Perle im Norden: Stockholm

 

Erstmals in meinem Leben ging ich für vier Tage auf Reise nach Stockholm. Viel positives hatte ich von Schwedens Hauptstadt gehört, nun wollte ich mich auf diesem Kurztrip selbst überzeugen – und meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Meine wichtigsten Eindrücke versuche ich ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität mit den folgenden Zeilen zu vermitteln:

Nachdem ich über den Flughafen Arlanda am Bahnhof angekommen war, führte mich mein Weg direkt in die Altstadt Stockholms, Gamla Stan, wo ich im mit nur sechs Metern Breite schmalsten Hotel Schwedens ein Zimmer reserviert hatte. Gamla Stan befindet sich auf einer Insel namens Stadsholmen, die der eigentlichen, auf dem Festland liegenden, Innenstadt vorgelagert und mit ihr durch diverse Brücken verbunden ist.

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Diese Altstadt, in der sich auch das Königliche Schloss befindet, ist sicherlich eine der Hauptattraktionen Stockholms und ein wunderschönes Fleckchen Erde, in das ich mich spontan verliebt habe. Fast alle Gebäude hier sind 200 Jahre oder älter, und man kann stundenlang durch die autofreien, engen Gassen spazieren (die schmalste, Mårten Trotzigs Gränd, ist gar nur bescheidene 90 Zentimeter breit), stößt dabei immer wieder auf neue, malerische Blickwinkel oder idyllische Plätze und fühlt sich oft in der Zeit zurückversetzt. Der Hauptanteil der unvermeidlichen Touristenströme beschränkt sich auf einige wenige Straßen (zum Beispiel die von zahlreichen Lokalen und kleinen Geschäften gesäumte Västerlånggatan, in der sich auch mein Hotel befand), so dass ich abseits davon selbst zur Hauptverkehrszeit durch beinahe menschenleere Gassen wandern und die Ruhe und pittoreske Atmosphäre in mich aufnehmen konnte.

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Einige Plätze sollen hier ausdrücklich erwähnt werden: der Stortorget mit seinen zum Teil aus dem 17. Jahrhundert stammenden Gebäuden sowie der auf mich fast mediterran wirkende Järntorget, wo man bei Kaffee und Kanelbullar eine entspannte Pause in Stockholms ältester Konditorei, dem Sundbergs, einlegen kann. Imposant und dem einen oder anderen vielleicht von den königlich-schwedischen Hochzeiten bekannt ist Slottsbacken, der Schlossplatz. Dort, gegenüber vom Schloss, steht die Finska Kyrkan, die Kirche der finnischen Gemeinde; in deren begrüntem Hinterhof findet man eine besondere, nicht ganz so bekannte Attraktion: die kleinste Skulptur Stockholms, den nur 15 Zentimeter hohen Järnpojke („Junge, der in den Mond schaut“). Angeblich soll ganz sicher derjenige nach Stockholm zurückkehren, der dreimal gegen den Uhrzeigersinn um die Figur herumläuft!

st014sbblogUnbedingt besuchen sollte man in Gamla Stan die Kirchen Storkyrkan und Tyska Kyrkan. In der 700 Jahre alten, gotischen Storkyrkan gaben sich übrigens Prinzessin Victoria und Daniel das Jawort, um nochmal kurz einen royalen Bezug herzustellen. Besonders sehenswert sind der schwarz-silberne Altar und die Skulptur „Der heilige Georg und der Drache“. Die Tyska Kyrkan wurde im 17. Jahrhundert erbaut und ist, wie der Name schon erahnen lässt, bis heute das Gotteshaus der deutschen Gemeinde. Hier fällt insbesondere die eigens für die deutschen Mitglieder des Königshauses gebaute Galerie ins Auge.

Will man besonders schöne Ausblicke auf Gamla Stan genießen, empfiehlt es sich, sich Richtung Süden zu wenden, nach Södermalm. Dazu muss man zunächst mal Slussen überwinden, einen der nach meiner Einschätzung definitiv unattraktivsten Orte Stockholms. Slussen heißt so viel wie Schleuse, trennt die Ost- von der Mälarsee und war in früheren Zeiten Anlaufstelle für die mit dem Schiff anreisenden Kaufleute. Heute ist es hauptsächlich ein schwer überschaubarer Verkehrsknotenpunkt, an dem sich auf mehreren Ebenen U-Bahn, Autos, Busse und Züge kreuzen.

st083sbblogHat man Slussen hinter sich gelassen, gilt es die Hügel zu erklimmen, auf denen sich Södermalm erhebt. Man kann hierfür einen bereits Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Aufzug benutzen (den Katharinahissen) oder sich wie ich durch steile Straßen und kleine Treppen zu Fuß nach oben begeben. Dort eröffnen sich einem dann an mehreren Punkten großartige Blicke auf die Altstadt und die angrenzenden Inseln und Buchten. Aber auch Södermalm selbst, einst Stockholms Arbeiter- und Handwerkerviertel, lohnt einen Spaziergang, trifft man doch auch hier in etlichen Straßen noch auf originale Bebauung aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Von mir nur von außen besichtigt, aber sicherlich auch einen ausgiebigeren Besuch wert: die majestätische Katarina Kyrka.

Der nächste Tag stand für mich gewissermaßen im Zeichen des Maritimen und begann mit einer zweieinhalbstündigen Schiffstour in den Schärengarten vor Stockholm. st096sbblogSolche Boots-ausflüge unterschiedlicher Dauer und mit ver-schiedenen Schwerpunkten werden von diversen Veranstaltern angeboten. Über 20.000 Inseln und Inselchen erstrecken sich vor Stockholm in die Ostsee; zwischen ihnen herumzuschippern ist ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Viele sind nur unbewohnte felsige Erhebungen, auf den etwas größeren aber stehen häufig Sommerhäuser, die belegen, welch beliebtes Ausflugs- und Ferienziel der Skärgården vor allem für die Hauptstädter ist.

st119sbblogNach diesem sehr schönen Ausflug stand die Besichtigung eines Schiffes an, das weit glückloser in See gestochen war. 1628 sank vor Stockholm kurz nach dem Auslaufen die Vasa, ein mit etwa 69 Metern Länge und 12 Metern Breite gewaltiges Kriegsschiff, gebaut im Auftrag des damaligen Königs Gustav II. Adolf. Mangelnde Statik und Stabilität ließen die Vasa jedoch schon bei ihrer Jungfernfahrt nach knapp eineinhalb Kilometern kentern und sinken. Von etwa 300 Menschen an Bord starben mindestens 30. Jahrhundertelang scheiterten alle Versuche, das Schiff zu bergen. Erst in den späten 1950er bis frühen 60er Jahren gelang es in mühseliger Kleinarbeit die Vasa zu heben. Aufgrund der speziellen Wassereigenschaften war das Holz des Schiffes regelrecht konserviert worden und die Vasa somit erstaunlich gut erhalten.

Das Vasa-Museum dürfte zu einem der meistbesuchten ganz Schwedens zählen und das zu Recht. Man kann dort nicht nur das vollständige, restaurierte Schiff bestaunen, sondern es wird dem Besucher auch anhand vieler geborgener Ausrüstungs- und Alltagsgegenstände sehr anschaulich ein Eindruck vom Leben an Bord vermittelt. Dazu gehört ebenfalls, dass bei einigen Toten sogar rekonstruiert werden konnte, wie sie wahrscheinlich ausgesehen haben, wie alt sie waren und welches Leben sie geführt haben. Alles in allem sehr beeindruckend und lohnend!

st099sbblogHoch hinaus ging es zunächst einmal am Folgetag. Im Süden Stockholms befindet sich die Ende der 80er Jahre eingeweihte Veranstaltungshalle Ericsson Globe, kurz Globen genannt, eine 85 Meter hohe Halbkugel. Seit 2009 kann man in zwei gläsernen, ebenfalls kugelförmigen Aufzügen außen an dieser Kuppel hochfahren und auf diese Weise Blicke weit über Stockholm genießen. Durchaus eine spektakuläre Angelegenheit, die selbst mich als nicht komplett Schwindelfreien begeistert hat.

Abschließend sei noch der Besuch des Kungliga Slottet, des Königlichen Schlosses in Gamla Stan, erwähnt. Dieses in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaute Schloss, das innen deutliche Züge des französischen Barock und Rokoko trägt, ist aber nicht mehr königliche Residenz (Wohnsitz der gekrönten Häupter Schwedens ist das etwas außerhalb gelegene Schloss Drottningholm), sondern wird vom Königspaar nur für offizielle Empfänge, Audienzen etc. genutzt.st052sbblog Zu besichtigen sind der Reichssaal mit seinem silbernen Thronsessel und zahlreiche Repräsentations-räume, Ess-, Arbeits- und Schlafzimmer; insgesamt absolut ausreichend, dabei aber sogar nur ein vergleichsweiser kleiner Teil der etwas über 600 Räume des Schlosses. Ein Abstecher in die Schlosskirche und in die Schatzkammer, in der insbesondere die Kronen der Königinnen und Könige früherer Jahrhunderte ausgestellt sind, ist ebenfalls zu empfehlen. Man sollte sich aber darauf einstellen, dass man sich immer wieder durch kleinere und größere geführte Reisegruppen hindurchschlängeln muss – das Schloss ist ein echter Touristenmagnet.

st068sbblogFazit: Ich habe Stockholm in kürzester Zeit in mein Herz geschlossen und werde in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft bestimmt wieder dorthin reisen. Abgesehen davon, dass man gerne an einen solchen Ort zurückkehrt und bekannte Dinge wiedersieht, gibt es für mich noch vieles zu entdecken, das ich diesmal nicht geschafft habe. So ist mir die in Gamla Stan gelegene Riddarholms-kyrkan entgangen, einige sehenswerte Museen gilt es noch zu besichtigen (z. B. Nationalmuseum, Nordiska Museet, das Freilichtmuseum Skansen und nicht zu vergessen das ABBA-Museet) und manches mehr. Stockholm, ich komme wieder!

 

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1 Kommentar
  1. Horusauge
    Horusauge sagte:

    Durch diesen Bericht war ich gut vorbereitet auf meinen kurzen Trip nach Stockholm. Sconsolatos Beschreibungen kann ich aufgrund dessen aber nur zustimmen. Ich habe leider nur einen Bruchteil vom hier Beschriebenen gesehen, aber ich werde auf jeden Fall wieder hinfahren, um dies alles und noch mehr sehen zu können!

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