Rezension: Peer Meter / Isabel Kreitz – Haarmann

„Immer nur junge Bengels“

 

haarmannIn der Leine werden sauber abgeschabte Menschenknochen und skelettierte Köpfe aufgefunden, die Bevölkerung Hannovers ist entsetzt. Fritz Haarmann ist einer der Bewohner der niedersäschsichen Stadt, doch ihn bedrücken die Funde nicht. Er ist ein „Kriminaler“, der von der örtlichen Polizei unter anderem als Spitzel eingesetzt wird, und der seinen Dienstausweis für eigene Zwecke nutzt. Für welche? Es gibt da zwischen 1918 und 1924 Jugendliche, die als vermisst gelten. Alle waren in Hannover unterwegs und alle trafen auf Fritz. Den ach so hilfsbereiten Menschen, der so mancher armen Familie oftmals zu äußerst günstigen Preisen Fleisch verkauft hat.

Der Klappentext des Buches lässt bereits einiges erahnen. Der Einstieg in die Geschichte ist fast harmlos, aber baut sich durch den Auftritt der Hauptperson schnell auf. Es wird nicht jeder Mordfall erzählt, vor allem der Fall des ersten Opfers wird aufgrund der Kriminalakte in den Vordergrund gestellt und beschrieben.
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CD-Review: Crashdiet – The savage playground

Gewohnte Glamrock-Qualität aus Schweden

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Crashdiet haben in ihrer Karriere (gegründet 2000 in Stockholm, erstes Album Rest in sleaze 2005) schon einiges durchgemacht: 2006 bringt sich Originalsänger Dave Lepard mit 26 Jahren um, was die Band in eine schwere Krise stürzt. Kaum hat man sich zum Weitermachen aufgerafft und mit einem neuen Sänger ein zweites Album eingespielt (The unattractive revolution, 2007), verlässt dieser die Band. Album Nummer drei – das hochgelobte Generation wild (2010) – war die Bewährungsprobe für Sänger Nummer drei, Simon Cruz, der seine Sache richtig gut gemacht hat. Und offensichtlich scheint die Bandchemie jetzt auch zu stimmen, denn mit The savage playground liegt seit diesem Jahr der vierte Kracher der schwedischen Glam- und Sleaze-Rock-Formation vor, der nach den ersten Durchläufen schon sehr hartnäckig in den Gehörgängen festhängt.

Eröffnet wird The savage playground nach einem düster-aufpeitschenden Sprechintro mit „Change the world“, einem melodiös-treibenden Rocker, der mit schönen Aahaa-ahaaaa-Chören sofort ins Ohr geht und gute Laune verbreitet. „Cocaine Cowboys“ gönnt einem glücklicherweise auch keine Verschnaufpause, sondern rockt genauso gut weiter nach einem sehr schönen Sleaze-Gitarreneinstieg, aggressiv, aber immer melodiös.
Mit „Anarchy“ wird das Tempo ein wenig herausgenommen, Simon Cruz singt angenehm tief und shoutet weniger grell und aggressiv, der Track lebt von eingängiger Melodie und Refrain und setzt sich sofort im Ohr fest.
Bei „California“ wird es mir persönlich etwas zu pop-rockig und cheasy, aber zumindest nicht soft, gerockt wird hier immer noch, und auch das Stück wird seine Anhänger finden.
„Lickin’ dog“ zeigt dann die rock’n’rollige Seite der Band, allerdings ist das Stück sonst nicht weiter auffallend und will trotz an sich gutem Rhythmus und guter Melodie nicht so recht ins Ohr.
„Circus“ bietet dagegen wieder ein echtes Highlight, inhaltlich knüpft es an den CD-Titel The savage playground. Simon Cruz singt in einer sehr angenehmen Stimmlage, ungewöhnliche Melodieführung, die in einen mitreißenden Refrain mündet, den man den halben Tag danach noch vor sich hinträllert.
„Sin City“ thematisiert das Glücksspiel und setzt damit das Thema des vorherigen Tracks indirekt fort. Schöner Rocker mit Spielautomatensamples im Hintergrund.
„Got a reason“ überrascht nach einem etwas arg eingängigen Beginn mit ungewöhnlichen Momenten und gefällt nach mehreren Durchläufen doch sehr gut, nicht zuletzt durch den wieder angenehm tiefen Gesang.
„Drinking without you“ ist dagegen mein persönlicher Weglasstitel des Albums, mir schlicht zu poppig und seicht und irgendwie auch langweilig. Tut nicht weh, aber mehr auch nicht.
Zum Glück plätschert das Album danach nicht wie so viele andere auf den letzten Metern dröge dahin, nein, The savage playground dreht noch mal richtig auf.
„Snakes in paradise“ ist eine klasse Hommage an Skid Row zu ihren besten Zeiten, schön rockig und nach vorn gehend, catchy Refrain. Passt.
„Damaged kid“ gehört dann wieder zur Kategorie „tut nicht weh, aber sticht auch nicht so wirklich heraus“. Nach mehreren Durchläufen wächst das Lied allerdings noch etwas und bleibt doch im Ohr hängen.
Mit „Excited“ haben Crashdiet meinen persönlichen Favoriten auf diesem Album geschaffen, ein eher melancholischer Midtempo-Track, der mich sofort berührt hat. Unbedingter Anspieltipp!
Die große Überraschung von The savage playground wartet am Ende auf den Hörer, und was für ein schöner Abschluss dieses ansonsten (im sehr positiven Sinne) Genre-Albums: „Garden of Babylon“, ein Midtempo-Rocker in Überlänge, der verschiedene Stile vereint und vor allem durch orientalische Gitarrenläufe und schön psychedelische Soli auf sich aufmerksam macht. Hossa, hätte ich so nicht erwartet!

Fazit: Für alle Glam- und Sleaze-Rock-Fans absolut empfehlenswertes Album ohne wirklichen Ausfall – und generell an gutem Rock mit schönen Melodien interessierte Hörer dürfen hier auch mindestens ein Ohr riskieren. Das Album klingt angenehm authentisch, nicht überproduziert, die etwas schrille Shout-Stimme des Sängers ist ein bisschen Geschmackssache, aber ich fand es sehr erfreulich, dass er variabel singen kann und es auch oft tut. Insgesamt gefällt das Album durch Abwechslungsreichtum und überraschende Momente in vielen Tracks, wobei es sich doch immer eindeutig in den Genregrenzen bewegt. Eine große Stärke der Band war und ist das Gespür für wirklich tolle Melodien, und wenn an der Sängerfront jetzt endlich etwas Ruhe eingekehrt ist, dürfen wir uns hoffentlich auf noch diverse weitere Ohrwürmer aus Schweden freuen.

Anspieltipp insgesamt: „Circus“
Anspieltipp persönlich: „Excited“

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Tracklist:
1.Change the world
2.Cocaine cowboys
3.Anarchy
4.California
5.Lickin’ dog
6.Circus
7.Sin city
8.Got a reason
9.Drinkin without you
10.Snakes in paradise
11.Damaged kid
12.Excited
13.Garden of Babylon

Plattenfirma: Frontiers Records
VÖ-Datum: 25. Januar 2013
17,99 €
erhältlich z.B. bei: amazon

Rezension: Lea Korte – Das Geheimnis der Maurin

Kämpfe

maurin-2Zahra as-Sulami nimmt den Leser mit auf ihren weiteren Lebensweg, wie schon im ersten Teil (Die Maurin). Es wird von den Kämpfen zwischen den mittlerweile in Granada regierenden christlichen Königen Isabel und Fernando sowie den noch hier wohnenden Mauren und Juden zwischen 1491 und 1502 erzählt.

Eigentlich wollten Zahra, Jaime und ihre drei Kinder mitsamt der Familie von Zahras Bruder Raschid nach Portugal umsiedeln, aber ihre Tochter wurde von Unbekannten entführt. Mit Unterstützung von Jaimes Bruder, der für die neuen Herrscher arbeitet, versuchen sie Chalida zu finden und zu befreien. Eine Bedingung für die Unterstützung ist allerdings, dass Zahra nach Granada zurückkehrt.
Aufgrund Zahras muslimischer und Jaimes christlicher Erziehung ergeben sich für ihre Kinder im Laufe der Geschichte grundsätzliche Glaubenskonflikte. Die Angehörigen der Familie as-Sulami bekommen auch wieder Raum innerhalb der Handlung, vor allem durch die jüdische Schwägerin Deborah und deren Zwangskonvertierung. Dazwischen spielt auch ein alter Bekannter der Familie eine grausame Rolle im Leben der Schwestern as-Sulami.
Lea Korte hat sich wieder sehr gut mit der Geschichte Andalusiens auseinandergesetzt. Auch hier begegnen einem historische Persönlichkeiten wie zum Beispiel Padre Torquemada oder dem Leser durch Die Maurin bereits bekannte Personen wie Tamu und Maria. Selbst wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat, wird das Verständnis für die Geschichte durch kurze, prägnante Zusammenfassungen erleichtert.
Jüdische Gepflogenheiten und Denkweisen einer muslimischen Frau in dieser beängstigenden Zeit durchwirken das Buch, Spannung und so manche prekäre Situation würzen es – aber leider ist mir so manches davon zu langatmig, wie zum Beispiel die 50-seitige qualvolle Entführung von Zahra, ihrer Schwester und Jaime durch einen früheren Verwandten. Und dies war kein Einzelfall; bei diversen weiteren Stellen habe ich Seiten einfach überblättert. Ich hoffe, die Autorin belässt die Familie as-Sulami nun in ihrem zuletzt erreichten Zuhause.

:buch: :buch: :buch: :buch2: :buch2:

Lea Korte: Das Geheimnis der Maurin
Knaur Taschenbuch Verlag, Dez. 2012
573 Seiten
€ 9,99
Knaur TB
Amazon
Homepage von Lea Korte

Interview mit Lord Of The Lost

Die zweite Headliner-Tour zeigt, ob sich die Arbeit gelohnt hat. Nach bisher drei ausverkauften Venues (Stuttgart, Köln, Frankfurt) können Lord Of The Lost sicherlich schon zufrieden sein. Die Fangemeinde ist definitiv gewachsen und auch Unzucht freuen sich über ein dankbares und begeistertes Publikum. Die zweite Headliner-Tour ist aber auch dazu geeignet, einmal Klartext zu sprechen. Bo Six, Chris „The Lord“ Harms und Class Grenayde haben sich die Zeit genommen, vor dem Auftritt in München am 26.01.2013 ein paar Fragen zu beantworten und aus dem Nähkästchen zu plaudern. Dabei werden auch unschöne und brisante Themen angesprochen, zu denen die drei klar Stellung beziehen und auch manches ins rechte Licht rücken. Während viele Musiker sich zu Gerüchten, Drogen und Familie kaum bis gar nicht äußern, haben Lord Of The Lost in diesem Interview das Schweigen gebrochen. Ein großer und wichtiger Schritt, um auch zu zeigen, wo es Grenzen gibt, wo diese leider von anderen überschritten werden und vor allem: Welche Meinung die Hamburger wirklich dazu haben. Ein offenes Interview, dass Klartext spricht.
Vielen Dank!

CD-Review: Heino – Mit freundlichen Grüßen

Es ist nicht alles schlecht, was Schlager ist

cover-heino-mit-freundlichen-gruessenVolksmusik, Schlager, Punk, Metal? Was treibt einen bekannten und ehemals erfolgreichen Musiker dazu, ein anderes Pferd zu satteln und durch die deutsche Musiklandschaft zu galoppieren? Es mag ein bisschen Rache sein, süße Rache, die denjenigen ans Bein pinkelt, die ihn gerne mal auf’s Korn genommen haben. Vielleicht hat Heino aber auch einen ganz anderen Beweggrund, sein neues Album Mit freundlichen Grüßen auf den Markt zu schmeißen, über das sich die Mäuler zerrissen werden. Es ist ein gewagtes Projekt, aber eines, das Mut beweist und Aufmerksamkeit verdient. Man kann zu dem Musiker stehen, wie man möchte – und sicherlich gibt es eine Generation, die bei Heino genauso ausgerastet ist, wie eine jüngere, die es bei Rammstein oder Peter Fox tut.
Was hat Heino denn gemacht? Nun, er hat bekannte deutsche Bands gecovert und aus harten Reindreschversionen zärtliche Kuschelschlagermusik gemacht. Das ist an sich nichts Schlimmes, denn nicht nur Die Ärzte haben den einstigen Star oft genug auf’s Korn genommen, da musste irgendwann die Quittung kommen. Ob sich die Formationen allerdings wirklich derart alteriert haben, ist umstritten und bleibt wohl auf ewig eine pure Einbildung der BILD-Zeitung. Dass die Kunde dieses Projekts erst eine Woche vor Release in die Lande getragen wurde, war eine perfekt durchdachte Marketingstrategie, die voll aufgegangen ist. Natürlich möchte man hören, was Heino aus den bekannten Songs gemacht hat, und so ist es nicht verwunderlich, dass die Vorverkaufszahlen in die Höhe geschossen sind und die Platte schnell auf Platz 1 in den Amazon-Verkaufscharts stieg. Aber wie klingt er denn nun, was hat sich der Musiker ausgedacht und wie berechtigt ist denn eigentlich die ganze Aufregung?

„Junge“ von der deutschen Punkrock-Legende Die Ärzte war das einzige Lied, das man im Vorfeld als komplette Coverversion anhören konnte und daher bietet es keine Überraschungen mehr. Es klingt gut. Ja, es ist eine andere Stimmlage, aber wenn man sich darüber aufregt, dann sucht man wirklich in Krümeln. Der Sound ist gleichgeblieben, nur geringfügig abgeschwächt. Die Version geht ins Ohr und Heino hat gut umgesetzt, was vor einigen Jahren vorgegeben worden war.
Es folgt eine ganz andere Musikrichtung und leicht hüpfend präsentiert sich „Haus am See“. Peter Fox hat unter anderem damit Erfolg und auch hier muss gesagt werden, dass die Umsetzung nicht schlecht ist.
Vielleicht sollte man das mal übergreifend erwähnen: Im Gegensatz zu manch anderer Coverversion, die das Original so verfremdet, dass man es nicht mehr erkennt, hat sich Heino nicht an den Songs vergriffen. Die Melodien sind geblieben, nur andere Instrumente wurden verwendet und es ist langsamer geworden. Die Härten, der Bass, die Drums, das fehlt alles. Stattdessen hört man ruhige – und immer sehr ähnliche – Töne, viele Blechbläser, die natürlich an Volksmusik und Schlager erinnern, die an die Abende vor dem Fernseher entführen, als man mit den Großeltern Musikantenstadl geschaut hat. Ist das schlimm? Nein, ist es nicht! Es ist eine andere Interpretation, es ist eine interessante Herangehensweise, aber es ist nicht vernichtend schlecht, so dass man Heino den Mund zukleben möchte.
Womit wir beim Gesang wären. Natürlich kennt man Heino und weiß, wie er die Haselnuss und den Enzian besungen hat. Waren das langweilige, triste, langsame Kuschelsongs? Nein, eben nicht. Da steckte Schwung drin, auch wenn die Musikrichtung nicht jedermanns Geschmack war.
Zurück zum Album. Sportfreunde Stiller müssen auch dran glauben, denn „Ein Kompliment“ wird gesungen. Während der Band immer wieder vorgeworfen wurde, gesanglich hätte sie es mal so gar nicht drauf, konnte sie dennoch Erfolge verbuchen – nicht zuletzt wegen des WM-Songs „’54, ‘74, ’90, 2006 (2010)“. Das Cover ist gut, das muss man Heino nun wirklich zugestehen. Gesanglich hat er einen Tick mehr drauf – auch wenn Sportfreunde Stiller gerade durch die kleinen Unstimmigkeiten so sympathisch rübergekommen sind.
Ein wirklicher Griff in den Misthaufen ist das Oomph!-Cover. „Augen auf“ hat doch erheblich mehr Power und gerade dieser lauernde Aspekt, der das Original während der Strophen beherrscht, bis der Refrain reinbrüllt, fehlt leider komplett. Es ist eine Interpretationsweise, die ihre Berechtigung hat, aber nicht unbedingt gefallen muss.
An dieser Stelle sollte man sich einmal nach der Zielgruppe fragen. Möchte Heino am Ende die ältere Generation ansprechen und sie auf das Liedgut der Jungen aufmerksam machen? Möchte er den Freunden von Karl Moik und Florian Silbereisen beweisen, dass die Texte der Charts und die Hits der Jugend hörbar sind und die Texte eine Überlegung wert? Dass da vieles drinsteckt, was uns die Alten auch gerne raten?
Dem folgenden Lied fehlt Power. Zwar ist das Original kein reinrammender Knallersong, aber er ist düster und tief und … es ist Rammstein! Hier kann Heino leider gar nicht punkten, auch wenn „Sonne“ schon immer etwas getragener war. Das Cover plätschert dahin und man möchte einfach losbrüllen, mitzählen und … man kann es nicht. Schnell vorspulen!
Clueso hat es ebenfalls getroffen und ihr „Gewinner“ könnte ohnehin aus der HEINO-Ecke stammen. Möglicherweise ist das auch der Grund, weshalb diese Interpretation so absolut stimmig ist – und mir besser gefällt als das Original. Für mich kommt hier mehr Gefühl rüber.
Dadurch, dass der Sound zwar abgespeckt ist, aber nicht verändert, erkennt man die Songs sofort. Stellenweise kann man von einem liebevollen Umgang sprechen und auch beim Hit „Liebeslied“ von Absolute Beginner kommt die Seele des Stücks raus. Ich würde es nicht gerade den besten Rap der Welt nennen, aber Heino macht es gut! Welch versteckte Talente kramt dieser Mann denn noch aus?
Gut, Nena ist jetzt nicht das nächste Talent des Musikers. Es fehlt einfach die weibliche Stimme, die lasziv und sehnsüchtig den Text ins Mikro seufzt. Nena ist einfach sie selbst und sie zu covern ist schwierig und nein, dieser Mann schafft es nicht. Vielleicht ist hier auch zum ersten Mal störend, dass alles gleich geblieben ist und keine neuen Töne zu hören sind. Ohne Kenntnis des Originals ist es gut und „Leuchtturm“ zieht mit – dazu lässt sich beim nächsten Seniorentanztee das Tanzbein schwingen!
Stefan Remmler – wie bitte, wer? Nein, der passt so gar nicht in diese Liste. Zu RammsteinDie Ärzte und Co. passen Schlager so gar nicht – und beweisen gleichzeitig, dass Heino genau das drauf hat. Schlager, ein bisschen tragisch, langsam, schunkelig. Es wird denen weniger gefallen, die sowieso nichts mit Schlagern anfangen können, alle anderen müssen dem Altmeister zugestehen, dass diese Interpretation verdammt gut ist und eine kleine Hommage an Remmler und seinen „Vogel der Nacht“.
Der Titelsong „MFG“ hat der Welt vor vielen Jahren gezeigt, dass Abkürzungen so verdammt nervig sein können. Lalala lalala, ein bisschen einschläfernd ist es ja schon, das Original wie auch der Abklatsch. Und nein, Fanta4 hat mich damit nicht vom Hocker gerissen und Heino schafft das auch nicht, wobei ihm auch noch der Pepp fehlt, der das Original wenigstens hörbar gemacht hatte.
Leider ist Keimzeit auch nicht gerade der Brüller und „Kling Klang“ fasziniert mich in keiner Version. Aber das ist Musik, die unsere Eltern hörten und die auch heute noch auf Bayern1 zieht. Es ist okay, tanzbar und vielleicht der Versuch, der jungen Generation nun die ältere etwas näherzubringen. Misslungen, leider.
Zuletzt schallt „Willenlos“ von Marius Müller-Westernhagen aus den Boxen. Nein, man covert den Meister nicht so unschuldig. Entweder lässt man sich was richtig Geiles einfallen oder man lässt die Finger davon. Westernhagen ist einfach Westernhagen und da hat Heino auch danebengegriffen.

Heino. Ein Mann, eine Musik, eine Idee – und ganz viel Mut! Das Album Mit freundlichen Grüßen ist definitiv hörbar. Für alle. Die Jungen, die Alten, die Schlagerfans, die Hardrocker. Er kann was, und das hat er bewiesen. Dieser Silberling hat seine Berechtigung und man muss ihn nicht mal gut finden, aber die Idee und das Werk doch anerkennen. Wie nahezu jede Scheibe ist auch diese hier gemischt mit guten und schlechten Sachen, was immer eine persönliche Meinung ist und nur ganz selten wirklich objektiv gesagt werden kann. Heino hat sich in die Schlagzeilen gebracht – und die ein oder andere Band auch wieder. Hört rein, amüsiert Euch, aber seid ehrlich: Es ist nicht alles schlecht, was Schlager ist!

Anspieltipp: Ein Kompliment, Junge

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch2: :mosch2:


Heino – Mit freundlichen Grüßen
Starwatch Entertainment, 2013
14,99 € Amazon

Tracklist:
Junge
Haus Am See
Ein Kompliment
Augen Auf
Sonne
Gewinner
Liebeslied
Leuchtturm
Vogel Der Nacht
MFG
Kling Klang
Willenlos

Rezension: C.J. Skuse – Rockoholic

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

rockoholicJody ist ein Teenie und steht total auf die Regulators, eine angesagte Rockband. Auf das Konzert hatte sie sich wochenlang gefreut, doch dann starb ihr Opa, der einzige Mensch, der cool war und sie verstanden hat. Sie sprengt die Beerdigung, woraufhin ihre Mutter die Eintrittskarte zerreißt. Das war’s dann wohl. Doch Mac, Jodys bester Freund, fährt sie nicht nur zum Gig, sondern schenkt ihr auch seine Karte. Stundenlang steht sie an, wird vollgekotzt und steht endlich, endlich in der zweiten Reihe vor Jackson Gatlin, dem Sänger, den sie über alles liebt. Nach drei Songs verliert sie ihren Mondstein, das letzte Erinnerungsstück an den geliebten Großvater, wird aus der Menge gezogen, Jackson reicht ihr den Stein und es wird schwarz. Als sie aufwacht, hat sie eine Platzwunde am Kopf und das Konzert ist für sie vorbei, doch dann kommt Jackson ins Krankenlager und ein anderer der Band stürzt schwer. Jody sieht ihre Chance und entführt den Sänger. Und jetzt?

Der Roman beginnt rasant und verliert dann ein wenig an Fahrt, ohne wirklich langweilig zu werden. Skuse beschreibt ausführlich, was Fans auf sich nehmen, um in die erste Reihe zu kommen und die Aufmerksamkeit des Stars auf sich zu ziehen. Auch wie viel Geld ausgegeben wird für Shirts, Special Editions usw. thematisiert die Autorin. Dass Jody total besessen ist und Jackson unbedingt kennenlernen muss, weil sie die Richtige für ihn ist, ist derart aus dem Fanleben gegriffen, dass man einige Fanatiker vielleicht besser verstehen kann, sich aber auf jeden Fall sehr gut in die Protagonistin hineinversetzen kann, die an nichts anderes mehr zu denken scheint – und dabei gerne auch anderen vor den Kopf stößt und gar nicht merkt, dass ein viel erreichbarer Mensch sie über alles liebt.
Nach der Entführung des Rockstars muss dieser erst mal auf kalten Entzug in der Garage verweilen und Jody lernt eine ganz andere Seite des Mannes kennen, den sie so sehr zu lieben glaubte. Ohne Kameras und zurechtgelogenem Charakter wirkt Jackson wie ein normaler Mensch, ohne Glanz, Glamour und Seelenverwandtschaft. Ein bisschen sehr hart landet Jody auf dem Boden der Tatsachen und verliert beinahe auch noch ihren letzten Halt, Mac, der ihr immer den Rücken stärkte.
Die Geschichte ist einfühlsam und größtenteils lebensnah. Sie zeigt auf, dass Schwärmereien zwar okay sind und dazu gehören, dass aber in Wirklichkeit nichts so ist, wie die Medien es darstellen. Skuse gibt einen Einblick in das Seelenleben eines Teenagers, der langsam erwachsen wird und merkt, dass die Welt nicht aus Tagträumen besteht, sondern aus der Realität, mit der man klarkommen muss. Die Protagonistin lernt in zwei Wochen sehr viel über sich selbst und eine mediale Scheinwelt, und macht wichtige Erfahrungen. Vor allem aber bemerkt sie endlich, wer wirklich zu ihr steht und wichtig in ihrem Leben ist.

Eine spannende Geschichte, die sich sehr schnell liest und ein tolles Jugendbuch ist. Aber auch Erwachsene werden ihr Lesevergnügen haben und sich vielleicht in der einen oder anderen Szene wiederentdecken können.

C.J. Skuse, Jahrgang 1980, lebt in England und liebt Sitcoms der 80er Jahre. Sie schreibt gerne über Jugendliche auf der Suche nach sich selbst, die alles sind, nur nicht einfach. Rockoholic ist ihr zweiter Roman.

:lesen::lesen::lesen::lesen::lesen:


C.J. Skuse – Rockoholic
Carlsen Verlag, 2013
448 Seiten, Hardcover
€ 16,95 (€ 11,99 eBook)
Carlsen
Amazon

Interview mit My Tide

Die Gezeiten einer Band

img_4390Aus Hamburg kommt eine Gothic-Doom-Metal-Band, die seit 15 Jahren Musik macht. Das Trio hat bereits mehrere CDs produziert und gibt auch auf der Bühne richtig Gas. My Tide sind vielseitig und erfinden sich selbst immer wieder neu, so kommt keine Langeweile auf. Stefan Frost, Sänger der Band, hat sich zu einem Interview bereit erklärt und bringt uns My Tide ein bisschen näher.
Kyra Cade: Stellt Euch bitte kurz vor.
Stefan: Die Band My Tide besteht derzeit wieder aus drei Musikern und das wird wohl auch so bleiben. Tobias Norff macht bei uns den Bass, die Vocals und Keyboards, Jörn Dackow spielt die Drums und ich (Stefan Frost) bin für die Gitarre und ebenfalls für die Vocals und Keyboards zuständig. Tobias und ich teilen uns die Stimmen, um so mehr gesangliche Bandbreite zu erlangen. Er growlt und ich singe klar bis halb klar mit angerauter Stimme. Seit dem Jahr 1997 sind wir jetzt mit My Tide unterwegs, Jörn stieß 2007 dazu, nachdem unser vorheriger Drummer ausgestiegen war. Angefangen haben wir mit weiblichen Vocals und Drum-Computer, im Laufe der Zeit entschieden wir uns aber für einen Drummer aus Fleisch und Blut, außerdem passen männliche Vocals besser zu unserem Stil. Seitdem haben wir mehrere Demos und Alben produziert, waren auf Samplern zu hören und haben natürlich einige Live-Konzerte gegeben.

K.C.: My Tide ist ein Bandname, den man nicht sofort verstehen und einordnen kann. Könnt ihr erklären, wie es zu dem Namen kam?
S.: Tobias und ich kamen auf den Namen 1997. Wir hatten damals noch nichts Passendes gefunden, also verabredeten wir uns zum Essen, um zu überlegen, was am besten zu uns und unserer Musik passen würde. Da wir eine sehr enge Bindung zum Wasser und dem Meer haben, wir sind ja Nordlichter, wollten wir einen Namen haben, der das auch wiedergibt. Übersetzt heißt der Name My Tide „Meine Gezeiten“. Tide kommt von Tidenhub, also dem Scheitelpegel einer Flut und dem untersten Pegelstand einer Ebbe. Da unsere Texte hauptsächlich die Gedanken unseres realen Lebens wiederspiegeln und das Leben auch Höhen und Tiefen für uns bereit hält, entschieden wir uns letztendlich für den Namen My Tide, also „Meine Gezeiten“.

K.C.: Welches Genre bedient ihr?
S.: Unsere heutige Musikrichtung würden wir wohl am ehesten als eine Mischung aus Gothic, Metal und Doom beschreiben. Allerdings sind wir sehr offen für andere Einflüsse, so waren auf unserer letzten CD beispielsweise auch Blackmetal-Einflüsse zu vernehmen. Ich kann gar nicht genau sagen, ob wir nur ein spezielles Genre abdecken. Unsere produzierten CDs waren dafür sicherlich zu unterschiedlich. Wenn wir zum Beispiel das 2007 produzierte Album Love, lies, anguish nehmen, das wirklich sehr melodische und poppige Songstrukturen innehat und es der letzten CD This cold age gegenüberstellen, mit weitaus mehr Doom- und Blackmetal-Einflüssen, dann müsste ich sagen, wir decken das Gothic-Genre genauso ab, wie zum Beispiel die Fraktion der Hörer, die auf eher härtere Klänge stehen. Es ist eben ein Prozess; auf der bald erscheinenden CD wird es beispielsweise eine gekonnte Mischung aus den beiden vorherigen genannten CDs geben. Wir machen keine Musik um ein Genre zu bedienen oder einer Strategie zu folgen. Wir sind eben Musiker und machen Musik, die uns gefällt.

K.C.: Euch gibt es bereits seit 1997. Mit welchen Erwartungen, Wünschen und Hoffnungen habt ihr My Tide aus der Taufe gehoben?
S.: Ich denke, wir unterschieden uns mit unseren Erwartungen nicht von anderen Musikern. Wenn man anfängt selbst Musik zu machen, hat man beispielsweise den Traum auf einer Bühne seine Musik anderen Menschen zu präsentieren, die im Idealfall die Musik dann auch gut finden. Da spielt sicherlich auch immer eine Portion Narzissmus eine Rolle. Natürlich hat man mit Anfang 20 den

Traum, einen guten Label-Vertrag zu bekommen und von seiner Musik leben zu können. Das relativiert sich mit den Jahren. Ich habe mit der Zeit so viele Musiker kennengelernt, die wirklich nichts anderes machen als Musik und wirklich nicht gut davon leben können. Unterhält man sich oberflächlich mit diesen Menschen, dann klingt das Profi-Musikerdasein immer sehr blumig, fragt man näher nach, dann erkennt man schnell, dass diese Musiker sich häufig am Existenzminimum bewegen. Nur die wenigsten können sehr gut davon leben, daher sind wir alle drei froh, uns in anderen Bereichen hauptberuflich etabliert zu haben.img_4417

K.C.: Hat sich alles erfüllt?
S.: Teilweise schon, immerhin haben wir insgesamt fast sechs CDs produziert und durften unsere Musik häufig anderen Menschen präsentieren, ob nun live, im Internet oder auf Sampler-Beiträgen. Das mit dem Label hat bis heute leider nicht funktioniert. Allerdings hatten wir 2002 einen Vertriebs-Deal mit Twilight Distribution, unser Album Impressions from a dying world war damals beispielsweise bei Mediamarkt und Saturn erhältlich. Mein größter Wunsch hat sich allerdings erfüllt, nämlich dass ich nach 22 Jahren des GitarreSpielens immer noch nicht müde bin, weiterhin Musik mit Leidenschaft zu produzieren und diese dann anderen Menschen zu präsentieren.

K.C.: Was war bisher das absolute Highlight? 
S.: Als Highlights würde ich unsere Club-Konzerte zwischen 2002 und 2005 bezeichnen. Bei diesen Konzerten haben wir viele musikbegeisterte Menschen kennengelernt, mit denen wir einen guten Austausch hatten.

K.C.: Ihr sagt selbst, ihr erfindet euch immer wieder neu. Heißt das im Umkehrschluss, ihr habt euch noch nicht gefunden?
S.: Um auf jeder CD immer wieder dasselbe zu machen, sind wir uns zu schade. Ich würde sagen, wir ergänzen den Stil der vorhergegangenen CD mit wieder neuen Einflüssen. Das „immer wieder selbst erfinden“ ist tatsächlich eine Tatsache, zu der wir uns selbst verpflichtet haben. Wenn ich mir heute Bands anhöre, die ich bereits vor 10 Jahren gehört habe und sie klingen heute immer noch genauso, dann kann es meiner Meinung nach nur an zwei Dingen liegen.
Erstens: Die Band hat keine Ideen.
Zweitens: Sie müssen die Fans mit immer demselben Stil bedienen, wie bereits vor zehn Jahren, um diese nicht zu verlieren.
Die Angst etwas Neues auszuprobieren haben wir nicht. Natürlich spielen beim Songwriting-Prozess auch äußere Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel die Stimmung der Musiker. Ich denke, wir erfinden uns immer wieder neu, ohne den roten Faden zu verlieren.

K.C.: Bisher sind fünf Alben von euch erschienen, die auch richtig reinhauen. Gibt es eins, das ihr besonders empfehlen würdet?
S.: Mein persönlicher Favorit ist das Love, lies, anguish-Album. Wir hatten 2007 ganze zwei Jahre für das Songwriting und die Produktion aufgewendet, weil die äußeren Umstände dies zuließen. Ich denke, das hört man der CD an. Tobias würde an dieser Stelle sicherlich unser letztes Album This cold age nennen, weil er eher auf einen sehr rohen Sound steht.

img_4489K.C.: Wer schreibt bei euch die Songs?
S.: Das variierte bislang von CD zu CD. Das Songwriting für unsere erste Demo Tired haben Tobias und ich gemeinsam gemacht. Das zweite Demo Sounding Lead habe ich komplett alleine geschrieben und aufgenommen. Zu unserem ersten Album Impressions from a dying world habe ich die Musik geschrieben und Tobias die Texte. Genauso haben wir das bei dem zweiten Album Love, lies, anguish gehandhabt. Für unsere letzte CD This cold age hat Tobias fast (bis auf einen Titel) die komplette Musik und die Texte im Alleingang geschrieben. Ich habe mich quasi nur noch ins Studio begeben, um die Gitarren einzuspielen und meine Gesangsparts beizusteuern. Die bald erscheinende Scheibe ist ein Gemeinschaftsprodukt von allen drei Musikern. Wir verfolgen beim Songwriting-Prozess keine Regeln.

K.C.: Gibt es Themen, die ihr am liebsten besingt?
S.: Wir schreiben über Dinge, die die Menschen beschäftigen (außer Bildzeitungsleser vielleicht). Es geht viel um zwischenmenschliche Beziehungen (nicht nur Frau/Mann-Beziehungen) und den Umgang damit. Dabei schildern wir unsere teilweise sehr skurrilen Gedanken, die sicherlich häufig nicht leicht nachzuvollziehen sind. Im Schwerpunkt geht es in den Texten, zur Musik passend, um die Schattenseiten und Abgründe des menschlichen Daseins.

K.C.: Kann man My Tide auch außerhalb Hamburgs live erleben?
S.: Natürlich, wir sind zu jeder Schandtat bereit und sind auf Hamburg nicht festgelegt.

K.C.: Wo würdet ihr gerne mal auftreten?
S.: Wacken wäre für uns sehr attraktiv, dann müssten wir nicht mal besonders weit fahren.

K.C.: Wer inspiriert euch?
S.: Musikalisch haben uns häufig skandinavische Bands inspiriert. Die alten Sachen von Sentenced finden wir sehr gut. Intelligente Musik in Verbindung mit ausdrucksstarken Texten, die über das 08/15 Larifari hinausgehen. Als einzelnen Musiker muss ich hier auch noch mal Taneli Jarva nennen. Er war früher Sänger bei Sentenced und ist mittlerweile Kopf der Band The Black League. Seine Stimme, seine Texte und sein Songwriting sind außergewöhnlich. Wir mögen generell Bands, die einzigartig sind. Wer braucht schon den 100. Klon von Band x oder y.

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K.C.: Welche Pläne habt ihr für die nahe Zukunft?
S.: Wir wollen jetzt erst mal unsere aktuelle CD fertigstellen und danach so oft live spielen wie möglich.

K.C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
S.: Wir möchten uns bei Dir für das Interview bedanken und STAY METAL!

K.C.: Vielen Dank für das Interview!

Mehr über die Band erfahrt ihr im Bandblog, dort gibt es auch die CDs zu bestellen.

Fotos by My Tide.

19.01.2013 Visage – Die Perlen, Garage DeLuxe

New Wave Look in der Garage

Visage? Ja, der Name kommt mir doch bekannt vor. Hatte diese Band nicht den Hit „Fade to Grey“?
Richtig! Und die kommen nach all den Jahren nach München in die Garage? Das konnte ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen. So dachte anscheinend nicht nur ich, denn an dem kalten Samstagabend hatte sich vor dem Einlass eine recht ordentliche Schlange gebildet. Bibbernd standen die aufgestylten Fans in der Kälte und sehnten sich in den warmen Club.
Und dieser füllte sich rasend schnell. Zur Einstimmung in den Abend legten DJ Bat und DJ Siggi Sputnik ein paar Scheiben auf. Ein paar tanzten, die anderen holten sich Getränke und verloren sich in Gespräche mit Freunden.

Eigentlich sollte Hubert Kah als Support fungieren, doch aufgrund gesundheitlicher Probleme musste er das Konzert absagen. Als Ersatz sprang die Nürnberger Electroclash Gruppe Die Perlen ein.
Seit über 10 Jahren machen Ferdinand Ess und Katja Hah Musik und dazu brauchen sie nicht viel. Für andere Musiker ist die Bühne in der Garage eigentlich immer fast zu klein, doch für Die Perlen reichte der Platz, um bequem darauf zu performen. Pünktlich starteten sie gleich mit einem neuen Titel ihres aktuellen Albums: Zurück
Der Klang, sowie Texte waren etwas ungewöhnlich, aber nachhaltig. Das Publikum war zunächst etwas zurückhaltend, gewöhnte sich aber schnell an die Musik und applaudierte brav nach jedem Song. Man merkte deutlich, dass sie das Ganze noch nicht so wirklich in eine Richtung zuordnen konnten. Katja und Ferdinand hatten sehr viel Spaß auf der Bühne, sie lachten viel, alberten mit dem Publikum und versuchten es immer wieder zu animieren, was leider nur teilweise gelang. Die ersten Reihen standen eher wie Zinnsoldaten im Setzkasten an der Bühne, ohne Regung in Mimik und Körper. Doch davon ließ sich die Band nicht beirren und sie spielten ihr Liedgut aus neuen und alten Werken ordentlich ab. Von Deutsch und Englisch bis hin zum Französischen war alles dabei, sie boten eine große Vielfalt und Abwechslung. Für mich mal etwas ganz anderes. Ein sehr schöner Auftritt, den die beiden sicherlich sehr genossen haben. Ein paar Fans werden sie auch dazugewonnen haben.

Bis zum Auftritt von Visage schien eine Ewigkeit zu vergehen. Die Djs spielten immer wieder eine neue Platte an und so langsam wurde das Publikum ein wenig ungeduldig. Auf der Bühne hatte sich während der Umbauphase nicht viel getan. Zwei Mikrophone standen einsam herum und warteten auf Einsatz. Dann endlich kam das Zeichen für die Djs und die Musik verstummte. Steve Strange betrat als erster die Bühne gefolgt von einer blonden, sehr hübschen Sängerin. Steve kam elegant in Anzug mit Hut, die letzten Jahre sind sichtlich nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, auch wenn ein paar Fältchen durch Botox verschwunden sind. Dank des tollen Make ups fielen die restlichen nicht ganz so stark auf. Aber er strahlte und startete auch mit vollem Elan in sein Programm. Am Anfang dachte ich, er wäre ein wenig nervös, weil er recht offensichtlich stark zitterte, doch im Laufe des Auftrittes bekam man immer mehr das Gefühl, dass Herr Strange nicht ganz nüchtern auf der Bühne stand. Er hatte sich, bis auf kleine Stolperer, soweit ganz gut unter Kontrolle. Vor der Veröffentlichung dieses Artikels wollte ich aber sicher gehen und kontaktierte den Veranstalter. Dieser dementierte das Gerücht um den vermutlichen Alkoholkonsum, Steve kam wohl erst recht spät in der Garage an, hatte Grippe mit Fieber und war wirklich sehr aufgeregt. Der Gesang kam wohl deshalb leider hauptsächlich vom Band, hin und wieder hörte man seine eigenen Töne, die auch auf Anhieb saßen und klar rüberkamen. Die Blicke der Anwesenden sprachen dennoch Bände, doch sie jubelten und applaudierten dem Künstler zu, feierten den einstigen Star, der auf der Bühne sein Bestes gab und sichtlich viel Spaß hatte. Er genoss den Auftritt nach so langer Abstinenz. Er schüttelte immer wieder Hände im Publikum, tanzte wild mit dem Mikrofonständer über die Bühne und freute sich über das zahlreiche Erscheinen. Seine Ausdrucksstärke hatte er in den ganzen letzten Jahren nicht verlernt. Selbst eine kaputte Hose am Ende brachte ihn nicht in Verlegenheit.

Seine Begleitung ging ein wenig unter, trotz des aufwändigen Stylings kam ihre Stimme leider nur teilweise hervor. Sie stand immer ziemlich abseits, wirkte schüchtern und sang stets in die Richtung von Steve Strange. Als hätte sie ständig ein wachsames Auge auf den Sänger gelegt. Der Auftritt war zu schnell vorbei, ein paar alte bekannte Songs wie „Night Train“ waren dabei. Doch der grosse Hit fehlte noch. Vor der Zugabe zog sich Steve Strange kurz in den Backstage Bereich zurück, lange ließ er sich nicht zurück bitten und zum Abschluss gab es dann natürlich das berühmte „Fade to Grey“, welches er mit voller Inbrust und Leidenschaft performte.
Ich fand es schade, dass dieses Konzert schon zu Ende war, man war gerade warm geworden und hatte Fahrt aufgenommen. Bin gespannt, wann wir Visage mal wieder in Deutschland sehen dürfen, es war ein Genuss, eine Erinnerung an alte Zeiten und schon das Auftreten des Künstlers war der Besuch wert. Ein wunderbarer Abend.

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Weitere Bilder von Steffi Schaaf: FanniPics