LP: Nova Et Vetera – Au-Delà

Kalte Rhythmen

KT.epsBereits seit 1998 sind die im Großraum Paris beheimateten Nova Et Vetera im französischen Unterground aktiv und haben trotz der langen Zeit erst zwei Alben veröffentlicht (2013+2016). Die Band besteht aus Mr. Lamort (Gesang und Gitarre), Miss Lamort (Gesang und Percussion), Herrich Legrand (Bass und Gesang), Michael John Von Boost (Gitarre) und C-Real (Drums). Zum 20-jährgen Bestehen der Performance-Band macht sie sich selbst ein Geschenk in Form des dritten Albums Au-Delà, das jüngst bei Manic Depression Records erschienen ist.

Gleich zu Beginn bin ich von „Stay that prick“ überrascht, das ich als etwas experimentell empfinde. Der Bass macht was er soll, und auch die Pauken-Rhythmen, die ich schon vom Vorgängeralbum Lightnings kenne (Link zur Review), sind dabei, aber die Gitarre sägt teilweise fast jazzig dazwischen, und bei den Sprechgesang-Passagen von Mr. Lamort habe ich Frank N Furter aus der Rocky Horror Picture Show vor Augen. Mit Sprechgesang geht es auch bei „Playtime“ weiter, hier jedoch von Miss Lamort, und begleitet von Trommelschlägen, was für etwas Neofolk-Flair sorgt. The Cure habe ich bei den ersten Bass-Takten von „Demain“ sofort im Ohr, aber das Zusammenspiel mit Gitarre und Schlagwerk ist dann doch ganz eigenständig und klingt nach Nova Et Vetera, nicht zuletzt auch wegen der Stimme von Mr. Lamort. Bei „A pipe dream“ wird die Gitarre auf Death-Rock-Art gespielt, der deprimierende Gesang tendiert dazu aber eher in Richtung Post Punk. Dazu die betonten Tribal-Drums, hier entsteht etwas ganz Eigenes.
Das spürt man auch bei „Ode aux meteores d’un fou“, obwol die Melodie und die Atmosphäre mich latent an Bauhaus „Bela Lugosi’s dead“ erinnert. Miss Lamort steuert aber wieder ihren französischen Sprechgesang dazu bei und drückt dem Song somit den eigenen Stempel auf. Beim Bassspiel von „Before“ schwingt ein bisschen „Tainted Love“ von Soft Cell mit, aber das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Es wird repetitiv eingesetzt, dazu übernimmt die Gitarre Melodiearbeit, und die Stimme von Mr. Lamort wirkt sehr zerbrechlich. Passend dazu nehmen sich die Trommeln zurück, melden sich aber bei „23093D“ sogleich zurück, das irgendwo zwischen Death und Gothic Rock anzusiedeln ist. Ruhige Zwischenparts sorgen für Abwechslung und bilden so eine Annäherung an das folgende „So sick“, bei dem neben dem düsteren Bassspiel vor allem der Gesang heraussticht, der mich hier stark an Rozz Williams zu Zeiten von Shadow Project erinnert, ein ganz starkes Stück. Zum Abschluss gibt es mit „To the afterlife“ ein Post-Punk-Stück, das deutliche Tendenzen von Gothic mit sich bringt.

Fazit: Nova Et Vetera sind und bleiben auch mit Au-Delà sehr eigenständig im musikalischen Gothic-Kosmos, nicht zuletzt duch die prägnanten Tribal-Trommeln, die für kalte Rhythmen sorgen. Ab und an blitzen zwar vereinzelt Vorbilder durch, die aber nicht bloß kopiert werden, sondern auf eigene Art verwertet werden und somit ganz im Gesamtwerk von Nova Et Vetera aufgehen. Der Tribal-Anteil steht auf Au-Delà etwas weniger im Vordergrund, dafür ist die experimentelle Entwicklung deutlich spürbar. Anfangs mag die Musik etwas sperrig auf diejenigen wirken, die die Band zum ersten Mal entdecken, aber mit jedem Hören gewinnt Au-Delà an Eingängigkeit hinzu. Außerdem ist es gerade die Andersartigkeit, die mir so gut gefällt.

Anspieltipps: Stay that prick, A pipe dream, So sick
:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Nova Et Vetera – Au-Delà
Manic Depression Records, Vö. 25.05.2019
MP3 Download ab 7,00 € erhältlich über Bandcamp
LP 17,00 € erhältlich über Manic Depression Records
Homepage: http://novaetvetera.net
https://www.facebook.com/novaetveteramusic
https://jetaimetheband.bandcamp.com/releases
http://manicdepressionrecords.com
https://icycoldrecords.bandcamp.com

Tracklist:
01 Stay that prick
02 Playtime
03 Demain
04 A pipe dream
05 Ode aux meteores d’un fou
06 Before
07 23093D
08 So sick
09 To the afterlife

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