CD-Review: Elandor – Dark Asylum (VÖ: 04.05.12)

„Sie wird dich bezwingen – drum wehr dich nicht“

Mit Debüt-Alben ist das ja manchmal so eine Sache: Da muss man sich gut präsentieren, da hofft man, viele neue Fans zu erreichen und mit der Leistung zu überzeugen.
Elandorhaben ihr erstes Album veröffentlicht. „Dark Asylum“ heißt die Scheibe.
Das Cover ist düster, der Titel steht blutig eingeritzt auf der Schulter einer jungen Frau in Korsage. Passend zu einer Alternative-Gothic-Rock-Band.

Das instrumentale Intro klingt ein wenig nach Gewitter, Regen, Weinen und Verzweiflung. Keinesfalls unangenehm und ein guter Einstieg in das, was danach kommt.
Überrascht bin ich beim zweiten Stück „Orphan“ von der tiefen Stimme des Sängers Markus Kühnel. Sie erinnert an eine Mischung aus Brad Roberts von den Crash Test Dummies und ASP. Ein so starkes Organ hätte man wohl kaum erwartet.
Etwas weniger getragen ist das folgende „Where Are You“. Doch schneller wird erst Lied Nummer fünf „Madness Returns“.
Traurig, wirklich wie Abschied hört sich „Goodbye“ an. Die Gitarre klingt nach Schmerz und man kommt gar nicht dran vorbei, auf den Text zu achten. Das lyrische Ich leidet ganz schön, weint, schreibt ein Abschiedslied und fleht um Rückkehr. „I miss you, and you’re gone. A thousand miles between us. My heart is thirsty for your love”. Der Song hat das Potential, zur Hymne aller zu werden, die Liebeskummer haben.
Aber es bleibt nicht bei der miesen Stimmung. Etwas elektronischer geht es weiter mit dem Titelsong „Dark Asylum“. Hier wurde anscheinend viel mit Synthesizern gearbeitet, die dominieren.
Überhaupt beginnen die meisten der 13 Stücke mit Elektro-Sound. Dieser verschwindet teilweise und macht Gitarre, Bass und Drums Platz. Teilweise bleibt er aber auch und bildet den Hauptbestandteil der Musik.
„Butterfly“ ist das beste Beispiel für Letzteres. Hier erinnern manche Passagen ein bisschen an Blutengels „Die With You“: Sehr gelungen, wie ich finde.
Wie eine kleine Mogelpackung erscheint „Heart Of Darkness“, wenn Kühnel zu singen beginnt. Denn dieses Mal ist der Text auf Deutsch. Es gibt Songs oder gar Bands, die klingen auf Deutsch einfach nicht, Eleandor kann man das nicht vorwerfen. Die machen das sehr gut und zünden damit ein tolles Feuerwerk an Erinnerungen und fantasievollen Bildern. Der Sänger könnte auch auf der Bühne stehen und in einem Musical mitwirken: Man würde es ihm abkaufen. „Schönheit“ schlägt in die gleiche Kerbe.
Der nächste Song „The Torment“ ist der erste, bei dem ich sofort mit dem Kopf im Takt wippe. Ohne sonderlich schnell zu sein, zieht er doch mit und ist auf jeden Fall tanz- und feierbar.
Zu „Violet“ gibt es sogar einen offiziellen Musikclip. Der ist natürlich zur Hälfte in Violett gehalten und sehenswert, wenn die besungene „Queen of death“ durchs Bild schwebt.
Ich persönlich finde den Beginn von „Buried Alive“ wundervoll! Schöne Klavierklänge geben einen guten Einstieg zu einem nachdenklichen, traurigen Lied.
„Last Escape“ ist zugleich auch der letzte Song und wieder etwas schneller. Mehr Drums, mehr Rhythmus. Ein guter Abschluss für ein Album, das Abwechslung bietet.
Selbst bei mehrmaligem Hören tritt die Musik stark in den Hintergrund. Nur die Auftakte bleiben im Ohr, oder kurze instrumentale Sequenzen. Ansonsten wird alles überdeckt vom Gesang. Dunkel, äußerst kraftvoll werden die Textzeilen ins Mikro geschmettert. Das braucht Raum, so kommt es mir zumindest vor. Fraglich ist, ob man Elandor wirklich als gleichberechtigtes Trio sehen kann, oder nicht doch eher von Markus Kühnel und Band sprechen sollte.

Das Debüt ist gelungen. Die Platte hört man gerne. Entweder ganz bewusst oder als Hintergrundmusik. Es wird lange dauern, bis man ihrer überdrüssig geworden ist.


Elandor – Dark Asylum
VÖ: 04.05.2012
Label: Echozone
13,99 € bei Amazon.de

Tracklist:
01 – Intro
02 – Orphan
03 – Where Are You
04 – Madness Returns
05 – Goodbye
06 – Dark Asylum
07 – Butterfly
08 – Heart Of Darkness
09 – Schönheit
10 – The Torment
11 – Violet
12 – Buried Alive
13 – Last Escape

Rezension: Simon Lelic – Ein toter Lehrer

Nicht nur Kinder können grausam sein

Samuel Szajkowski, der junge Geschichtslehrer, betritt die Aula, die bis auf den letzten Platz besetzt ist. Langsam geht er an den Reihen entlang, aber kaum jemand nimmt Notiz von ihm. Dann hebt er die Waffe – und schießt. An diesem Tag sterben drei Schüler, eine Lehrerin und der Schütze selbst. Die erschütternde Tat an einer renommierten Londoner Schule lässt Schmerz und Fassungslosigkeit zurück. Kommissarin Lucia May soll den Fall abschließen, doch sie kann einfach nicht loslassen, recherchiert, sucht nach Antworten – und enthüllt schließlich die erschreckende Wahrheit…

„Ein toter Lehrer“ ist das Debüt von Simon Lelic und begeistert Massen. Der Autor schreibt schonungslos, mit viel Liebe zu kleinen, zwischenmenschlichen Details und blickt in die Abgründe menschlichen Handelns. Der Roman fesselt, verfolgt, beklemmt – und hinterlässt starke Zweifel an der Zivilisation.

Das Buch hat mich tief berührt, um nicht zu sagen, es hat mich bis ins Mark erschüttert.
Das Monster, so wird Szajkowski nach der Tat genannt, sei ein verhaltensgestörter Psychopath gewesen, der doch schon immer negativ aufgefallen sei. Seine beiden Anzüge, sein stilles Wesen, sein mangelndes Durchsetzungsvermögen – all das war doch schon sehr seltsam, finden die Zeugen im Nachhinein. Für seine Schüler war der Geschichtslehrer das perfekte Opfer. Der „Polacke Scheißkoffski“ (hier ist die Übersetzung schwierig: Im Original heißt es „cuff“ – „husten“ und die Schüler husten an dieser Stelle des Namens, später anstelle der Namensnennung) hat es doch nicht anders verdient und vor allem die Streiche, die Jugendliche nun mal so spielen, überbewertet. Dieser Meinung ist schließlich auch Direktor Travis, der alles tut, um den Ruf seiner Schule zu bewahren. Dabei verliert er jegliches Augenmaß für Recht, Unrecht und die Erfüllung des Erziehungsauftrags.
Dann ist da aber noch Elliot, ein Siebtklässler, der traumatisiert und verstümmelt im Krankenhaus liegt. Niemand hat etwas gesehen, es gibt keine Zeugen für die Tat und der Kleine wird schon darüber hinwegkommen. Man verrät nicht zu viel, wenn Elliots Ende benannt wird: Er begeht Suizid. Tragisch, aber eben nicht zu ändern.
Detective Lucia May ist fassungslos, hilflos, fühlt sich ohnmächtig und gleichzeitig verantwortlich. Doch all ihre Versuche, auf das eigentliche Problem, den Grund für den Amoklauf aufmerksam zu machen, werden abgeblockt: Von Direktor Travis und von ihrem Vorgesetzten Cole. Sie kämpft gegen Windmühlen, muss sich gegen ihren Kollegen Walter behaupten und verliert schließlich.

Die Geschichte hat zwei Ebenen: Zum einen ist da die Schule und alles rund um den Amoklauf und Elliot. Zum anderen wird aus Lucias Leben erzählt: ihr Kampf, ihre Ideale und ihre eigenen Problem.
Mobbing ist das große Thema und eines wird deutlich: Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. Der Täter kann durchaus auch Opfer gewesen sein, oder gar nicht um seiner Selbst willen handeln.
Lucia ist selbst Mobbingopfer und zweifelt plötzlich an den Institutionen, die doch eigentlich für Recht und Ordnung zu sorgen haben: an der renommierten Schule und der erhabenen Polizei.
Im Buch wird immer abwechselnd eine Zeugenaussage dargestellt, dazwischen rücken die aktuellen Ereignisse und Lucias Ermittlungen ins Zentrum. Krass ist, dass manche gar nicht erkennen, was sie da getan haben, was sie aussagen, wo sie selbst nicht agiert, sondern schweigend zugesehen haben.

„Ein toter Lehrer“ ist absolut erschütternd, aber äußerst lesenswert. Während der Lektüre kann man sich immer wieder selbst kontrollieren: Wie hätte ich an Stelle von Charakter XY gehandelt? Man muss sich selbst hinterfragen und in Anbetracht der Amokläufe von Erfurt, Winnenden und anderen Schulen überlegen: Kann man den Täter rücksichtslos verurteilen? Sind wirklich (nur) die Eltern schuld, weil sie Zugang zu Waffen ermöglichten? Oder haben nicht schon lange vorher ganz andere Leute versagt?

:buch: :buch: :buch: :buch: :buch:

„Der arme Kerl. Armer Kerl: Was rede ich da? Ein Mörder ist er. Das vergesse ich immer. Er war ein Mörder. Er hat drei Kinder erschossen und eine Lehrerin, eine unschuldige Frau. Und der tut mir leid. Dieser durchgeknallte Psychopath. Ich tue ja gerade so, als müsste man Mitleid mit ihm haben.“ (Ein toter Lehrer, S. 117.)


Simon Lelic – Ein toter Lehrer
Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs
352 Seiten
Droemer, 2011
16,99 € (Hardcover)
Amazon.de
Droemer Verlag

CD-Review: Burst My Marrow – Oblivion

Horns up – breakdown

Da flattert das Album einer bisher viel zu wenig beachteten Band aus Hamburg in meinen CD-Player. Mal hören, ob da Einheitsbrei rauskommt, lahme Musik, ob da ein wenig der Mut fehlt, um wirklich in die Saiten zu hauen.
Burst My Marrow, kurz BMM, bieten mit ihrem Album „Oblivion“ aber alles andere, als eine Enttäuschung. Eben noch skeptisch auf Play gedrückt, lasse ich mal ganz schnell alles andere links liegen und höre nur auf die Musik.

„My chance, my life has broken“ wird ins Mikro gegrölt, dazu nur eine verhaltene E-Gitarre. Nach diesem Auftakt, der etwa eine Minute lang ist, geht es los: Klassisch mit Drums, Bass und Gitarre bewaffnet, unterstützen Torben Gerschau, Benjamin Lawrenz und Tim Rinka ihren Sänger Rico Meyer. Dieser hat es drauf und growlt gekonnt den Text zu einem schnellen, guten Sound.
Das zweite Lied „Aeon“ führt fort, was im ersten begonnen wurde: Schöne Riffs, gute Growls und Passagen, die man sehr gut in der Menge vor der Bühne mitsingen könnte. Da will der Kopf kaum stillhalten, sondern mitbangen!
Noch schneller wird dann der Rhythmus bei „Days Of Grace“. Hier unterstützte Leon Te Paa den Gesang. Überhaupt zieht sich guter Metalcore durch das gesamte Album, ohne dabei immer gleich zu klingen und langweilig zu werden. Hier wurden viel Können und musikalische Leidenschaft investiert. Sehr schön auch die Messages einiger Songs, beispielsweise: „Don’t stop to faith in you, don’t stop to faith in us, and light up this darkness“ aus dem Song “Light Up This Darkness”. Ein bisschen erinnert dieser an Filmmusik, etwa an den Soundtrack von „Transformers“ oder „Iron Man“: Dort haben immerhin keine Geringeren als Linkin Park, Green Day oder Nickelback mitgewirkt.
Ruhigere Töne werden im fünften Stück, „Grey Sunday“, angeschlagen. Ebenfalls rockig zwar, aber doch sanfter und vor allem weit langsamer präsentieren sich Burst My Marrow hier nachdenklich. Achtet man auf den Text, passt die Musik sehr gut zum beschriebenen tristen Sonntag.
Verschnaufen kann man jedoch nicht lange, denn mit voller Aggressivität beginnt „The Call“ und brettert wieder ordentlich rein. Unterbrochen an wenigen Stellen durch ruhigere Passagen, die dem Nacken mal eben Pause gönnen, bevor es mit Headbanging weitergeht..
In diesem Stil bewegt sich auch Nummer Sieben, „For those who…“. Wer genau hin hört, sollte mal auf die Gitarre achten, die teilweise sehr schön in den Mittelpunkt gestellt wird – und das nicht nur bei diesem Lied.
Mehr in die Metalcore-Richtung geht aber wieder „Support The Hopeless“, um in das grandiose Finale „ESC Reality“ überzugehen, das noch mal alles aus der Band rausholt. Dadurch schließt sich der Kreis: Mit aggressivem und schnellem Sound beginnt und endet das Album. Dazwischen finden sich ruhigere, aber keinesfalls langweilige Songs, die vor allem deutlich machen, dass BMM mehr können, als nur stur eine Musikrichtung zu präsentieren.

BMM schaffen es, mit den Großen mitzuhalten. Ihr Sound erinnert etwa an Exodus, Dimmu Borgir oder Sacred Reich, sieht man einmal von „Light Up This Darkness“ oder „Grey Sunday“ ab. Man kann Kopf, Arme und Beine kaum stillhalten und möchte moshen, bangen und das Quartett unbedingt live erleben – denn live ist vieles noch besser als auf CD.
Die vier Hamburger verdienen definitiv mehr Aufmerksamkeit und das gelungene Album „Oblivion“ wird hoffentlich nicht das letzte sein, was man von ihnen zu hören bekommt.
Noch ein paar Worte zum Booklett: In einem Grün-Grau-Schwarz gehalten, fliegen ein Haus und ein Mensch durch die Luft. Mit etwas Fantasie kann man auf die Idee kommen, dass beide durch den guten und harten Sound weggehauen werden. Ob beabsichtigt oder nicht, entsprechen die abgedruckten Songtexte nicht der Reihenfolge der Lieder. Auffällig ist aber, dass die Texte durchgängig geschrieben wurden und nicht in Versform, wie das häufig der Fall ist. Sehr schön mit leicht philosophischem Touch ist der in der Mitte abgedruckte Grabstein mit der Aufschrift „Buried in oblivion“. Zumindest das Projekt Burst My Marrow ist noch lange nicht in Vergessenheit begraben.

Anspieltipp: Days Of Grace

Hörprobe: Burst My Marrow – Light Up This Darkness


Burst My Marrow – Oblivion (2011)
01 – Aglossia
02 – Aeon
03 – Days Of Grace
04 – Light Up This Darkness
05 – Grey Sunday
06 – The Call
07 – For Those who…
08 – Support The Hopeless
09 – ESC Reality

Hier erhältlich.

Interview mit Autor André Wegmann

Viele Autoren bleiben unentdeckt, weil sie keinen Verlag finden. Das Ebook hat dies geändert und fördert viele Talente zu Tage, von denen man vielleicht nie gehört hätte. Dazu gehört auch André Wegmann, Autor der Horror-Novellen„Sonne des Grauens“ und „Kutná Hora – Kreaturen des Zorns“. Er hat sich die Zeit für ein ausführliches Interview genommen und gibt Einblick in sein Schaffen.


Autor André Wegmann

Kyra Cade: Ende 2011 erschien Dein erstes Ebook. Im April 2012 bereits das zweite. Arbeitest Du schon an etwas Neuem?
André Wegmann: Nein, noch nicht. Die letzten Wochen habe ich intensiv an der Fertigstellung von „Kutná Hora – Kreaturen des Zorns“ gearbeitet und jetzt sammele ich erst mal neue Ideen und versuche „Kutná Hora“ bekannter zu machen, indem ich es auf verschiedenen Seiten und Blogs vorstelle, was auch Zeit in Anspruch nimmt. Aber es lohnt sich anscheinend, aktuell freue ich mich über Platz Fünf in der Rangliste der Horror-Ebooks bei Amazon.

K. C.: Wie und wann kamst Du zum Schreiben?
A. W.: Ich hab schon in der Schule gerne geschrieben und später dann just for fun im Internet in Foren. 2003 versuchte ich mich an den ersten Kurzgeschichten, verlor das aber erst mal wieder aus den Augen. Vor anderthalb Jahren suchte ich nach einem Nebenverdienst und begann damit, sogenannte „Unique Content“-Texte zu allen möglichen Themen zu schreiben. Das entwickelte sich sehr gut, ich hatte schnell meine Stammkunden, die mich regelmäßig mit Aufträgen versorgten. Aber irgendwann wollte ich nicht mehr nur schöne Texte zu zum Beispiel irgendwelchen Urlaubsregionen verfassen, sondern was eigenes und fantasievolleres. Im Sommer 2011 begann ich mich dann für Ebooks zu interessieren, da die Werbung für den Kindle auf der Startseite von Amazon ja kaum zu übersehen ist. Schnell dachte ich, das wäre ideal und die Überlegungen für mein erstes Ebook begannen.

K. C.: Gibt es literarische Vorbilder?
A. W.: Nein, nicht wirklich. Es gibt viele tolle Autoren, vor deren Können ich großen Respekt habe. Aber ich habe niemanden als Vorbild. Ich schreibe so, wie mein Gefühl es mir vorgibt und orientiere mich an niemand bestimmten.

K. C.: Welches ist Dein Lieblingsbuch?
A. W.: Auch da gibt es viele sehr gute Bücher. Ich habe zahlreiche tolle Thriller gelesen, die für sich schon absolut beeindruckend waren. Aber ein Lieblingsbuch zu nennen, fällt mir schwer. „Ice Ship“ vom Autorenduo Preston und Child hatte irgendwie was Besonderes.

Witzig, furchteinflößend, erschreckend: Das Horror-Genre

K. C.: Warum hast Du Dir das Horror-Genre ausgesucht?
A. W.: Horror und Krimis/Thriller sind meine Lieblingsgenre. Mein erstes Ebook „Sonne des Grauens“ hatte ja einige Thrillerelemente. Na ja, im Horrorbereich kann ich mich schön austoben, furchteinflößende, fantasievolle Figuren und Plots kreieren und versuchen, die ganze Bandbreite der Emotionen bei den Leuten zu erreichen. Wenn ich Lust hab, kann ich lustige Passagen einbauen, oder erotische… Und ich kann versuchen die Leser ordentlich zu erschrecken (lacht).

K. C.: Hast Du Dich auch in anderen Genres versucht?
A. W.: Noch nicht wirklich. Habe kürzlich auch mal eine Liebesgeschichte geschrieben und ich bin diesbezüglich so selbstbewusst, dass ich denke, ich könnt auch sowas. Aber da muss man natürlich aufpassen, da es schnell zu schmalzig und kitschig wird. Aber viele Leser stehen ja auf so was, wenn man sieht, wie sich so Liebesromane oder -heftchen verkaufen. Nur mir macht es keinen Spaß irgendwas allzu kitschiges zu schreiben, selbst wenn dafür vielleicht ein größerer Leserkreis besteht, als für Horror. Ein Krimi oder Thriller wäre mal eine echte Herausforderung.

K. C.: Was inspiriert Dich zu blutrünstigen und entstellten Charakteren wie die Schausteller des Jahrmarkts aus „Kutná Hora“?
A. W.: Sicher denkt man ab und zu automatisch hier und da an Filme oder Bücher, die man gesehen bzw. gelesen hat. Ich habe auch seit der Kindheit gerne Wrestling geschaut, dort geht es letztlich auch darum, Leute zu unterhalten und zu begeistern. Dazu werden immer wieder teils skurrile „Gimmicks“ präsentiert, mit bunten oder furchteinflößenden Gesichtsbemalungen zum Beispiel.
Na ja hauptsächlich lasse ich aber natürlich meiner Fantasie freien Lauf und versuche Charaktere zu kreieren, die zur Story passen. Und bei Horrorgeschichten passt blutrünstig und erschreckend natürlich ganz gut.

K. C.: Wie lange brauchst Du durchschnittlich für ein Ebook? Kann man das sagen?
A. W.: Hm, nein. „Sonne des Grauens“ hab ich ne Weile ganz entspannt nebenbei geschrieben. Immer wenn ich Lust hatte, mal ne Stunde. Und so lang ist die Geschichte ja nicht. „Kutná Hora“ dagegen war richtige Arbeit, über zwei bis drei Monate, fast täglich. Nicht nur das Schreiben an sich. Ich habe den Jahrmarkt und das „House of Horror“, in dem die Story zu weiten Teilen spielt, zum Beispiel extra auf Papier skizziert, um möglichst bildhaft und detailliert schreiben zu können. Auch die Recherche hat einiges an Zeit in Anspruch genommen.

Kaffee, Zigaretten und erledigte Aufgaben

K. C.: Wo und unter welchen Umständen schreibst Du? Läuft dabei Musik, muss es still sein, brauchst Du eine Tafel Schokolade?
A. W.: Unterschiedlich. Mal brauche ich Ruhe dazu, dann wiederum läuft auch Musik. Schokolade ist immer gut, aber ich brauch sie nicht zum Schreiben. Eher Kaffee und Zigaretten (lacht).

K. C.: Was lenkt Dich dabei am meisten ab? 
A. W.: Stress. Daher schreibe ich die Geschichten, wenn alle anderen Arbeiten für den Tag erledigt sind und ich Ruhe dafür habe.

K. C.: Dein Trick zur Überwindung einer Schreibblockade?
A. W.: Habe ich keinen bestimmten. Wenn es gut läuft und die Finger über die Tastatur wie von selbst gleiten, schaffe ich mehr und wenn ich so etwas wie eine „Schreibblockade“ habe, schaffe ich vielleicht höchstens einen Absatz in zwei Stunden und höre dann auf und mache an einem anderen Tag weiter.

K. C.: Was machst Du neben dem Schreiben? Hast Du einen Job und andere Hobbys, oder füllt das Schreiben Dein Leben / Deine Freizeit komplett aus?
A. W.:Wie vorhin erwähnt, verdiene ich auch mit dem Schreiben von Texten Geld. Viele Firmen und zum Beispiel Hotels brauchen einmalige und qualitativ gute Texte, um erstens ihre Kunden zu informieren und anzulocken, und zweitens um bei Google hoch gelistet zu werden. Außerdem bin ich noch im Internethandel aktiv. In der Freizeit lese ich gerne oder mache Fitnesstraining. Und natürlich verbringe ich gern Zeit mit meiner Freundin.

K. C.: Verfolgen Dich Deine Geschichten manchmal?

A. W.: Nicht in der Art, dass ich schlecht davon träume (lacht). Ja, wenn ich an einer Story „dran“ bin, kommen mir die besten Ideen dafür oft kurz vorm Einschlafen oder zwischendurch beim Haare Waschen oder Rasieren (lacht).

Ebooks als Chance für Autoren und Grund für verändertes Leseverhalten

K. C.: Sind Ebooks für unbekannte Autoren eine Chance, endlich veröffentlicht zu werden und Aufmerksamkeit zu bekommen? 
A. W.: Auf jeden Fall. Jeder hat jetzt die Chance zu veröffentlichen. Aber es ist gut, dass es Bewertungssysteme gibt. Was qualitativ gut ist und einen Kundenkreis findet, wird sich durchsetzen. Was schlecht ist, wird auch hier nicht überleben. Aber Ebooks sind eine tolle Sache. Mein eigenes Leseverhalten hat sich dadurch sehr verändert. Ich schiebe jetzt zum Beispiel gerne mal eine Kurzgeschichte zwischen zwei Romanen ein. Außerdem entdecke ich guten Lesestoff, den ich vorher nicht gefunden hätte. Zudem, mein Ebook „Kutná Hora“ hat umgerechnet etwa 83 Taschenbuchseiten. So etwas würde man in keiner Buchhandlung finden, aber ich glaube, dass viele eine Geschichte in einer solchen Länge zu einem günstigen Preis gerne lesen. Nicht jeder hat immer Lust auf einen 500 Seiten starken Roman, zumal man oft gar nicht weiß, ob einem die Story dann wirklich so gut gefällt.

K. C.: Ist ein Buch aus „Fleisch und Blut“ oder ein Vertrag mit einem Verlag das Ziel auf lange Sicht?
A. W.: Nein. Sicher, ein eigenes Buch, physisch anfassbar, in den Händen zu halten, hätte schon was. Aber ich will gute Geschichten schreiben und diese natürlich auch erfolgreich verkaufen. Das Format spielt keine Rolle. Wenn irgendwann ein Verlag anklopft, würde ich mich sicherlich geschmeichelt fühlen, aber das ist nicht mein Traum. Außerdem würde es mich sehr unter Druck setzen, die erwarten dann ja eine qualitativ gute Story in Romanlänge bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.

K. C.: Was würdest Du jemandem empfehlen, der schreibt und veröffentlichen möchte?
A. W.: Just do it. Wer weiß, dass er einigermaßen gut schreiben kann und von seiner Story überzeugt ist, sollte es einfach machen. Zu verlieren hat man wenig. Man sollte Wert auf ein gutes Cover legen, das ist wichtig und wird oft unterschätzt. Außerdem ist ein Lektorat wichtig. Viele Indy-Autoren können und wollen sich da kein professionelles leisten, aber man sollte den eigenen Text zumindest von jemanden, der gute Deutschkenntnisse hat und viel liest, gründlich prüfen und auseinandernehmen lassen. Am Anfang dachte ich auch, es reicht, wenn ich selber gründlich überarbeite. Aber das ist falsch. Ein vernünftiges Lektorat macht den eigenen Text um einiges besser.

K. C.: Ziele oder Wünsche für die nahe Zukunft?
A. W.: Gesundheit für mich und alle, die mir am Herzen liegen, Erfolg für meine Ebooks und anderen Tätigkeiten, und privates Glück. Momentan läuft alles ganz gut, hoffe es geht so weiter (lacht).

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
A. W.: Ich bedanke mich für die Interviewanfrage und die damit verbundene Gelegenheit, mich und meine Ebooks hier auf SchwarzesBayern vorzustellen. Und Dir, Kyra, wünsche ich natürlich alles Gute und viel Erfolg für deine eigenen Werke.

K. C.: Vielen Dank für die guten Wünsche und das Interview!

Die Ebooks von André Wegmann gibt es hier:

Fotos von André Wegmann.

Interview mit The Bleeding

The Bleeding ist eine junge Band aus Hamburg. Die vier Musiker wollen sich gar nicht so sehr festlegen, was das Genre betrifft. Bei ihnen steht die Freude am Musikmachen im Vordergrund. Aber mit ihren rockigen Klängen und kritischen Texten werden The Bleeding sicherlich bald mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mazel, verantwortlich für den Gesang, hat sich die Zeit für ein Interview mit uns genommen. Moin moin nach Hamburg!


The Bleeding aus Hamburg

Kyra Cade: Wer sind The Bleeding?
Mazel: Moin Moin aus Hamburg. The Bleeding sind: Dennis Kayzer und Nils Bardowicks an den Gitarren, Daniel Suchfort an den Drums und Sänger Mazel Detels.
Hey, na, ich bin Mazel.

K. C.: Welche Musik macht ihr?
M.: Wir selber wollen das gar nicht so eingrenzen. Das sollen lieber Andere machen. Was würdest du denn sagen? Ich hab nicht einmal ne Ahnung, wie diese ganzen Schubladen heutzutage genannt werden. Wir versuchen uns einfach an allen Genres, die wir selber so feiern zu bedienen, um unseren eigenen Sound daraus zu kreieren.

K. C.: Hört man beispielsweise „A Made Man“ bekommt man guten, gitarrenlastigen Sound geboten, der den „Großen“ in nichts nachsteht. Steht die Musik vor dem Gesang bei euch?
M.: Danke. Wir haben einen großen Anspruch an uns selbst, alle Instrumentalisten sind lange dabei und haben auf musikalischer Ebene schon ein bisschen Erfahrung gesammelt. Das sind keine Typen, die mal eben sagen: „Ey, lass mal ne Band starten“. Dazu kommt, dass Christoph Stepan in seinem Little Big Ears Studio einfach geile Arbeit abliefert, seit Jahren. Harte, handgemachte Musik steht in einer gewissen Form immer über dem Gesang, da das musikalische Erarbeiten eines Songs, der ganze Entstehungsprozess innerhalb der Band, um ein Deutliches aufwendiger und intensiver ist als das erschaffen von Lyrics und Vocals. Trotzdem haben wir versucht, mit der Musik weniger abzudrehen als vorher, um den Vocals genug Raum zu lassen.

K. C.: Wenn ich es richtig gelesen habe, habt ihr keinen Bass. Warum?
M.: Auf den Aufnahmen haben wir natürlich einen Bass. Nils hat den mal eben eingespielt. Der war früher eigentlich mal Bassist. Ist ihm irgendwie nicht spannend genug gewesen. Wir sind sehr zufrieden mit dem, was er abgeliefert hat. Man fühlt sich in einer Vierer-Kombi irgendwie am wohlsten. Das passt als Gefüge. Live werden wir dann immer den ein oder anderen Überraschungsgast am Bass dabei haben.

Deutliche Gesellschaftskritik

K. C.: Über was singt ihr? Habt ihr eine Message?
M.: Sei immer du selbst und renne nicht einem fucking Trend hinterher. Ich singe über ganz normales Zeug, über Schicksale, meines und das von Anderen. Was man als „working class hero“ eben alles so zu erzählen hat. Auch hier legen wir uns als Band nicht fest. Warum auch ?

K. C.: Gibt es eine Geschichte zum Bandnamen?
M.: The Bleeding lässt sich ganz gut mit „Ausbluten“ übersetzen. Nun gibt es mehrere Ansätze, sich mit Ausbluten zu befassen. Nehmen wir beispielsweise die kirchliche Methode, bei der Dämonen durch das Öffnen der Schädeldecke befreit werden sollten. Oder die Schächtung von Tieren, bei der das lebendige Tier an der Kehle beschnitten wird, um auszubluten. Die modernste Interpretation bietet, denke ich, die Globalisierung und ihre Folgen. Der einfache normale Mann „blutet aus“ . Er verliert an Status, Macht, Einfluss und Ansehen gegenüber den in ihren dicken Ledersesseln sitzenden, fetten, alten, grauen und mächtigen Männern, die dem Rest der Welt das Leben „saugen“. Im Geschichtsunterricht würde man wohl etwas grober sagen:„Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer“. Wir überlassen da jedem seine eigene Interpretation, auch und gerade weil wir uns bewusst sind, dass The Bleeding von vielen Leuten eher mit dem herkömmlichen stumpfen „Heavy-Metal-Blut-Gore-Image“ assoziiert wird. Ich finde das witzig.

K. C.: Gegründet am 01.11.11. Steckt etwas Symbolisches hinter den fünf Einsen?
M.: Nö.

K. C.: Euer Outfit entspricht so gar nicht dem Klischee der „bösen Metaler“. Keine langen Haare, Bärte, schwarze Kleidung oder gar weiße Schminke. Ein absichtlicher Kontrast?
M.: Wir gehen alle auf die 30 zu, haben „normale“ Jobs und haben die wildesten Zeiten unserer Jugend, zumindest privat, wohl hinter uns. Naja, die Meisten von uns. Haha. Musik ist mehr als äußere Erkennungsmerkmale und die Zugehörigkeit zu einer gewissen Schublade. Der eine mag Punk, der andere steht auf Death-Metal, ich zum Beispiel liebe Hip Hop. Ich finde nicht, dass man das den Menschen ansehen können muss. Overacting, von allem zu viel und aufgesetzt, das ist eher nicht so unser Ding. Wir definieren uns nur über unsere Musik und über das, was wir damit sagen wollen!!

„Musik sollte immer echt sein!“

K. C.: Welche Vorbilder habt ihr?
M.: No fucking heroes. Alle Leute tragen sonntags ne Jogginghose.

K. C.: Musik ist für euch…?
M.: Viel mehr als ein cooles Outfit, ne trendy Cliqué, stylische Freunde oder ein sekundärer Teil einer hippen Subkultur. Musik ist keine Show, nicht immer ein Spektakel wie ne Massendisko. Musik sollte immer echt sein!!

K. C.: Ihr kommt aus Hamburg, da ist Wacken nicht weit. Wie wäre ein Auftritt auf dem W:O:A?
M.: Wir wollen immer spielen, überall, egal wo!!

K. C.: Arbeitet ihr an einer EP oder einem Album? Wo soll’s hingehen mit The Bleeding?
M.: Wir haben Anfang 2012 unsere ersten drei Songs aufgenommen, um erst einmal überhaupt für uns selbst ein grobes Bild zu bekommen, in welche Richtung es mit der Band gehen soll. Die drei Tracks kann man ideal nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen, an Booker zu geraten oder um Interviews wie mit euch zu ergattern. Sieh es als einen ersten Einblick für die paar people, die es interessiert, weil man natürlich immer Bock auf Feedback hat. So eine Facebook-Seite will heutzutage ja auch gefüllt werden. Fortlaufend läuft bei uns der Songwriting-Prozess auf Hochtouren, denn das primäre Ziel von uns heißt auf jeden Fall: ALBUM. Kein richtiges, eigenes Album ist keine richtige Band. So ne Demo kann jeder. Ich denke, dass wir spätestens Ende des Jahres genug Material zusammen haben. In der Zwischenzeit wollen wir viel spielen, bucht uns!! Alles darüber hinaus können und wollen wir gar nicht planen.

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
M.: Wir haben gerade mal zwei Songs hochgeladen und ihr macht ein Interview mit uns. Vielen Dank, wir wissen das sehr zu schätzen. Vielen Dank fürs Lesen – und wenn DU willst, dass wir bei euch spielen – schreib uns einfach an!!

K. C.: Vielen Dank für das Interview.
M.: Peace


Keine bösen Metaler, aber leidenschaftliche Musiker: The Bleeding


Alle Fotos by The Bleeding

Interview mit Six Inch

Six Inch is an alternative rockband from Finland. The four guys are really humorous and passionate musicians. Well, you might not know Six Inch here in Germany already. Andy, singer of Six Inch, and Kim, bassist, took the time to answer my questions.


Six Inch – Alternative Rock from Finland
Picture by Six Inch

Kyra Cade: Can you introduce yourselves, please?
Six Inch: Hi! We are goddamn Six Inch! (laughing)

K. C.: How do you describe your music?
S.I.: Our music is powerful, melancholic and a bit twisted. We combine alternative, rock, metal and industrial in our music. So we could say that our music is quite versatile with complicated and violent lyrics.

K. C.: Is there a reason why you have called the band “Six Inch”?
S.I.: Finnish men’s average penis size but it’s not the size of the band. It’s just how you play it.

K. C.: Why and when did you found the band?
S.I.: The band was founded in 2010 to rock out the world! Our singer Andy joined the band in 2011 and our violinist Pinja joined the band like a week ago.

K. C.: When did you start playing music?
S.I.: Approximately 15 years ago.

K. C.: Which performers did affect you?
S.I.: Marilyn Manson, Korn, Nine Inch Nails, HIM, Olavi Virta, Tapio Rautavaara, Foo Fighters, Rage Against The Machine, Audioslave, Muse.

Bratwurst, sauerkraut and Rammstein

K. C.: Have you ever been on stage in Germany?
S.I.: No we haven’t but hopefully ASAP we will!

K. C.: What do you associate with Germany?
S.I.: Bratwurst, sauerkraut, beer and German hardcore porn.

K. C.: Do you know any German alternative rock or metal bands?
S.I.: Guano Apes and of course your famous Rammstein which is industrial metal we think.

K. C.: Is your Finnish metal different?
S.I.: Finnish metal is usually very melancholic and rough. There are not so many alternative metal bands in Finland so we are trying to make something new to the music scene and that’s why we got violinist in our group with melancholic and sad melodies. Gothic style!

K. C.: Are you singing in Finnish, either?
S.I.: Doesn’t fit for us. Only in drunk karaoke.

K. C.: When is the release of your debut album?
S.I.: Hopefully during this year. At the moment we are recording drums to the debut album. First single of the forthcoming album will be released during the summer.

„Bring Jim Morrison alive!“

K. C.: What can we expect?
S.I.: Dark and more melodic than our earlier production. Music that fits to zombie movies and sex. Big sounds and movie atmosphere.

K. C.: Is there a performer you eventually want to work with?
S.I.: Marilyn Manson would be awesome! Please bring Jim Morrison alive!

K. C.: Which goals do you set for the next years?
S.I.: Record deal, a lot of gigs and many many lovely fans.

K. C.: Any last words?
S.I.: „Hear, O Israel! The Lord is our God! The Lord is One!“ – Rabbi Akiba Ben Joseph
Hah hah hah hah! Like us on facebook!

K. C.: Thank you very much for this interview!
S.I.: Thanks a lot! It was a pleasure!

Interview mit The Pleasures

Auf St. Pauli ist alles möglich und so ist dort auch die vielleicht beste deutsche Glam-Rock-Band zu Hause:The Pleasures. Die fünf Hamburger lieben schrille Outfits, Glitter und vor allem Rock’n’Roll. Ihre Leidenschaft ist bei jedem Auftritt deutlich zu spüren und begeistert nicht nur eingefleischte Fans. Sie haben sich die Zeit für ein ausführliches Interview genommen, geben tiefe Einblicke und schlagen auch nachdenkliche Töne an.


The Pleasures: Neo, Disco, Dancette, Sensai, Curtis (v.l.n.r.)

Kyra Cade: Beschreibt The Pleasures bitte in fünf Worten.
Dancette: Don´t dream it – rock it!
Neo: Dancette-Sensai-Neo-Disco-Curtis! (grinst)
Disco: Glitzer-Transen-Gang-Bang-Porno.

K. C.: Glam-Rock aus Hamburg, genauer St. Pauli: Wäre es in anderen Gegenden schwieriger geworden, Glam-Rock zu machen?
Dancette: Ganz und gar nicht. Glam-Rock kannst du überall machen, denn diese Musik kommt aus unseren Herzen. Und aus dem Schmink- und Schmuckkasten, haha.
Sensai: Es ist natürlich rein hypothetisch, aber ich denke, in einer Stadt, die nicht Hamburg ist, fiele das, was wir tun, von vorn herein mehr auf. Ob das die Dinge leichter oder schwieriger gestalten würde, wer weiß…

K. C.: Als Vorbilder gebt ihr selbst Marylin Manson, Kiss, Guns’n’Roses oder die Rocky Horror Show an. Vom Äußeren her fällt Guns’n’Roses eindeutig raus, musikalisch passen sie recht gut in die Reihe. Was ist das Inspirierende an ihnen?
Dancette: Als Vorbilder sehe ich diese Künstler nicht. Eher habe ich viel von ihnen als kleiner Junge gehört und das färbte irgendwie ab, ohne was kopieren zu wollen. Ich mochte schon immer inszenierte Musik. Ich wollte immer auf Konzerten etwas erleben. Musik musste für mich schon immer aufgedonnert und irgendwie pompös sein. An Guns’n’Roses gefiel mir immer diese unberechenbare Seite von Axl und dass sie in ihren Videos wussten, wie man so richtig auf dicke Hose macht.
Curtis: Ich liebe bis heute Slashs Gitarrenspiel und verfolge auch seine Solokarriere. Guns’n’Roses hatten einen heutzutage nicht mehr so zeitgemäßen Lifestyle, der sie unter anderem berühmt und beliebt gemacht hat: Sex, Drugs and Rock’n’Roll! Wenn man heute als Künstler etwas erreichen möchte, so wie viele Bands zu der Zeit von Guns’n’Roses, so sollte man zumindest die Drogen weglassen, so kann man sich auf das konzentrieren, was die Jungs damals wie heute lieben: Echten Rock’n’Roll!

K. C.: Wie sieht es mit Größen wie Steel Panther aus? Habt ihr euch von denen etwas abschauen können? 
Curtis: Als Musiker lässt du dich in vielen Bereichen inspirieren und besuchst Konzerte, hörst dir Musik an und redest miteinander drüber. Wichtig ist mir immer, dass man versucht über den Tellerrand hinaus zu schauen und auch genrefremde Bands auszuchecken. Steel Panther machen in Sachen Show und Musik ganz schön was her und natürlich verfolgen wir das. Wir wollen bei allem natürlich auch unseren Stil nicht vernachlässigen und es Pleasures-like verfeinern.
Neo: Ich habe eher das Gefühl, dass wir uns quasi parallel entwickelt haben. Ich persönlich habe von Steel Panther erst vor einem Jahr gehört und bis dahin schon unabhängig von ihnen in Netzstrumpfhose die Bühne gerockt.. Nichtsdestotrotz finde ich Steel Panther sehr unterhaltsam!
Dancette: Steel Panther habe ich vor zwei Jahren das erste Mal wahrgenommen. Ich war fast traurig, als mir auffiel, dass sie gar nicht echt sind, sondern nur Perücken tragen und vieles nur durch den Kakao ziehen. „Abschauen“ konnte ich mir die Gewissheit, dass so etwas kommerziell Erfolg hat. Dass Lexxxi immer einen Spiegel auf der Bühne hat, finde ich super lustig. Ich bevorzuge auf der Bühne aber eher meinen Fön.

„Glam-Rock-Girls sind die Schärfsten!“

K. C.: Bietet Glam-Rock mehr Show auf der Bühne als die Konzerte einer reinen Rockband?
Dancette: Nur, wenn man´s richtig macht.
Curtis: Eigentlich nicht, sonst würde es doch nur noch Glam-Rock geben (lacht). Aber mal im Ernst: Eine Band, die sich schminkt, ultraschräge Outfits anzieht und Gitarren auf der Bühne anzündet ist nun mal ein Hingucker!
Sensai: Gute Frage. Das sollte das Publikum beurteilen. Ich kann dazu aus meiner Perspektive nur sagen: Die Show gibt mir auf der Bühne mehr als die einer „reinen Rockband“. Der Spaßfaktor ist höher, und es fühlt sich alles viel freier an. Wir hoffen, es ist das, was auch beim Publikum ankommt. Ich denke, unbestritten ist: Mehr zu sehen gibt es in jedem Fall!
Disco: Darum ist es ja Glam-Rock. Für mich ist es zu 50% Show. Mindestens 50%.
Neo: Ich finde, den Großteil der Rockbands, die ich so kenne, können wir in Sachen Action auf der Bühne in die Tasche stecken. Und das finde ich auch so gut an uns… Wir wollen halt auch was für die Augen und nicht nur für die Ohren bieten!

K. C.: Wenn jemand mit dem Begriff Glam-Rock wenig anfangen kann oder Vorurteile gegen Männer mit Glitzer in den Haaren und pinken Tops hat, wie würdet ihr diese Stilrichtung schmackhaft machen?
Disco: Der muss zum Konzert kommen… Anders geht das nicht!
Sensai: Wenn jemand Vorurteile gegen Sushi hat, wie würdest du es ihm schmackhaft machen? Genau! Ins Restaurant schleifen, und ihn probieren lassen.
Curtis: Es gibt immer Vorurteile oder Begriffslücken. Du kannst solchen Menschen nur mit unheimlich viel guter Laune und Sympathie für das, was du machst, entgegenkommen. Es sind alle einfach herzlich eingeladen, ein Konzert von uns zu besuchen und mit uns zu rocken. Es ist der gemeinsame Moment, einmal auszuflippen und gerade das Schräge, was zusammenführt. Es gibt ja auch genug Bands, die mehr die Musik im Vordergrund stellen und sich optisch weniger in Szene setzen wollen. Ich denke, wir unterstreichen damit einfach das, was wir machen und setzen ein optisches Ausrufezeichen.
Neo: Er soll seine Augen schließen und erst mal nur auf die Musik hören. Da unsere Lieder so bunt sind, dass für jeden etwas dabei ist, können wir theoretisch auch jeden damit begeistern. Noch bevor er unsere geschminkten Gesichter gesehen hat. Und wer dann Geschmack an unseren Liedern gefunden hat, wird sich auch mit unserem Aussehen anfreunden können. (lacht)
Dancette: Dieser Jemand sollte sich erst mal die Musik anhören, denn es geht hier immer noch um Rock’n’Roll. Und sollte er am Ende noch immer die Band auf der Bühne nicht mögen, dann sollte er mal einen Blick auf die scharfen Glam-Rock-Fans vor der Bühne werfen. Spätestens dann will er noch ein wenig auf dem Konzert bleiben, denn vor allem Glam-Rock-Girls sind die Schärfsten.

K. C.: Ihr sagt, dass ihr Spaß am Androgynen habt. Schrille Outfits, viel Pink, Lila und vor allem Glitter sind bei euch zu sehen. Steckte das schon immer in euch oder kam das erst mit Gründung der bzw. Einstieg in die Band?
Dancette: Ich mochte schon immer experimentieren. Die Berührungsängste vor Make-Up, hohen Haaren und Lippenstift nahm mir meine Ma im Alter von vier Jahren, als sie mich als Ladyboy verkleidete. Als Teenager verwendete ich Kajal und Make-Up teilweise noch vor den Mädchen in meiner Klasse. Leider blieb ich in meinen früheren Rockbands mit dieser Attitüde meist allein und genau deshalb galt es als sehr wichtig für uns, bei The Pleasures diese Seite endlich in aller Größe auszuleben.
Disco: Das steckte schon immer in mir… Klar!
Curtis: Ich wollte schon immer einen besonderen Augenmerk auf die Optik bei meinen früheren Bands und Projekten setzen. Na klar haben wir uns da auch geschminkt, wenn auch nicht so argumentativ wie mit The Pleasures.

K. C.: Glam-Rock ist für viele sehr vorurteilsbeladen. Das seien keine richtigen Männer und sowieso alle homosexuell. Werdet ihr oft damit konfrontiert?
Dancette: Nein, bisher bin ich Leuten, die solche Vorurteile verbreiten noch nicht persönlich begegnet. So wie hier gerade die Wörter „vorurteilsbeladen“, „homosexuell“ und „konfrontiert“ benutzt werden, klingt es fast so, als sei Homosexualität etwas Schlechtes …
Disco: Nein. Oft ist übertrieben. Aber das kommt auf die Umgebung an … Auf St Pauli fällt man damit nicht weiter auf!
Sensai: Interessanterweise überhaupt nicht. Jedenfalls wurde mir das – soweit ich mich erinnere – noch nie direkt vorgehalten. Ich gehe davon aus, dass viele so denken. Ist ja auch klar, denn genau das provozieren wir ja damit. Aber als wir damals zum ersten Mal auf der Bühne standen, hätte ich mit wesentlich mehr Gegenwind aus dieser Richtung gerechnet. In einigen Läden, in denen wir gespielt haben, war ich mir genau deshalb von Anfang an sicher, dass die uns direkt von der Bühne schmeißen. Bestes Beispiel: Grimbsby UK. Im „Yardbirds“, seines Zeichens Clubhaus des ansässigen Motorradvereins. Da stehen dann vor der Bühne Typen in Lederkluft, die so aussehen, als würden sie das, was wir tun, genau in die Kategorie stecken, die du oben beschrieben hast. Wie endete der Abend? Mit den Jungs an der Bar und einer Menge Spaß. Quintessenz war, dass viele Leute es gut finden, wenn man hinter dem steht, was man macht. (Auch wenn es so aussieht, wie es eben aussieht, nämlich für sie ungewohnt.)

So zu sein, wie man ist.

K. C.: Wie geht man damit um? Ignoriert man solche Vorurteile, setzt man sich klar damit auseinander oder hat man innerlich manchmal auch Angst, dass man verbal und vielleicht sogar tätlich angegriffen wird?
Dancette: Ich mach mir da im Grunde nur wenig Gedanken. Wenn ich das tun würde, kann ich gleich mein Leben beenden. Ich habe mich noch nie darum gekümmert, was andere zu meiner Kunst sagen. Wenn irgendwelche Leute irgendwas irgendwie an mir nicht mögen, na dann sollen sie mich doch einfach nicht auf Konzerten besuchen.
Disco: Angst habe ich nicht. Aber man muss ja auch nichts provozieren. Im Zweifel lieber aus dem Weg gehen …
Curtis: Wenn ich daran denke, dass ich mich wegen Vorurteilen angreifen lassen müsste, dann würde mir der Spaß an der Musik genommen werden. Entweder man mag das so oder eben nicht. Ich habe schon auf Veranstaltungen vor meiner Zeit mit The Pleasures gespielt, wo du bei solchen Menschen verspielt hast, weil du Musiker bist und dich über deine Kunst verwirklichst. Das sind einfach andere Welten, wie jemand, der ein Leben fern vom Musik-Machen führt. Das ist auch gut so, weil zu polarisieren eben dazugehört und musikalische Geschmäcker unterschiedlich sind. Ich höre auch gerne Jazz / Klassik und Rock / Pop, genauso wie Millionen homo-oder heterosexueller Menschen, die akzeptiert und respektiert werden wollen.

K. C.: Ist man jemals zu alt für Glam-Rock?
Dancette: Du bist immer nur so alt, wie du dich anfühlst!
Sensai: Nein, ich glaube für den Glam-Rock an sich ist man nie zu alt. Wofür man zu alt werden kann – und das sieht man leider an vielen der Helden früherer Zeiten -, sind die Outfits von damals, die irgendwie nicht mehr so recht an den Körper von heute passen wollen. Will meinen: Solange man sich mit seinem Alter innerhalb dieser Musik entwickelt, und nicht auf die Idee kommt, Dinge konservieren zu wollen, kann man gar nicht zu alt werden. Genau das gleiche ist es mit der Musik. So versuchen tatsächlich immer noch einige Kastraten der 70er ihre unglaublich hoch gesungenen Songs zu performen, obgleich der Zahn der Zeit, gepaart mit Whiskey und Teer dieses rein von den Stimmbändern her unmöglich macht. An dieser Stelle kann man sagen: Jungs, dafür seid ihr – objektiv betrachtet – zu alt. Meiner bescheidenen Meinung nach ist das alles eine Frage ständiger Selbstreflexion.
Disco: Die Frage ist wohl, ob man jemals zu alt ist, um mit Glam-Rock auf der Bühne zu stehen. Ich glaube, so ab 45 sollte man es lassen, wenn man dann nicht noch höllisch gut aussieht und ohnehin schon erfolgreich ist.
Curtis: Nein.

K. C.: Ist Glam-Rock ein Lebensgefühl?
Disco: Das würde dann ja heißen, dass das Leben für einen zu mindestens 50% aus Show besteht… Es gibt bestimmt Leute, die so fühlen!
Dancette: Du sagst es, Disco! Für mich ist das ganze nicht nur ein Lebensgefühl, sondern auch mein Leben. Schließlich hört bei mir die Show nicht auf, wenn ich die Bühne verlasse.
Curtis: Ja!


Das ist Rock’n’Roll

K. C.: Was ist euch peinlich?
Sensai: Wenn die Haare nicht liegen.
Disco: Ich glaube, immer weniger.
Dancette: Es wäre mir peinlich, ohne Glitter und Gimmicks auf die Bühne zu gehen. Ich hatte in der Tat schon mal Alpträume davon, dass die Jungs bereits spielen und keine meiner Glitterbomben, Feuerwerkskörper oder die brennende Gitarre funktionieren würden … Wirklich peinlich!

K. C.: Gibt es Bereiche, in denen ihr geradezu spießig seid? 
Sensai: Ich hasse es, wenn im Backstage geraucht wird. Dafür fange ich mir regelmäßig abwertende Blicke ein. Ist ja schließlich so unrocknroll, gell? Dennoch: Ich steh dazu!
Dancette: Klar, wenn das Make-Up mal nicht so sitzt oder die Haare nicht so liegen, wie sie sollten, dann kann man schon mal spießig werden. Im Ernst: Wir sind oft bis ins Details sehr durchorganisiert, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag. Wir arbeiten ja nicht nur zum Spaß und müssen gerade in geschäftlichen Bereichen ganz schön die Augen offen halten, um nicht vor die Hunde zu gehen. Für manche ist das spießig, für uns überlebenswichtig.
Disco: Ja … Das wollt ihr gar nicht wissen!
Curtis: Ich mache zu Hause oft den Abwasch und die Wäsche.

K. C.: Vor allem im englischsprachigen Raum ist Glam-Rock verbreitet. Kommt ihr beispielsweise in Grossbritannien besser an als in Deutschland?
Dancette: Das müsste man wohl besser die Fans fragen. Ich bin auf jeden Fall sehr gerne in England und sehe dieses Land als unsere zweite Heimat an. Die Fans dort gehen wirklich sehr in ihrer Leidenschaft auf. Das wurde mir bewusst, als auf unserer letzten Tour dort ein englisches Girl uns ihr neuestes Tattoo zeigte mit den Refrainzeilen aus unserem Song „Some Like It Rock“.
Sensai: Nicht besser sondern anders. Man hat das Gefühl, dass auf der Insel der Umgang mit dieser Musik und dem einhergehenden Lebensgefühl ein ganz anderer ist. Dort ist es vielmehr so, dass die Leute nicht zu einem Konzert gehen, um die Musik zu hören, sondern es scheint für sie so zu sein, als ob sie dieses Lebensgefühl ohnehin den ganzen Tag abfeiern und ein solches Konzert lediglich der Höhepunkt dessen ist. Umso wilder wird es dann gefeiert. Die „Auftauphase“ des Publikums ist daher irgendwo im Millisekundenbereich anzusiedeln. Wirklich beeindruckend. Über die soziokulturellen Hintergründe dieser Phänomene könnte man nun debattieren, wir belassen es aber dabei, uns darüber zu freuen. Und außerdem ist es sehr schön zu beobachten, dass auch im heimischen Deutschland ein ähnlicher Trend seit Jahren seinen Einzug feiert. War es zum Beispiel früher noch selten, dass das Publikum unsere Vorliebe für Make-Up und Klamotten teilte, so wird es nun – wie auch in UK – immer häufiger, dass wir von der Bühne aus quasi in einen Spiegel gucken. Gigantisch!
Neo: Ich denke, wir kommen nicht besser aber anders an. Als Musiker kommt es mir so vor, dass in England bei Live-Auftritten erst mal auf die Musik gehört wird und erst dann geschaut wird, was sonst noch so auf der Bühne passiert. In Deutschland ist dieses Verhältnis gefühlt etwas ausgeglichener. Das heißt, Show und Look sind gleichwertig mit der präsentierten Musik.
Disco: Also besser nicht, aber es interessieren sich dort grundsätzlich mehr Leute für verrückten Scheiß. Uns schließt das netterweise mit ein!
Curtis: Durch die etabliertere Szene hast du auf jeden Fall mehr Leute zum Austauschen. Auch die Bands, mit denen wir auf unseren UK-Touren gespielt haben begegnen einem deutlich aufgeschlossener und es ist weniger steif als in Deutschland. Man geht dort auch viel respektvoller miteinander um, in Deutschland zeigt man als Newcomer am liebsten nicht zu viel von sich und versteckt sich hinter einer Fassade. Für uns ist es immer wichtig, nach der Show auf unser Publikum zu zugehen und einen kleinen Plausch zu halten, oder mit anderen Musikern sich auszutauschen oder zu fachsimpeln.

K. C.: Wo möchtet ihr gerne mal auftreten?
Neo: Überall, wo man viel Platz auf der Bühne zum Rocken hat und genügend Leute vor der Bühne stehen.
Disco: Immer und überall!!!
Dancette: Ich möchte gerne mal wieder in Italien rocken. Vielleicht auch mal in Finnland und Amerika und natürlich in jedem feuchten Traum.

Glam-Rock im Werbespot: Benzin und Kondome

K. C.: Gegründet wurden The Pleasures vor acht Jahren von Dancette und Lord Pleasure. 2010 stieg Lord aus Zeitgründen aus. Hat sich dadurch etwas verändert? Fehlt er vielleicht sogar?
Neo: Natürlich hat sich dadurch die Band-Dynamik geändert… Das ist aber nichts Negatives. Es hat uns dazu veranlasst, uns neu aufzustellen und uns neu zu definieren. Und jetzt mit Curtis an der Gitarre haben wir einen hervorragenden Ersatz gefunden!
Disco: Die ganze Band musste lernen, anders zu arbeiten. Aber er „fehlt“ so gesehen nicht. Wir haben uns dazu entschieden, ohne ihn weiterzumachen.
Dancette: Also ich habe meine Arbeit in der Band nicht verändert… Aber seit dem Ausstieg von Lord Pleasure ist nun Sensai Pleasure viel mehr auf der Bühne in Action und singt mehr denn je. Zudem ist er nun ganz allein für unsere Produktionen verantwortlich und er macht seinen Job da fantastisch. Früher saßen die zwei ja oft bis spät gemeinsam an den Reglern. Im Herzen fehlt mir jedes Ex-Mitglied dieser Band. Das aber ist wie mit Liebesbeziehungen: Wenn du was am Laufen hast, ist alles cool und man kann sich nie vorstellen, dass es in späteren Beziehungen vielleicht besser werden könnte.

K. C.: Wann können eure Fans mit einem neuen Album rechnen?
Curtis: Wenn es so fertiggestellt wurde, dass wir es gerne veröffentlichen möchten.
Dancette: Ich hoffe, noch in diesem Jahr. Leider hängt das aber nicht nur von uns ab. Auch Label und Vertrieb müssen da erst mal auf einen Nenner kommen. Live spielen wir hin und wieder bereits neue Songs des kommenden Albums, wie „Dead But Still Alive“ oder „1.000.000.000. Friends“ zum Beispiel.

K. C.: Ihr seid zurzeit in einem Werbespot für ARALzu sehen. Wie waren die Dreharbeiten?
Dancette: Sehr aufregend! Das Filmteam war einfach riesig. Ich musste nichts selbst machen. Für jeden Handgriff gab es eine helfende Hand. Anfangs wurde ich für die Szenen in einem paradiesapfelroten Cabrio auf die Tankstelle gefahren. Durch all diese Benzindämpfe wurde mir kotzübel und mir fehlten meine Jungs, da diese ohne mich auf der Bühne standen. Zum Glück durfte ich später direkt mit ihnen losrocken, wie man es auch im fertigen Spot sieht. Als wir dann am Ende des Tages nach ca. 70 Mal fremde Kunden Anrocken total fertig waren, kam noch das Fototeam und wir mussten noch für die Werbefotos posieren. Das war ganz schön hart, aber es hat sich gelohnt.
Curtis: Schau dir die Reaktion der Kunden an, in dem Video , das sagt schon viel aus. Ja, wir hatten ein ganz tolles Team um uns, wurden super betreut, erhielten viel Freiheit in unserer Gestaltung. Wir konnten live spielen, was einem Musiker immer besser gefällt, da er so am besten mit der Musik in Verbindung steht.
Sensai: Wirklich beeindruckend. „Versteckte Kamera“ sieht ja immer so einfach aus, aber was alles dazugehört… Wahnsinn. Respekt an das Produktionsteam. Der Spot von 1:30 Länge wurde durch 25 Takes erst möglich. Ein ganzer Tag, von morgens bis abends, immer wieder und wieder. Etwa 10.000 Techniker und Kameraleute und und und, die immer wieder die gleichen Abläufe vorbereiten, abfahren und dann wieder vorbereiten. Wir waren ja nur ein kleines Zahnrad in dieser Maschine… Schade war es, als die Regie irgendwann sagte: „Wir kommen zum letzten Durchlauf“, soviel Spaß hat es gemacht. Man braucht zwei bis drei Anläufe, um genau zu wissen, was man tun kann und was nicht (ist ja alles live) und dann ist es ein wahrer Genuss in die Gesichter der Menschen zu sehen, die mit einer solchen Aktion nicht rechnen. Herrlich!

K. C.: War es komisch, mal zwischen Zapfsäulen und Autos zu performen? 
Dancette: Ganz und gar nicht. Das machte richtig Spaß. Einmal performte ich mit einem Zapfhahn und erwischte mit einem Benzinschwall voll den armen Kunden. Sein Hemd und er nahmen es zum Glück gelassen. Schade, dass ich meine Pyros an diesem Tag nicht mitbringen durfte…
Sensai: Nö, wieso? Ich fand Straßenmusik schon immer geil.
Disco: Klar… Sowas habe ich noch nie gemacht!
Curtis: Anfangs vielleicht ungewohnt, aber nachdem alles so klang, wie es sollte, war es sehr witzig mit den Leuten zu feiern. Klar, hast du immer jemanden dabei, dem das komisch aufgeschlagen ist. Aber hey, that’s Rock’n’Roll! Umso schöner war es, wenn einige der Kunden lachten oder mitmachten und sich auf den Spaß einließen. Ich wüsste auch nicht, wie ich reagieren sollte, wenn ich beim Tanken derart überrascht werden würde. Alles in allem fand ich das schon ne sehr gelungene Aktion.

K. C.: Gibt es etwas, wofür ihr gerne mal einen Werbespot drehen würdet?
Curtis: Für ne Musikequipmentfirma.
Disco: Kondome!
Dancette: Ja, für das neue The Pleasures Album namens „Socks, Drags & Rock`n`Roll“.

Süddeutschland und bescheidene Ziele

K. C.: The Pleasures sind regelmäßig in ihrer Heimat Hamburg zu sehen. Werdet ihr auch den süddeutschen Raum erobern?
Disco: Das kommt auf die Bedingungen für die Show an … Auch sind wir da unten relativ unbekannt. Das kann sich aber gerne mal ändern!
Dancette: Bei all den fast täglichen Anfragen kann ich von „unbekannt“ dort unten nicht sprechen. Im Grunde rocken wir überall, wo man uns hinbucht. Die meisten coolen Angebote kommen tatsächlich aus den nördlicheren Landesteilen. Sollte sich das aber mal ändern, erobern wir herzlich gerne den süddeutschen Raum.

K. C.: Welche Ziele haben The Pleasures für die nahe oder auch ferne Zukunft?
Dancette: Ich würde gerne mal im Kino mit The Pleasures zu sehen sein… Ach nee. Da waren wir ja schon. Dann würde ich gerne mal ein Radiokonzert geben… Mist, das haben wir ja auch schon gemacht. (lacht) Ein neues Video kann man aber immer drehen. Dazu hätte ich Lust. Und die neue CD in den Handel bringen. Ich würde mich auch darüber freuen, in ein paar Jahren eine noch größere Bühnenshow dabei zu haben. Mit großem Drumriser, Profifeuerwerk und Riesenglitterkanonen. Und natürlich möchte ich nie aufhören, die Menschen zum Lächeln zu bringen.
Disco: Noch mehr spielen und noch bekannter werden!
Curtis: Spielen, spielen und komponieren!

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
Dancette: Ich danke all unseren Fans, die sich während unserer Shows immer so viel einfallen lassen. Ich liebe es, mit Wunderkerzen, Make-Up oder Glitterregen vor der Bühne während unserer Show überrascht zu werden. Diese Eigendynamik unserer Fans macht jede Show zu etwas Besonderem für mich! Danke!
Disco: Glitzer-Transen-Gang-Bang-Porno!
Neo: Vielen Dank an all die geschminkten Gesichter, die uns jedes Mal auf ein Neues vor der Bühne erwarten und ein Lächeln schenken!

K. C.: Vielen Dank für das Interview!
Dancette: Gerne, wir haben dir zu danken, Kyra.

Alle Fotos by: The Pleasures

Rezension: André Wegmann – Sonne des Grauen /Kutna Hora

Horrortrip im Sonnenstudio

Die New Yorkerin Anna Johannson ist zu Besuch bei ihrer Schwester in Maine. Am Tag vor Heilig Abend möchte sie noch Geschenke besorgen und wird auf das Hinweisschild eines Sonnenstudios aufmerksam. Etwas Farbe kann nie schaden und so betritt sie den kleinen Laden, der in den 1970ern stehengeblieben zu sein scheint. Sie wird von einer Frau in eine Kabine gelotst, legt sich unter die Sonnenbank und will sich entspannen, als plötzlich der Strom ausfällt und sie seltsame Geräusche hört…

Das Grauen beginnt, als das Licht wieder angeht und Autor André Wegmann mit Ängsten zu spielen beginnt. Eine Kabine im Sonnenstudio kann verdammt einsam sein und anscheinend auch extrem schalldicht. Ob es nun Ratten sind, Hunde oder doch komische Wesen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, alles ist möglich. Anna sitzt nicht ängstlich und tatenlos rum, sie versucht zu fliehen, sich zu wehren, aber nach anfänglichen Teilerfolgen sind weitere Bemühungen mit wenig Erfolg gekrönt.
Es fiel sehr leicht, mich in Anna hineinzuversetzen und ich bekam Gänsehaut und blickte mich um. War da was? Hat sich irgendwas im Zimmer bewegt? Geht vielleicht bei mir gleich das Licht aus?
Auch wenn kurze Passagen unrealistisch erscheinen, Wegmann hat plausible Erklärungen für alles. Die anfängliche Skepsis meinerseits à la: „Das ist nun doch etwas zu abgehoben!“ verflog schnell.
Das Debüt des Autors ist sehr gelungen und kurzweilig. Spannung wird von Beginn an aufgebaut und hält sich bis zum Schluss. Kommt Anna frei oder wird sie im Sonnenstudio einen viel zu frühen und grausamen Tod finden? Wer oder was steckt dahinter?
Ein tolles eBook für Zwischendurch.

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Lasset die Spiele beginnen


Randy und Torrie machen Urlaub in der Tschechischen Republik. Während eines romantischen Picknicks auf einer Wiese verschwindet ihr Hund Timmy im Wald. Das Pärchen macht sich auf die Suche und gelangt bald auf das verlassene Gelände eines Jahrmarkts. Als sie sich zwischen den verrottenden Buden und zerstörten Fahrgeschäften umsehen, fühlen sie sich unbehaglich und wollen schnellstmöglich weg. Doch Timmy ist immer noch nicht zurückgekehrt und die beiden wagen sich schließlich in das „House of Horror“. Hier verschwindet plötzlich Torrie und Randy bleibt nicht lange allein…

Der zweite Roman von Wegmann ist nicht minder bedrückend wie „Sonne des Grauens“. In der Gegend um Kutná Hora spielt die Geschichte diesmal und enthält alles, was eine gute Gruselgeschichte braucht: Romantik, Spaß, Sex und böse Überraschungen. Davon gibt es auf dem verlassenen Jahrmarktsgelände genug. Stellenweise sind die Beschreibungen eklig und man fühlt sich an Szenen aus „Hostel“ oder „Saw“ erinnert. Zwar ist absehbar, was passiert, dass Randy und Torrie nicht alleine an dem verfallenen Ort sind und dort Schreckliches geschehen muss. Aber diese Vorahnung nimmt die Spannung keineswegs.
Gekonnt zieht der Autor den Leser in den Bann und schafft es, eine gruselige Stimmung aufkommen zu lassen. Man fiebert mit dem Protagonisten mit, überlegt selbst angestrengt, was in scheinbar ausweglosen Situationen zu tun ist und hofft auf ein gutes Ende. Ob das allerdings eintritt, muss man selbst nachlesen.
Wegmann achtet bei seinen Beschreibungen auch auf kleine Details. So ist es möglich, das „House of Horror“ deutlich vor dem inneren Auge zu sehen, als ginge man neben Randy her. Sehr schön sind die dargestellten Reaktionen und Emotionen, in denen ich mich wiedergefunden habe: Die Anspannung, die Angst, das Erschrecken. Scheinbar Harmloses wird plötzlich zum gefährlichen Gegenüber, bis sich die Atmung beruhigt hat und man wieder klar denken kann.
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