Next stop Krakow

MekongMekong, da denke ich sofort an den großen Fluss, der nacheinander durch China, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam fließt, sich also einmal quer durch Südostasien schlängelt. Und da es sich hier ja aber um eine Band handelt, kommt mir zwangsläufig die französische New-Wave-Rock-Band Indochine in den Sinn. In diesem Fall weist Mekong allerdings ins polnische Krakow und ist das musikalische Projekt des in Portugal geborenen Renato Alves. Der Gesang ist aber im international verständlichen Englisch gehalten. End of the world ist sein Debütalbum und im Mai auf Icy Cold Records erschienen.

Mit „Awe“ eröffnet ein Song die Scheibe, der nach einer Mischung von New Model Army zur Zeit deren ersten Albums Vengeance und Joy Division klingt, zumal der Gesang auch noch Ian Curtis ein wenig ähnelt. Wenn so das Ende der Welt eingeläutet wird, kann ich gut damit leben. Für „Going home“ gesellen sich auch noch UK Decay in den Mix, und der Gesang wird eigenständiger. Darüberhinaus klebe ich förmlich am Bass. Der Grundrhythmus von „Industria“ erinnert mich an „Black planet“ von The Sisters of Mercy, während das Gitarrenspiel eine staubige Atmosphäre erzeugt. Der Gesang entwickelt nun seine Eigenständigkeit und wird hier eher unterkühlt vorgetragen, sodass er fast schon emotionslos wirkt. Die Drums sind in „Saving Jesus“ betont, was für mehr Dramatik sorgt, ebenso wie die Stimme, die teils nach Batcave klingt und so nun mehr Bandbreite zeigt und den Refrain fast schon flüstert. Die Melodie am Ende hat was von einer Kinderspieluhr, aber ohne dabei Geborgenheit auszulösen.
Zu Beginn von „Black swan“ habe ich irgendwie etwas überraschend „Maneater“ von Hall & Oates im Ohr, aber ein bißchen 80er schadet ja nie. Dennoch wirkt der Song trotz seiner Eingängigkeit eher düster als poppig. Beinahe wie eine Zusammenarbeit von Bauhaus und Cinema Strange erscheint mir „Shame“, und das ist nicht zum Schämen, sondern äußerst gelungen. Das schräge Element der zuvor Genannten kommt hier voll zum Tragen. „The hills“ flirtet mit Deathrock, und mir kommen dabei sowohl Bloody Dead and Sexy als auch Murder at the Registry in den Sinn. Der leicht manisch erscheinende Gesang sorgt dabei für eine besondere Eindringlichkeit. Statt der von Manchester wird nun die Melancholie und Tristesse von „Krakow“ inszeniert. Hier ist besonders die Gitarre auffällig, die in den rein instrumentalen Parts eine prägnante Melodie spielt, und auch „Evil man“ beginnt zunächst mit ähnlichen Zutaten. Doch dann dreht der Bass auf und dominiert den Song. Ich mag diese Ausgeprägtheit und die unheilschwangere Stimmung, die dadurch erzeugt wird.

Fazit: Mekong bewegt sich durchaus irgendwie im Bereich Post Punk, aber das sehr eigenständig, denn es werden auch Batcave, Deathrock und Cold Wave in der Musik verarbeitet. Manchmal kann man das gar nicht richtig erfassen von den Einflüssen her, aber eins ist mir sofort klar: Das ist richtig gut, auch wenn der Gesang nicht immer ganz sauber klingt. Aber genau das hat eben auch diesen gewissen Charme, wenn nicht alles glattproduziert wird. Diejenigen, die es auch mal etwas unkonventioneller mögen, sollten also unbedingt in Mekong reinhören.

Anspieltipps: Awe, The hills

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Mekong: End of the world
Icy Cold Records, Vö. 14.05.2021
MP3 8,00 €, CD 13,00 €, LP 18,00 € erhältlich über Bandcamp

Homepage: https://mekongsounds.com/
https://facebook.com/mekongsounds
https://www.facebook.com/icycoldrecords/
https://icycoldrecords.bandcamp.com/music

Tracklist:
01 Awe
02 Going home
03 Industria
04 Saving Jesus
05 Black swan
06 Shame
07 The hills
08 Krakow
09 Evil man

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