… und warum man darin eher nicht brennen kann

Ein ganz beliebtes Motiv in sämtlichen Spielarten des Metal ist das Höllenfeuer. Kaum eine Band, die etwas auf sich hält, hat es noch nicht besungen, dass alle armen Seelen irgendwann in der Hölle brennen werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Song „Burn in Hell“ wahlweise von Dimmu Borgir oder Twisted Sister. Dabei ist die ursprüngliche Version der Hölle so gar kein heißer, feuriger Ort.

So ungefähr stellte man sich im Mittelalter die Höllenfeuer vor.

Das deutsche Wort Hölle, genau wie das englische hell, stammt von der altnordischen Göttin Hel. Im Glauben der Wikinger war sie die Totengöttin, Tochter des gerissenen Loki und der Riesin Angrboda. Sie herrschte über einen düsteren, kalten Ort, an dem sich die Toten aufhielten. Diese Version der Hölle war nicht als Strafe gedacht, weil es die Sünde in dieser Weltanschauung nicht gab. Nach seiner Herrscherin wurde dieser Ort ebenfalls Hel genannt. Die Christen übernahmen dann diese Bezeichnung für ihre eigene Hölle, die allerdings ein heißer Ort war, wo Sünder sozusagen geröstet werden.

Wie kam es nun dazu, dass die alten Germanen in der Hölle frieren mussten, während wir glauben, wenn, dann brennt man dort? Das ist leicht zu verstehen, wenn man sich ansieht, wo die Wikinger gewohnt haben und wo das Christentum herkommt: Die Wikinger entstammten dem hohen Norden, wo die Winter lang und eisig sind und jeder Tag ohne Frost ein guter Tag war, weil man dann Landwirtschaft und Seefahrt betreiben konnte. Ein zu langer Winter konnte schreckliche Hungersnöte verursachen – ganz klar, dass also der schlimmste vorstellbare Ort auch ein eisiger, düsterer Platz sein musste. Die ersten Christen hingegen lebten in Israel, einem Wüstenstaat. Jeder Schatten, jeder Regentag war ihnen willkommen, und umso kühler, umso besser für die Landwirtschaft. So etwas wie Eis kannten sie vermutlich nicht einmal aus Legenden. Für sie war logischerweise der Ort am schrecklichsten, an dem es noch heißer war, und da blieb nur offenes Feuer übrig.

Eine Eiswüste – der schrecklichste vorstellbare Ort für die Wikinger.

Warum aber benutzen unsere neuzeitlichen Metal-Wikinger wie Dimmu Borgir die christliche Version der Hölle? Ist Hel vielleicht nicht schlimm genug im Zeitalter von Goretex-Klamotten und Zentralheizungen? Nun ja, wenn man sich die Beschreibung von Hels Reich in der Edda so durchliest, gäbe es da durchaus Stoff für schauerliche Lyrics: Hel selbst ist eine Riesin, ihre Haut ist halb rosig, halb blau-schwarz, sie ist also halb lebend, halb tot. Ihre Geschwister sind die Midgard-Schlange und der Fenris-Wolf und selbst die Götter haben Angst vor diesem Trio. Die Wände ihres Palastes bestehen aus Schlangenleibern und in ihre Säle dringt kein einziger Sonnenstrahl. Als wäre das noch nicht genug, wird ihr Reich auch noch vom Höllenhund Garm bewacht. Man erreicht Hel über eine Brücke über den Fluss Gjöll. Diese wiederum bewacht der schreckliche Riese Modgudr, so dass eine Rückkehr absolut ausgeschlossen ist.
Was musste man nun anstellen, um in Hels Unterwelt zu landen? Da sind die Quellen eher vage. Vermutlich aber mussten alle verlorenen Seelen in die Unterwelt reiten – und bei den Wikingern war man als verlorene Seele qualifiziert, wenn man nicht heldenhaft im Kampf fiel und somit nach Valhall gebracht werden konnte. Vielleicht, ja nur vielleicht, ist die Vorstellung, dass wir alle die Ewigkeit in Kälte und Dunkelheit, umgeben von Schlangen und ohne Hoffnung auf Rettung zubringen müssen, sogar den harten Viking-Metallern von Dimmu Borgir etwas zu beängstigend. Wer weiß?

(Bildquelle: Wikipedia.)

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