Harte Sprache, weicher Kern

dogs-in-treesHeute möchte ich noch einen Nachzügler präsentieren, denn manchmal passt es zeitlich einfach nicht, und dann bleibt schon mal etwas liegen, dem man sich trotzdem hätte widmen wollen.
Ob Hunde nun wirklich auf Bäume klettern, sei einmal dahingestellt. dogs in trees aus dem polinschen Gdynia können jedenfalls so einiges. Die Band besteht seit 2010 und hatte nach einigen EPs 2015 ihr erstes Studioalbum pióra mew veröffentlicht. Seit letztem Sommer ist auch ihr aktuelles Album echo erhältlich, das in einer Zusammenarbeit von Icy Cold Records und Alchera Visions erschienen ist. Sänger Paveł Goździewicz, der auch Gitarre und Synthesizer übernimmt, Arkusz Książczak am Bass und Schlagzeuger Tymek Lasota haben sich ganz den dunkleren Emotionen verschrieben, die atmosphärisch umgesetzt werden.

Der Opener „As I burn“ kombiniert mit einem tollen düsteren Bass versehenen Post Punk mit New-Wave-mäßigen Synthieklängen, die ich als ziemlich psychedelisch empfinde, und die meinen Geist auf eine unbestimmte Reise schicken. Daher brauche ich eine Weile, um zu realisieren, dass das folgende „Szukam“ auf polnisch gesungen wird. Der melancholische Cold Wave sickert langsam ein. Schwermütig geht es auch mit „Cigarettes from failures“ weiter, bei dem ich Fragmente von den frühen The Cure auszumachen meine, wobei Paveł natürlich eine eigenständige Art hat zu singen, und auch die sich gegenseitig überlagernden Stimm- und Geräuschsamples sorgen für Abwechslung. Bei „Krwi“ dominiert die Stimme, hier ist das Polnisch sofort präsent. Die hart klingende Sprache bildet einen Gegenpol zur weich klingenden Musik, bei der die Synthesizer zum Teil ähnlich wie Blechblasinstrumente klingen. Gefühlvoll geht es auch mit „Twarze“ weiter, bei dem Post Punk und Dark Wave miteinander verschmelzen. Der zweisprachige Gesang erzeugt dabei eine ganz besondere Stimmung, ebenso wie das Gitarrenspiel.
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch „Będę“, das einfach zeitlos schön ist. „Episkopat Brudu“ im Anschluss ist deutlich düsterer und beruht vor allem auf einer Gitarren-Melodiefolge, die kontinuierlich wiederholt wird. Trotzdem wird es dabei nicht eine Sekunde langweilig. „Zamarza“ erinnert mich anfangs spontan etwas an She Past Away, bekommt dann aber einen ganz eigenen und etwas gediegenen Dreh. Nur dieses jazzige Ende mit dem Saxophon ist jetzt nicht so mein Ding. Bei „Adore none“ klingt die Art des Gesangs von Paveł plötzlich nach Andrew Eldritch von The Sisters of Mercy, ohne allerdings wie dieser aus dem Grab herauszusingen. Auch musikalisch bleiben wir im Post Punk, der Bass nimmt hier eine prominente Stellung ein. Zum Abschluss von Echo beginnt „Sands and oceans“ deutlich elektronisch und rhythmusbestimmt. Erst mit dem Gesang entwickelt sich schließlich eine Melange und New Wave und Post Punk, die bei mir eine unbestimmte Sehnsucht auslöst und das Album atmosphärisch ausklingen lässt.

Fazit: Sechs zu vier ist das Verhältnis von polnischen zu englischen Songs, für mich dürfen dogs in trees dieses Verhältnis gerne noch ausbauen. Nicht, dass die englischsprachigen irgendwie schlechter wären. Aber Polnisch hat eben diesen Seltenheitswert, und ich mag es einfach, wie es hier klingt, in diesem Gegensatz aus harter Sprache und weichem Kern. Stellt euch vor, She Past Away würden Englisch nutzen statt Türkisch, das wäre einfach nicht dasselbe. Musikalisch bieten dogs in trees auf echo eine feine Mischung aus Post Punk und allen Spielarten des Wave, von Cold über Dark bis New Wave, und das durchaus gekonnt und abwechslungsreich. Im Vergleich zu manch anderen Scheiben, die ich in letzter Zeit im ähnlichen Bereich gehört habe, reicht es für mich persönlich nicht ganz für die Bestnote. Ich bin aber gespannt, was da in Zukunft noch kommt.

Anspieltipps: As I burn, Twarze, Będę

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

dogs in trees: echo
Icy Cold Records + Alchera Visions, Vö. 16.08.2019
MP3 8,00 €, CD 13,00 € erhältlich über Bandcamp

Homepage: https://facebook.com/dogsintrees/
https://facebook.com/icycoldrecords/
https://icycoldrecords.bandcamp.com/
www.alchera.org

Tracklist:
01 As I burn
02 Szukam
03 Cigarettes from failures
04 Krwi
05 Twarze
06 Będę
07 Episkopat Brudu
08 Zamarza
09 Adore none
10 Sands and oceans

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