CD: Forlatt – Fantom

Frühzeitiger Herbst

ForlattUnd Deutschland hat wieder eine jener Bands hervorgebracht, an der sich zukünftige Formationen orientieren können, nein, sie werden sich daran messen lassen müssen. Mir völlig unbekannt bis dato treibt das Ein-Mann-Projekt aus Chemnitz Forlatt bereits seit ihrer Gründung 2015 sein Unwesen im heimischen Black Metal Underground. Aufmerksam auf sie geworden bin ich durch die Umschreibung ihres Stiels als Atmospheric Post Black Metal, genau das Richtige für meine sich nach mehr und mehr Post Sound sehnenden Ohren. Am 17. August 2018 erschien ihr bereits viertes Album namens Fantom über das feine für Atmospheric Black Metal bekannte Label Mourning Light Records. Wurden meine Erwartungen erfüllt?

Voller Vorfreude also beginne ich das Album zu hören. Mit weit über einer Stunde Spielzeit ist es dem Kodex des Post Black Metals treu, es gibt lange, ausladende und vor allem shoegazige Tracks. Den Beginn mach erfreulicherweise ein Intro namens „Sanctum“. Erfreulicher Weise aus folgendem Grund: Es gibt für mich nichts Schlimmeres als von der ersten Sekunde eines Tonträgers überrollt und einfach in musikalischer Form platt gemacht zu werden. „Sanctum“ hingegen ist genauso, wie ich mir eine Einleitung wünsche. Von klassischer Gitarre geleitet mischt sich ab der Mitte des Songs eine mir so liebgewonnen Slide Gitarre hinzu und spielt eine traurige, nach Geige klingende Melodie. „The trouble was being born I“ und „The trouble was being born II“ demonstrieren die ganze Klasse und spielerische Finesse des alleinigen Instrumentalisten Spå. Wut, Verzweiflung, Epik, Trauer und noch mehr Stimmungen so gekonnt verpackt in zwei Songs, das ist aller Ehren wert. Diese immer wieder einsetzende Wand aus Gitarren, die sich in den Vordergrund schiebt, ist einfach der Wahnsinn. „Fragmentary dream“ klingt als hätte man Post Black Metal mit kratzig eingespielten Gitarren und ein wenig Post Hardcore gemischt. Einer Kaskade gleich ergießt sich der Track über den Hörer ohne auch nur den Hauch einer Chance zu haben, sich dem zu entziehen. Die darauffolgenden zwei Stücke, „In the heights of despair“ und „In the heights of despair II“ sind zusammenhängende musikalische Massive. Unerbittlich bahnt man sich den Weg mit schleichendem Black Metal, der hie und da ins Post Rock schielt, immer mit der richtigen Tristesse – und in diesem Fall einer großen Schippe Prograssive versehen. Zu Beginn vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber ist man einmal drin, dann Augen zu und sich dem hingeben. „Dreamless“ klingt von Beginn an anders als der Rest. Gefällig zwar, aber mir ein wenig zu gewöhnungsbedürftig. „Illusity I“, „Illusity II“, „Illusity III“ und „Illusity IV“ ist eigentlich ein einziger Track, der in seiner Gesamtlänge von über 26 Minuten auf vier Kapitel aufgeteilt wurde. Einer kleinen Reise gleich stellt man sich beim Hören der Songs alle möglichen Szenarien vor. Von Black Metal hin zu stark atmosphärischen Passagen bis hin zu Free Jazz Melodien vermengt sich alles zu einem hypnotischen Monster. Teils dachte ich sogar ein wenig an Burzum, aufgrund der wiederkehrenden Melodie, die sich im Ohr festfräst. Das abschließende „Senium“ reist einem nicht aus der Trance, sondern begleitet den Hörer ganz sanft aus dem Album. Hervorragend gemacht!

Fazit: Eine Band, die ähnlich wie die aus Kanada stammenden Unreqvited mit wenig bis gar keinen Vocals arbeitet, die es jedoch ohne Probleme schafft, dies durch eine überaus bombastische Instrumentierung wettzumachen, verdient mehr als ein Ohr. Super produziert, Gitarren genau auf den Punkt kratzig wiedergegeben, wie es sich für einen Post Sound gehört. Ich freue mich auf das, was da noch kommen mag.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Forlatt: Fantom
Mourning Light Records, 18.08.2018
9,99 €
https://www.amazon.de/Fantom-Forlatt/dp/B07FFT62P8/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid[/url]=

Tracklist
1 Sanctum
2 The trouble with being born I
3 The trouble with being born II
4 Fragmentary dream
5 On the heights of despair I
6 On the heights of Despair II
7 Dreamless
8 Illusity I
9 Illusity II
10 Illusity III
11 Illusity IV
12 Senium

Band https://forlatt.bandcamp.com/
Facebook https://www.facebook.com/forlatt.official/

(240)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.