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Geht mal ran

1_coverAuch in Frankreich wird unser Webzine mittlerweile gelesen, wie wir nicht ganz ohne Stolz festgestellt haben, als die Rezensionsanfrage der Band mit dem etwas unkonventionellen Namen [an] Uncoming Call in der Redaktion eingetrudelt ist. Aus Zeitgründen können wir leider nicht alle erfüllen, aber hier bin ich gern dabei. Das klassische Band-Quartett hat sich 2016 gegründet und stammt aus dem französischen Verdun sur Garonne. Die Mitglieder sind wie folgt Julien Beguet, Vincent Fernandez, Vincent Hespeel und Mickaël Galvaire, der außerdem der Hauptsänger der Band ist. Weiterlesen

Vereinigung statt Teilung

2438191Aus Stockholm stammen die 2013 gegründeten A Projection, und damit befinden sich die Schweden in bester Gesellschaft, denn auch Henric De La Cour, Kite und The Exploding Boy stammen von dort. Deren Sänger Johan Sjöblom ist es auch, der mich letztes Jahr im Interview (Link) auf die Band aufmerksam gemacht hat. Das Debüt Exit stammt von 2015, Framework erscheint zwei Jahre später, und mit ihrem deutlich 80er-inspirierten Post Punk haben sie mich direkt begeistert. In der Zwischenzeit gab es gesundheitliche Probleme und Besetzungswechsel, Sänger Isak Erikson stieg aus. Doch nach einer schwierigen Zeit ist nun das neue Album Section bei Metropolis Records erschienen, für das Bassist Rikard Tengvall ans Mikro gewechselt ist. Linus Högstadius, Jesper Lönn und Gustav Forneus vervollständigen das Line-Up. Weiterlesen

BiG-THIEF_Manchmal sind es die besten Bands, für die man den längsten Anlauf braucht, und ich habe noch selten so lange gebraucht wie für Big Thief. Das Quartett aus Brooklyn, New York, wird oft unter dem Label Indie-Folk gehandelt, aber ihr Stil ist nicht auf diesen oder irgendeinen anderen Begriff zu reduzieren. Dass hier ein paar Leute ihr Leben lang Musik gemacht und auch studiert haben, dass Adrianne Lenkers Kompositionen und ihre charakteristische Spiel- und Gesangstechnik auch Anleihen aus Singer/Songwriter und Rock haben, Gitarrist Buck Meek aus Texas stammt, was von Jazz versteht und sehr gut darin ist, die richtigen Noten wegzulassen, Drummer James Krivchenia auch Soundtechniker ist und nebenher experimentelle elektronische Musik macht, während Bassist Max Oleartchik einfach immer exakt das (und nur das) spielt, was der Song gerade braucht, das kann man ja alles heraushören – aber es erklärt nicht den völlig eigenen Stil oder die außergewöhnliche Intensität und Dunkelheit, die ihre Musik auszeichnen. Die steht für sich, und vielleicht braucht es ja auch einfach mal kein Genre-Label.

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No, the signifier agrees

bt_u-f-o-f

If you once stood in a place you had never been and knew you would probably not return to, so you tried to impress it on your memory; not just the sight, you might have recorded that, but your physical presence in that space and moment, the sense of, say, rock and steepness, ocean and birds swirling below, the surge saying: silence, warmth for a second – but you are there too much, you are so much there, right then and there, you cannot properly remember anything afterwards but the fierce being there: Big Thief’s U.F.O.F. is a bit like this.

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2019, und das Internet so: Synths?! – Ja, Synths auf einem Album von Sleater-Kinney, das ist an sich auch gar nichts Neues. Schon eher überraschend ist die Produzentin, die das in Punk und Riot Grrrl verwurzelte Trio für sein neuntes Album The center won’t hold (Veröffentlichungstermin 16. August) ins Studio holte: Annie Clark aka St. Vincent, die bei allen Experimental- und Jazz-Anleihen in ihrer eigenen Musik doch mit beiden Beinen fest im Pop steht.

Diese Kombination wird spannend, so viel hört man schon auf der aktuellen Vorab-Auskopplung „The future is here“: Carrie Brownsteins Gitarre grollt und zuckt über einen düsteren Synth-Backdrop wie ein sich näherndes Gewitter, Corin Tuckers Gesang, bei dem man sonst meist aus ein paar Metern Abstand heftig auf die Ohren bekommt, ist in ungewohnt tiefer Stimmlage gehalten, fast schon zurückgenommen, nah an den Hörer gemischt. Anders, trotzdem unverkennbar. Sleater-Kinney sind immer sie selbst, gerade weil sie nie die gleiche Platte zweimal machen.

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So now it’s time to meet the sundown

EB_A_1500x1500Fünf Jahre haben sich The Exploding Boy, Schwedens bester Musikexport seit ABBA, mit dem fünften Album Alarms! Zeit gelassen. Einiges ist in der Zwischenzeit passiert, so hat die Band, die im Kern aus den Sängern Johan Sjöblom (Akustikgitarre) und Stefan Axell (E-Gitarre), Lead-Gitarrist Les Andersson sowie Keyboarder Nicklas Isgren besteht, Zuwachs bekommen. Bassist Mattias Svensson ist neu an Bord, Richard Ankers hat den vakanten Posten am Schlagzeug eingenommen und ersetzt den bisher meist zum Einsatz gekommenen Drum-Computer, und ABBA haben kürzlich zwei neue Songs angekündigt – das ist The Exploding Boy zum Glück zu wenig, also ist es höchste Zeit Alarms! zu schlagen oder besser anzuhören. Die Wartezeit wurde nur durch ein ausschließlich online veröffentlichtes Live-Album At The Dress Circle – Live NYC und das wunderschöne Soloalbum 6 von Sänger Johan Sjöblom (Link zur Review) verkürzt. Der Titel deutet es schon an, dass etwas überhaupt nicht stimmt, das Cover mit dem subtil angedeuteten Radioaktiv-Symbol räumt die letzten Zweifel aus. Weiterlesen

Ich brauche deine Kicks

Vergifte_dich_coverLange nicht mehr habe ich ein neues Album so herbeigesehnt, schon gar nicht von einem Zufallsfund bei YouTube, wie mir das vor zwei Jahren bei den 2012 gegründeten Isolation Berlin passiert ist. Einiges hat sich in der Zwischenzeit getan, es gab Features in großen Magazinen und durchweg positive Kritiken, und in der Folge einen regelrechten kleinen Hype in der Indie-Szene. Aber davon haben sich Tobias Bamborschke (Gesang und Gitarre), Max Bauer (Gitarre und Orgel), David Specht (Bass) und Simeon Cöster (Schlagzeug) zum Glück nicht irritieren lassen. Und nun ist Vergifte Dich direkt auf Platz 30 in die Charts eingezogen, was mich dann doch überrascht hat. Höchste Zeit also für die Hörprobe. Weiterlesen

Can it even get worse than up to now

1701-electric_coast-album_2017-cover_rgbWenn man im erweiterten Sinne Punk Rock macht, besteht immer die Gefahr, sich von der Energie mitreißen zu lassen und lauter und schneller als die anderen sein zu wollen, denn dadurch verliert eine Band oft an Originalität und klingt am Ende beliebig und austauschbar. Dass es auch anders geht beweisen die erst 2014 gegründeten The Electric Coast aus Wermelskirchen aus dem Bergischen Land mit ihrem Debütalbum Warming Quilt. Adam Glosniki an der Gitarre und Andreas Krug am Bass kennen sich schon länger von diversen Projekten her, Adam beispielsweise hat vorher auch bei Equal Silence und Madam gespielt. Mit Thorsten von Stein an den Drums ist das Trio komplett. Weiterlesen