melancholischen, dabei sehr volltönenden Stimme hat man einen echten Glücksgriff getan, wie schon bei den ersten Tönen von „Blaze in the dark“ klar wird. Auch die Bühnenpräsenz des charismatischen Damasius ist beeindruckend, ergänzt er durch seine geschmeidigen, ausgreifenden Bewegungen über den ganzen Bühnenraum doch perfekt Krischan und Vasi, die hinter ihren Gerätschaften den Sound zaubern. Es ist eine Freude, der Band durch Songs wie „Intentions and masks“ oder „Fly away“ zu folgen und sich dabei schon warmzutanzen, und die Reaktionen aus dem stetig anwachsenden Publikum sind dementsprechend begeistert. Für noch mehr Stimmung sorgen die sehr eingängigen und flotten „Embrace a world“ und „Falling“, bevor das melancholische „Born in silence“ vom aktuellen Album Presence aus dem Jahr 2018 diesen sehr schönen Auftritt beendet, bei dem es auch zwei unveröffentlichte Tracks zu hören gab.

DSC_5116-Verbessert-RRWar die Stimmung bei Future Lied To Us schon sehr gut, so explodiert sie kurz darauf geradezu, als Sven Friedrich, André Feller und Jeans Halbauer von Solar Fake auf die Bühne stürmen und mit „At least we’ll forget“ vom aktuellen Album Enjoy Dystopia gleich mal mit Vollgas loslegen. Die wenigsten im Raum dürften Solar Fake zum ersten Mal sehen, das Publikum ist text- und klatschsicher und tanzt bis weit nach hinten vom ersten Moment an mit. Das wird sich erfahrungsgemäß auch das gesamte Set über nicht ändern, und genauso kommt es auch. Strahlende Gesichter und großer Jubel bei Hits wie „This pretty life“ oder „Not what I wanted“, Sven – der seinen Mantel dann doch recht bald ablegt, weil wir uns schließlich in Münchens größter Konzertsauna befinden – und André (oft am Bass) springen wild über die Bühne und legen diverse Kilometer zurück, während Jeans hochkonzentriert das Schlagzeug bearbeitet. Eine erste Verschnaufpause gibt es mit „Invisible“ und mit „Disagree“ den ersten von insgesamt drei neuen Songs des Abends. Das neue Material wird natürlich auch euphorisch aufgenommen (und klingt auch toll, keine Frage), bevor mit dem Klassiker „More than this“ einer der Songs kommt, die – sicher nicht nur für mich, der tanzenden Menge nach zu schließen – einfach pures Instantglück sind. Ein bisschen Erholung vom vielen Hüpfen und Singen gibt es beim neuen und wunderschönen „You keep breathing“ (pun nach dem schweißtreibenden „More than this“ sicher nicht intended). „Leute, ihr seid Wahnsinn!“, ruft Sven danach grinsend ins Mikro – das können wir zurückgeben. Auch „This generation ends“ kommt kurz darauf sehr gut an, und man darf sich definitiv auf das neue Album freuen. Mit dem mächtigen „Observer“ endet der Hauptteil des Konzerts, und Sven bedankt sich zum wiederholten Mal von Herzen und wie immer glaubhaft ein bisschen überrascht von der irren Stimmung im Raum. Ohne Zugabe lassen wir die drei aber natürlich nicht gehen, und ein Cover gab es ja auch noch nicht – unverzichtbarer Bestandteil jeder Solar-Fake-Show. Heute Abend bekommen wir „Ghosts again“ vom aktuellen Depeche-Mode-Album Memento Mori zu hören, und wem das zu ruhig ist, der darf beim nachfolgenden „Sick of you“ noch mal richtig eskalieren. Das melancholische „Under the skies“ vom 2011er-Album Frontiers beschließt diesen wie immer explosiv-euphorischen Auftritt, und ich habe eigentlich nur eins zu bemängeln: Es gab zu wenig Pannen (also gar keine). Solar Fake sind nämlich Meister darin, kleinere und größere Pannen mit viel Charme und Witz zu überspielen, sodass man sich bei den Konzerten auch oft einfach nur totlacht. Aus Musikersicht ist es aber so natürlich schöner so, und Charme und Witz gab es auch so. Es war wieder einmal ein rundum schönes Konzert mit einer riesigen Portion Instantglück. Totlachen kann man sich übrigens vortrefflich beim wöchentlichen Podcast der Band, We talk. Who cares?, der als Pandemiedurchhalteprojekt begann und den nun keiner mehr missen mag.

Danke an die beiden hervorragenden Bands, ans Backstage wie jedes Jahr fürs wundervolle Free & Easy und an das Publikum, das die Raumtemperatur ordentlich in die Höhe getrieben hat. Wer danach noch nicht heimwollte oder gar noch nicht genug getanzt hatte, konnte das bei DJ Sconan auf der Blackstage in der Werkstatt zur bewährten Elektromischung tun. Danke auch hierfür!

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Setlist Solar Fake:
1. At least we’ll forget
2. Reset to default
3. This pretty life
4. Under control
5. All the things you say
6. I don’t wan’t you in here
7. Not what I wanted
8. Invisible
9. Disagree
10. More than this
11. You keep breathing
12. I despise you
13. This generation ends
14. It’s who you are
15. The pain that kills you too
16. Observer

17. Ghosts again (Depeche-Mode-Cover)
18. Sick of you
19. Under the skies

 

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