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Poesie und Performance

Katzenclub oder Wiesn-Eröffnung? Die Entscheidung fällt zumindest mir überhaupt nicht schwer, und das anfangs noch zögerliche Eintreffen der Leute ist sicher dem wirklich garstigen und kalten Wetter geschuldet, bei dem man sich vielleicht zweimal überlegt, ob man noch mal vor die Hütte möchte. Wer sich aufgerafft hat, wird jedenfalls belohnt. Nach der bandlosen Sommeredition des Katzenclubs – dafür mit lauschigem Soundgarden im Freien, großartiges Konzept – gibt es heute wieder einen Live-Act, und was für einen! Nachdem die ursprünglich geplanten Ascii.Disko absagen bzw. den Auftritt auf 2023 verschieben mussten, konnten die Veranstalter den gar nicht mehr so geheimen Geheimtipp Potochkine aus Frankreich verpflichten. Wer sie – wie ich – auf dem WGT verpasst hat, hat heute eine neue Chance, noch dazu im kuschlig-familiären Rahmen der Kranhalle. Weiterlesen

Flashback in die Neunziger

GhostingAls gerade einmal 15-Jähriger gründet Sascha Tayefeh 1989 in Koblenz die Gothic-Band Ghosting zusammen mit Andreas Rudel, denn die wenigen damals erhältlichen Platten von The Cure, The Sisters of Mercy und Dead Can Dance hatte er schon totgenudelt. Neue Musik zu entdecken ist ohne das noch nicht existente Internet sehr schwierig, also macht Sascha diese kurzerhand selbst. Der Auftritt in seiner Stammdisco bringt direkt einen Plattenvertrag mit Glasnost Rec./EFA, und das Debütalbum Romantic Death wird von Bruno Kramm (Das Ich) aufgenommen. Das Best-Of-Album Black Pearls, das über Alice in… veröffentlicht worden ist, zeichnet die weitere Entwicklung nach. Weiterlesen

„Genießt den Abend trotz aller Umstände und die Freiheit!“

Endlich gastieren Lebanon Hanover mal wieder in München, und nicht nur das: Es ist der erste Konzertabend überhaupt nach langer Corona-Durststrecke, der bis auf die 2G+-Regelung ohne irgendwelche Einschränkungen stattfinden kann. Im Vorprogramm treten die Münchner Lokalmatadoren Rue Oberkampf auf und die Niederländer Bragolin. Auf den Shows von Rue Oberkampf, die ich bislang gesehen hatte, haben sie mich persönlich ehrlich gesagt noch nicht richtig überzeugt. Da freue ich mich schon mehr auf Bragolin, deren Name übrigens auf den italienischen Maler Giovanni Bragolin verweist, der vor allem für die Bilder weinender Jungen bekannt ist.
Nach und nach füllt sich das Ampere, und viele begrüßen lange nicht gesehene Freunde oder sichten schon mal den Merchandise-Stand von Young & Cold Records, während die Spannung steigt, was mittlerweile ein fremd gewordenes Gefühl ist. Aber allzulang kann man das gar nicht genießen, weil der Abend pünktlich beginnt. Weiterlesen

Mit ihrem Projekt Sierra hat die in Paris lebende Elektro-Künstlerin Annelise Morel bisher drei EPs veröffentlicht, zuletzt die pulsierenden Tracks „All about love“ und „Unpredictable“ – vielschichtige, tanzbare Klänge, die in dunkle, graue, elektronische Welten entführen. Ihre neueste Single „Trapped“ erscheint am 3. September beim französischen Label Slab Note, und wir haben schon mal reingehört.

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Nirvana? Langweilig!

Kummer-im-WestenErneut begleiten wir den Protagonisten Anton Kummer, den wir schon mit Düsterbusch City Lights kennengelernt haben (Link zur Rezension), wo er zu Zeiten der DDR mit dem Club Helden des Fortschritts Punk- und New-Wave-Konzerte veranstaltet hat. Mittlerweile ist die Mauer gefallen und die DDR als solche ist Geschichte.
Kummer im Westen, natürlich ist der Titel doppeldeutig zu verstehen. Nach dem Ende der DDR macht Anton Kummer die ersten Erfahrungen im glorreichen Westen. Doch so toll, wie er es sich immer ausgemalt hat, alles, wovon er immer geträumt hat, so toll ist das in der ersten Zeit dann doch nicht. Mit der Wirklichkeit konfrontiert ist er schnell ernüchtert und erleidet einigen Kummer. Weiterlesen

Hoods up! Hoods up!

1_MDBMoscow Death Brigade, die Underground-Sensation aus Moskau, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, nicht nur in Europa, sondern auch in der Punk-Gemeinde im fernen Thailand, wie ich im letzten Urlaub wieder feststellen konnte. Die Crew um Ski Mask G und Boltcutter Vlad findet also weltweit Beachtung, das sieht man auch in den Kommentaren der Videos auf Youtube.
Die Europa-Tour im April musste Corona-bedingt leider ausfallen, doch als Ersatztermin der neuen Tour ist nun der 27.09.2020 für das Münchner Backstage angesetzt. Mit dem aktuellen Maskenzwang dürften sie noch am wenigsten Probleme haben, da sie es gewöhnt sind, ihre Auftritte mit Sturmhauben zu bestreiten, um auf auf diese Weise ihre Identität vor den russischen Neonazis zu schützen. Hoffen wir also das Beste und widmen uns bis dahin dem neuen und dritten Album Bad accent anthems. Ich bin gespannt, welche Entwicklung Moscow Death Brigade eingeschlagen haben. Weiterlesen

Nothing stops

Die beste Musik entsteht ja oft dann, wenn jemand diverse Genres richtig gut kennt, gespielt und aufgelegt hat – und dann was anderes macht. Björn Peng hatte seine Wurzeln schon lange im Punk und Hardcore geschlagen, bevor er sich ab 2006 Minimal-Elektropunk und Techno widmete, Wave-, Goth-, EBM- und (jawohl) Eurodance-Einflüssen ihren Lauf ließ und schließlich mit dem Titel des ersten Longplayers Dark Rave (2014) freundlicherweise gleich dazusagte, wie man den so entstandenen, sehr eigenen, extrem düsteren und ebenso treibenden Stil nun nennen darf. Am ersten Mai dieses Jahres erschien der Nachfolger Volk off! Der stetige musikalische Output in diversen Projekten und Kolaborationen und die große Live-Präsenz mögen was anderes nahelegen, aber es ist tatsächlich erst der zweite Björn-Peng-Longplayer, wenn man das 2017 erschienene Nihilist Tunes mit seinen sechs Tracks als EP zählt. Und war der Titel der ersten LP eine Art Genre-Ansage, ist der der zweiten eine inhaltliche, falls irgendwer da irgendwelche Zweifel gehabt haben sollte.

Was draufsteht, ist auch drin, wird aber nicht gepredigt. Bei Björn Peng stehen die allermeisten der Text-Samples für sich, Quellenangaben und damit Verweise auf eine externe Deutungsinstanz gibt es nicht. Tendenzen sind natürlich erkennbar, nötige Durchsagen kommen in nötiger Deutlichkeit, ansonsten bleibt die Auslegung aber den Hörer*innen überlassen. Na dann mal los. Weiterlesen

30 Jahre später

schotten-dichtNach Schottendisco (Link zur Rezension) und Schottenrock (Link zur Rezension) folgt nun mit Schotten dicht der finale dritte Teil der Trilogie. Bobby Cassidy und Joey Miller von der mobilen Disco Heatwave kehren zurück, ebenso wie die geheimnisvollen The Miraculous Vespas und deren exzentrischer Manager Max Mojo. Nur sind in der Zwischenzeit dreißig Jahre vergangen, und die Schicksale der Beteiligten haben sie in alle Welt verschlagen. Ein Jubiläumskonzert zum 30-Jährigen soll sie alle wieder zusammenführen. Weiterlesen

Im Rhythmusrausch

Nitzer Ebb treten wieder auf? Und es gibt sogar eine Tour? Da sind wir doch sofort dabei! Als die Ankündigung vor einem Jahr kam, waren nicht nur wir von Schwarzes Bayern euphorisch, ist es doch viele Jahre her, dass die Band uns hier in München beehrt hat. Auch sonst hat man sich sehr rar gemacht, und viele sind nach den EBM-Göttern ausgehungert. Doch die Ernüchterung folgte bei vielen Oldschool-Fans nach den Auftritten auf dem WGT und dem Amphi auf dem Fuß, denn die kalte, brutale EBM-Härte ist einem clubbigeren, technoideren und etwas leichter zugänglichen Sound gewichen. Skandal! Frevel! Daher gehen wir als Fans des schönen alten Testosteron-EBMs mit etwas gemischten Gefühlen in diesen Abend, wollen uns aber definitiv selbst von den „neuen“ Nitzer Ebb ein Bild machen. Dass Daniel Myer mit Liebknecht dabei ist, ist ein zusätzlicher Anreiz, denn mit einem Myer-Projekt kann man gar nichts falsch machen. Bleibt nur noch die Frage, wie viel Leute den Weg an einem Dienstag ins Backstage finden – beim Konzert 2010 war es überraschend leer … Weiterlesen

I Hate Models – „Walpurgis Night (feat. Zanias)“

i-hate-models„Walpurgis Night (feat. Zanias)“ von I Hate Models passt perfekt zur Walpurgisnacht. Der Track wurde letzten Sommer mit zwei weiteren Titeln (darunter ein Wave-Remix von DJ Varsovie) auf der Midnight Cults – EP  veröffentlicht. Zoé Zanias (Keluar, Linea Aspera) faszinierender, hallender Gesang durchdringt den kraftvollen und melodischen EBM-/Cybergoth-Sound. Rundum gelungene dunkle, technoide Welten, die sphärisch gut klingen!
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