Rezension: Max Bronski – München Blues

Münchner G‘schichten

 

bronski_mmuenchen_blues_97410-jpgRegionalkrimis sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Es gibt kaum noch einen deutschen Landstrich ohne seinen eigenen örtlichen Ermittler, und insbesondere die bayerischen Erzählungen sind weit über die Landesgrenzen hinaus äußerst erfolgreich. Als besonders prominente Beispiele seien hier die Kluftinger-Romane des Autorenduos Klüpfel / Kobr und Rita Falks Provinzkommissar Franz Eberhofer genannt.

Seit einigen Jahren hat aber auch München einen bislang leider noch nicht so bekannten Lokalhelden: Wilhelm Gossec, der Ich-Erzähler in mittlerweile vier Kriminalromanen von Max Bronski, ist jedoch kein Polizist, sondern ein bodenständiger und schlitzohriger Trödelhändler. In München Blues liegt vor seinem im Schlachthofviertel angesiedelten Geschäft eines Oktoberfest-Abends ein volltrunkener und ausgeraubter Mann, der sich als Staatssekretär des bayerischen Landesministeriums entpuppt. Bald stellt sich heraus, dass diesem ein hochwichtiges Dossier abhanden gekommen ist, in dem es um die Umwandlung der Gegend rund um den Schlachthof in ein luxussaniertes Nobelviertel geht und für das sich auch windige Immobilienhaie brennend interessieren.

Selbst von diesen Plänen betroffen und getrieben von seinem Gerechtigkeitssinn und seiner Solidarität mit den „kleinen Leuten“, macht sich Gossec mit nicht immer ganz legalen Mitteln auf die Jagd nach diesem Exposé, gerät dabei zwischenzeitlich sogar unter Mordverdacht, deckt aber am Ende ein Netz aus typisch bayerischer Spezlwirtschaft auf und schafft es, den darin verstrickten hochrangigen Persönlichkeiten eins auszuwischen – wie genau, das sei hier natürlich nicht verraten.

Das Schlachthofviertel und der Stadtteil Sendling sind die Hauptschauplätze in München Blues, und einigen Lokalkolorit zieht der Roman vor allem auch aus der Nennung konkreter Straßen und Plätze, die einen dazu animieren, das Geschehen mit dem Finger auf dem Stadtplan zu verfolgen, sofern man die Orte nicht sogar selber kennt. Das ganze ist in einem amüsanten, lakonischen Erzählstil geschrieben; angereichert ist diese Kriminalkomödie zudem durch manch augenzwinkernde Betrachtung typisch münchnerischer Gegebenheiten. Schon allein die Beschreibung der Zustände rund ums Oktoberfest lässt einen bereits auf den ersten Seiten zustimmend schmunzeln. Insbesondere wer Rita Falks Romane mag, macht auch mit Max Bronski sicher nichts falsch.

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Wer genau sich hinter dem Pseudonym Max Bronski verbirgt, ist unbekannt. Den offiziellen Angaben zufolge wurde er 1964 in München geboren, wo er auch nach wie vor lebt, studierte Theologie und Musikwissenschaften und beschäftigt sich seit langem mit den Erkenntnissen der theoretischen Physik. Es gibt jedoch kein Bild von ihm, und Interviews hat er bisher allenfalls per Mail gegeben, nicht aber persönlich. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung sagte er dazu: „Hinter dem eigenen Text zu verschwinden, ist, glaube ich, der Traum jedes Autors. Ich hoffe, dass mir das noch eine ganze Weile lang gelingt.“

Bisher erschienene Romane der Wilhelm Gossec-Reihe: München Blues, Sister Sox, Schampanninger, Nackige Engel

Max Bronski: München Blues
Heyne Verlag, 2010
176 Seiten
7,95 €
Heyne
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