Die Münchener Band Elvis de Sade gründete sich 2017 und spielt eingängigen Dark Wave / Post-Punk. Nach ihrer ersten Demo 2018 veröffentlichten Elvis de Sade Mitte März die EP Angelus Novus bei Young & Cold Records – fünf großartige Songs, die eine dunkelschöne Atmosphäre erschaffen. Kürzlich haben Sie ihr neues Video zum Song „Rusty phone“ beim Young & Cold Online Festival präsentiert. Die Band tüftelt bereits an einem Album, das im nächsten Jahr erscheinen soll, wir sind gespannt! Andreas (Gitarrist, Keyboarder) hat uns einige Fragen beantwortet.

Wer verbirgt sich hinter Elvis de Sade?
Das sind der Sänger Leo, der Gitarrist und Keyboarder Andreas, die Keyboarderin Cosima und der Bassist Felix.

Wie kam es zur Bandgründung, wie seid ihr auf euren Bandnamen gekommen und was bedeutet er für euch?
Gegründet wurde die Band 2017, als Leo und ich bei einem weinseligen Abend spontan beschlossen, eine Band zu gründen. Leo lieferte die Texte und den Gesang, ich die Tracks. Als wir beide feststellten, dass das Ergebnis überraschend gut klingt, holten wir uns im Jahr darauf noch Cosima und Felix an Board, um die Songs auch live spielen zu können. Auf den Bandnamen stießen wir schon sehr bald nach Beginn der Gründung. Mit unserer Musik streben wir eine Auseinandersetzung mit Popmusik, ihren inneren Widersprüchen und Abgründen an: Der Name „Elvis de Sade“ bringt dieses Vorhaben perfekt auf den Punkt. Elvis rekurriert auf den Archetyp der Popmusik, während de Sade auf die Abgründe und Kehrseiten der Gesellschaft verweist. Ursprünglich hatten wir die Idee, uns „Jesus von Christus“ zu nennen, doch erschien das dann doch nicht der geeignete Name zu sein, wenn man durchstarten will.

Was verbindet euch?
Neben unserer Leidenschaft für Musik eine politische und zivilgesellschaftliche Haltung gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus. Gerade in der Gegenwart mit all ihren Krisen finden wir es wichtig, da auch als Band Haltung zu zeigen und eindeutige Statements gegen Rechts zu setzen.

Müsste man eure Musik in eine Schublade stecken und ein Genre-Etikett darauf kleben, welches wäre das?
Entweder Post-Punk oder Dark Wave.

Beschreibt euren Sound mal außerhalb aller Genre-Schubladen. Die Musik von Elvis de Sade klingt wie …
… eine musikalische Auseinandersetzung mit der Popmusik der 80er und 90er Jahre. Eingängige, catchy Melodien und tanzbare Beats treffen auf tiefe Frequenzen, einen brodelnden Bass und molllastige Akkordfolgen, die eine traurige, düstere, wenn nicht bedrohliche Atmosphäre ausstrahlen. Die Musik von Elvis de Sade ist eine Aufarbeitung der eigenen musikalischen Erinnerungen aus der Kindheit und mit ihr verbundenen Vorstellungen einer intakten, harmonischen Welt ohne Probleme und Nöte – und stellt dabei die Frage, was davon nach über zwanzig Jahren noch übrig geblieben ist.

Was sind eure ersten musikalischen Erinnerungen?
Als ich im Alter von drei Jahren bei meinem Onkel im Auto fuhr und er auf Tape im Repeatmodus beständig „Holding out for a Hero“ von Bonnie Tyler spielte. Ich erkenne eine gewisse Linie zu unserem Sound. Die 80er-Jahre-Musik hat mich nie mehr losgelassen.

Durch welche Bands / Musik wurdet ihr musikalisch beeinflusst oder geprägt? Was hört ihr gerade am liebsten?
Als Teenager hörte ich The Doors, Depeche Mode oder Marilyn Manson, später dann Gothic-Metal-Bands wie Katatonia, Paradise Lost oder Type O Negative. So wurde ich dann auch auf den klassischen Gothic Rock der 80er aufmerksam. Vor allem The Sisters of Mercy entwickelten sich zu meiner Lieblingsband. Unser Sound ist maßgeblich von ihnen inspiriert, wobei mir die Idee zum Sampling von Ministry kam. Gegenwärtig höre ich sehr viel Shoegazing und Postrock aus den 1990er Jahren wie Slowdive oder Bark Psychosis.

Wie sieht das Songwriting bei euch aus? Wie sind die Aufgaben verteilt?
Für die EP habe ich die Songs komponiert. Die Gitarre habe ich live eingespielt, die übrigen Parts sind allesamt programmiert, auch die Beats oder der Bass. Leo hat den Gesang und die Texte beigesteuert. Wir arbeiten aber schon an unserem ersten Album, an dem auch Cosima und Felix wesentlich stärker beteiligt sein werden. Wir planen, ihre Instrumente live aufzunehmen und die programmierten Parts zu reduzieren, um die Musik organischer zu gestalten.

Aus welcher Stimmung heraus ergeben sich für euch die besten Lieder?
Die meines Erachtens besten Songs habe ich komponiert, wenn ich in einer eher melancholischen Verfassung war, schlicht um meine Gefühle zu verarbeiten. Von einer depressiven Stimmung, die den eigenen Antrieb in der Regel eher hemmt, kann da aber nicht die Rede sein. Um konzentriert an Songs arbeiten zu können, braucht man schon eine Menge Energie. Eine melancholische Grundstimmung kann da helfen und motivieren, ist aber nicht notwendig. Entscheidend ist der innere Antrieb, sich hinzusetzen und einen Song aufzunehmen. Es gibt so viele deprimierende Dinge auf der Welt, die eine melancholische Stimmung erzeugen können, dass man nicht auf sie warten muss. Allerdings wehre ich mich gegen eine Romantisierung von Depressionen, die viele als geradezu notwendig für kreative Prozesse erachten. Das klingt mir eher danach, dass die Leute nicht wissen, was echte Depressionen überhaupt sind.

Welches Instrument wird sicherlich NIE auf einem Elvis de Sade-Album zu hören sein?
Eine Flöte.

Was ist die überraschendste CD /LP in eurem Regal?
„The Stadium Techno Experience“ von Scooter. Je nach Laune behaupte ich, es handele sich um einen ironischen Kauf oder um eine Jugendsünde. Doch tief im Inneren weiß ich, mich selbst zu belügen …

Kürzlich habt ihr euer Debüt Angelus Novus  veröffentlicht. Wie waren bisher das Feedback und die Reaktionen darauf?
Bislang gab es nur positives Feedback, von daher bin ich sehr zufrieden. Einige Stimmen waren geradezu enthusiastisch.

Ihr seid mit eurem neuesten Video beim Young & Cold Online Festival dabei gewesen. Was sind eure Eindrücke von diesem Event, und wie sehr vermisst ihr Live-Auftritte?
Ich vermisse Live-Auftritte schon sehr. Ohne sentimental werden zu wollen: Es gibt wenig Schöneres als mit Menschen, die man gern hat, gemeinsame Lieder zu spielen. Das erzeugt immer eine gewisse Intimität auf der Bühne. Und die Reaktionen aus dem Publikum sind auch immer spannend zu sehen. Ein Online-Festival kann Live-Erfahrungen natürlich nicht ersetzen, doch hat es mir ausgesprochen gut gefallen. Die anderen Bands bei unserem Label sind ausgesprochen gute und kreative Musiker. Es war sehr schön, mit ihnen dieses Festival auf die Beine zu stellen und in diesen eher unangenehmen Zeiten uns selbst und anderen einen schönen Abend zu bescheren. Und die Musik war auch geil.

Was sind eure Pläne? Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Dass wir 2021 unser erstes Album rausbringen und auf Tour gehen können. Anschließend wollen wir damit durchstarten und reich werden. Denn trotz des ganzen pseudo-intellektuellen Geschwafels geht es uns letztlich auch nur darum, geil abzuräumen.

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