Rezension: Edward Lee – Das Haus der bösen Lust

„Dieses Haus wird ihn lieben.“

Bierspezialist Justin Collier sucht für sein Buch über die besten amerikanischen Biere noch eine spezielle Marke. Ein Hinweis führt ihn in das kleine Städtchen Gast in Tennessee, das in Bürgerkriegszeiten Geschichte schrieb, allerdings nicht nur positive. Es gibt ein Haus, das mittlerweile als Pension dient, in dem in der Vergangenheit schreckliche Dinge passiert sein sollen. Als Justin das Haus betritt, spürt er bereits eine Veränderung an sich, vor allem in seiner Lendengegend. Doch nicht nur seine Libido steigt, Albträume verfolgen ihn und er beginnt zu halluzinieren. Er muss aus diesem Haus raus, so schnell er kann.

Das Haus der bösen Lust, ein Titel über den ich in der letzten Zeit immer wieder stolperte. Zahlreiche gelesene Rezensionen überzeugten und verleiteten mich schließlich, mir dieses Buch zu besorgen. An dieser Stelle geht ein großes Dankeschön an Frank Festa vom Verlag, der mir ein Exemplar zur Verfügung stellte.

Die ersten gelesenen Seiten lassen mich erst einmal kräftig schlucken. Ich erwartete nicht gleich zu Beginn eine geballte Ladung von abgetrennten Körperteilen, Vergewaltigung und Erniedrigung. Natürlich war ich vorbereitet durch andere Leser, aber selbst damit konfrontiert zu werden, ist etwas anderes.
Das Buch erzählt zwei Geschichten in unterschiedlichen Zeiten. Die Rückblenden führen zurück zum Bürgerkrieg, sie beschreiben das Leben der Konföderierten und der Sklaven sowie die Entstehung des Städtchens Gast. Sie erzählen außerdem, was sich hinter dem dunklen Geheimnis der Familie Gast versteckt, schaurige, obszöne Einzelheiten werden offenbart, die den Leser schocken. Die Passagen um den Bürgerkrieg waren recht interessant zu lesen und sehr bildlich beschrieben. Der Autor sieht die Geschehnisse von damals durch verschiedene Charaktere, so dass jede Gesellschaftsklasse ihre Sichtweise darstellen kann.
In der Gegenwart versetzt Edward Lee den Leser recht schnell in die Rolle des Bierkenners Collier. Das Haus, in dem er während seines Aufenthaltes wohnen soll, jagt ihm von Anfang an einen Schauer über die Haut. Ihn verfolgen Albträume, er verspürt vermehrt sexuelle Gelüste und er leidet an Halluzinationen. Auf seiner Suche nach dem letzten Bier für sein Buch erfährt er auch immer mehr über dieses Haus und dessen düsteres Geheimnis.

Wow, was für ein Buch!
Die Verknüpfung von historischen, mystischen, bizarren und obszönen Elementen gelingt dem Autor Edward Lee perfekt. Das Haus der bösen Lust liest sich flüssig und es ist ein Buch, welches man nur schwer zur Seite legen kann, auch wenn einige Passagen den Leser sicherlich hin und wieder dazu verleiten mögen.
Der Verlag warnt auf seiner Seite vor den übertriebenen Darstellungen sexueller Gewalt. Es gab einige Stellen im Buch, die ich als Frau missbillige, die ich auch wirklich eklig fand. Ich hatte definitiv noch Schlimmeres erwartet und war froh, dass sich die wirklich harten Stellen nur auf einzelne Seiten beschränkten. Zudem sollte man sich im Klaren sein, dass Festa keine Märchenbücher verkauft und wahre Fans des Extreme Horrors werden mit Edward Lee sehr gut bedient.

Edward Lee (geboren 1957 in Washington, D.C.). Nach Stationen in der U.S. Army und als Polizist konzentrierte er sich lange Jahre darauf, vom Schreiben leben zu können. Während dieser Zeit arbeitete er als Nachtwächter im Sicherheitsdienst. 1997 konnte er seinen Traum endlich verwirklichen. Er lebt heute in Florida.
Der Autor hat mehr als 40 Romane geschrieben, darunter den Horrorthriller Header, der 2009 verfilmt wurde. Er gilt als obszöner Provokateur und führender Autor des Extreme Horror.
Quelle: (www.festa-verlag.de)

Deutsche Erstausgabe
Broschur 19 x 12 cm, Umschlag in Lederoptik
400 Seiten
Originaltitel: The Black Train
Übersetzung: Michael Krug
ISBN 978-3-86552-149-1
13,95 Euro

Rezension: Carlton Mellick III – Baby Jesus Anal Plug

„Bobby ist ein guter Name für ein Jesukindlein.“

Mit dem Buch  Baby Jesus Anal Plug  holt der Autor Carlton Mellick III ein ganz besonderes Schmankerl für alle Bizzaro-Fiction-Fans aus seiner Schublade. Wer schon einige Werke von ihm gelesen hat, meint vielleicht, dass da nicht mehr viel kommen kann. Doch wer so denkt, täuscht sich gewaltig. Das Buch besteht aus mehreren Kurzgeschichten, über die ich nicht viel verraten werde, einfach weil sich jeder selber eine Meinung bilden sollte. Es sind sechs Erzählungen, die den Leser in die verrückte Welt von CARLTON MELLICK führen. Ich denke, die einzelnen Titel sprechen für sich.

Baby Jesus Anal Plug

New York

Zuckersüß

Die Stahlfrühstückszeit

Einfache Maschinen

Porno im August

Bereits mit der ersten Geschichte  Baby Jesus Anal Plug  geht der Leser auf eine Reise in die Welt der Absurdität. Vorab gab es schon Diskussionen um das Cover. Die Darstellung einer nackten, mundlosen Frau mit einem Jesukindlein im Arm, dessen Brust geöffnet ist und eine Spieluhr offenbart, fand wohl nicht bei allen Buchverkäufern Anklang. Amazon zeigt zum Beispiel eine entschärfte Form, weil es ihnen wahrscheinlich zu anstößig war. Dabei ist dieses Buch echt ein Magnet im Buchregal. Die Titelgeschichte lässt sich kurz zusammenfassen: Es geht um zwei Menschen, die sich ein Jesukindlein kaufen, um es als Anal Plug zu benutzen. Dem nicht genug, spielen Zombies und Klone auch noch eine Rolle. Die Idee und Vorstellung scheint moralisch sehr verwerflich, einige werden sicherlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ich denke, man darf den Autor nicht zu ernst nehmen, natürlich möchte er mit diesem Werk provozieren, aber gleichzeitig macht er die Gesellschaft neugierig. So wie bei dieser Erzählung muss man sich auch bei den anderen einfach darauf einlassen können, sei es die Geschichte von den mundlosen New Yorkern oder dem Knubbel Tyler, dessen Kopf aus einem Lolli besteht. Einen tiefgründigen Hintergrund sucht man vergeblich, dessen sollte man sich von Anfang an bewusst sein. So kann man die Geschichten einfach genießen und sucht nicht ständig nach einer versteckten Nachricht.

Beim Lesen fiel mir auf, dass mich sämtliche Emotionen packten. Einerseits schüttelte ich den Kopf, weil ich mir dachte: Auf welchem Trip ist dieser Mensch, wenn er sich solche Sachen ausdenkt? Auf der anderen Seite wiederum konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen, weil die Ideen so herrlich verrückt waren, wie zum Beispiel in Zuckersüß. Diese Geschichte entwickelte sich während des Lesens zu meinem Favoriten in diesem Buch. Alle Erzählungen fanden nicht Anklang bei mir, mit Stahlfrühstückszeit und Porno im August konnte ich nicht viel anfangen. Das war mir zu verworren und auch zu langweilig.

Carlton Mellick III hat es auch mit diesem Buch wieder geschafft, mich noch neugieriger auf seine weiteren Werke zu machen. Irgendwie möchte man noch mehr von diesem Mann erfahren, mehr von seinen Gedanken, Ideen und seiner bizarren Fantasie. Wer etwas anderes lesen möchte als gewöhnliche Thriller und wer sich auf das Verrückte, Eigenwillige und Wunderliche von Carlton Mellicks Welt einlassen kann, wird mit diesem Buch gut bedient. Nicht umsonst wird Mellick oft als Tim Burton der Literatur beschrieben, und selbst dieser könnte sich bei dem Autor noch eine Scheibe abschneiden.

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Verlag: Festa
224 gelbe Seiten
14,80 Euro

14.09.2012 – Hell On Earth Tour 2012 – Walls Of Jericho, Death Before Dishonor, Hundreth, Betraya, Bitter Verses – Backstage Halle, München

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Death Before Dishonor
Das erste echte Highlight an diesem Abend waren die Bostoner Hardcoreler Death Before Dishonor. Mittlerweile hat sich diese Combo einen fast schon legendären Ruf als beinharter Live-Act in der Hardcore-Szene erarbeitet, den sie bei enthusiastischer Spiellaune immer wieder unter Beweis stellt. Leider waren diesmal einige Bandmitglieder ziemlich angetrunken und taumelten streckenweise wie ein angeknockter Boxer über die Bühne. Machte aber letztendlich nicht viel aus, da der Proll-Faktor ihrer Musik ohnehin Richtung Saufen, Prügeln und einen auf dicke Hose machen zu reduzieren ist. Nichtsdestotrotz entspringt aber genau dieser Mischung ihre große Popularität in der Gemeinde, so dass man ihnen einen versoffen-verstolperten Gig eigentlich nicht ankreiden kann. Wenn dann aber noch der Sound ziemlich breiig und undifferenziert aus den Boxen quillt, gibt dies dann doch in der Schlusswertung einige Minuspunkte. Wer keinen Ohrschutz dabei hatte, dem taten danach gehörig die Lauscher weh, fast schon unerträglich schlecht war der Mix aus dem Mischpult. Hinzu kamen dann noch die halbstarken Leibesübungen der Hardcore-Turner im Moshpit, in die man ohne Helm und Schutzanzug freiwillig nicht geraten sollte, ein diesmal echt selten dämlich wirkendes und rücksichtslos-anmutendes Getrete war da am Start- keine Ahnung, wen solch kindisches Gepose beeindrucken soll, den wenigen anwesenden weiblichen Fans offenbar nicht, versteckten sich diese im sicheren hinteren Bereich der Halle. Aber gut, man weiß worauf man sich einlässt, wenn man zu Konzerten solcher Bands geht, daher kann man sich auch nicht beschweren. Selbiges konnte man dann am Ende auch nicht, da wie immer zum Abschluss eines jeden Death Before Dishonor-Gigs ihre Hymne „Boston Belongs To Me“ angestimmt wurde, die mittlerweile in einer Liga mit Pennywises „Bro Hymn“ spielt, so eingängig und beliebt ist sie. Ein immerhin akzeptabler Abschluss eines eher durchschnittlichen Gigs.

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Walls Of Jericho
Sehnlichst erwartet wurde nun schon die allseits geliebte und beliebte Metalcore-Truppe aus Detroit, die ein steter Garant für intensive und oftmals auch unvergessliche Live-Shows sind. Frontbrüllwürfel und Eye-Catcher Candace Kucsulain ist mittlerweile Mum geworden, was man ihr auch ansieht: Sie sieht besser denn je aus, fit, durchtrainiert und ist nach wie vor bereit,die Bude zu rocken. Und wie sie das tat. Als gäbe es kein Morgen, ging von Minute eins so dermaßen der Punk ab, dass einem als neutraler Zuschauer fast der Atem stockte. München ist bekannt für sein beinahe divenhaftes und bisweilen arg lethargisches Konzertpublikum, doch bei diesem Gig bewies es das genaue Gegenteil. Wildes aber gleichzeitig rücksichtsvolles Gemoshe der Güteklasse A, wahnsinnig-anmutende Stagediving-Stunts und eine dadurch mehr und mehr euphorisierte Band machten diesen Auftritt zum Besten, was ich seit langer Zeit erleben durfte. Die heimelige Club-Atmosphäre der Halle war sicherlich ein zusätzlicher Faktor. Müßig zu erwähnen, dass der perfekte und überaus druckvolle Sound sein nicht unwesentliches Scherflein dazu beitrug. Es geht also doch, dass man in die Backstage-Halle durch ihre architektonisch-bedingte suboptimale Akustik einen anständigen Sound zaubern kann. Und wenn dann noch ein intensiver Live-Act hinzukommt, ist eigentlich alles bereitet für ein anständiges Konzert. Das Zünglein an der Waage spielt dabei das Publikum.
Candace gab mal wieder alles, inklusive ermunternder und positiver Botschaften zum Zusammenhalt und der Bedeutung der Szene für jeden einzelnen Beteiligten, als auch der oftmals verwendete Spruch: „You are the best audience so far on this tour“. Diesmal wohl wahr, zu 100% nämlich. Kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Club in einer anderen Stadt dieses Level an ausgelassener Begeisterung abrufen konnte. Dabei unterstelle ich der Sängerin aufgrund ihres unglaublichen Charismas einen wesentlichen Beitrag an der explodierten Stimmung, schafft sie es doch immer wieder mit ihrer vereinnahmenden Persönlichkeit, aus einer scheinbar teilnahmslos-neutralen Menge einen wilden Hexenkessel zu machen. Eine heutzutage wirklich seltene und fantastische Eigenschaft, sollte man seines Zeichens Frontmann/-frau einer Band sein. Ich liebe einfach diese Band und ihre Frontfrau. Und rückblickend betrachtet, habe ich eigentlich nie ein schlechtes Konzert mit ihnen erlebt.

Fazit: DEATH BEFORE DISHONOR machten das, was sie immer am Besten machen, nur leider mit der abstoßend-wirkenden übertrieben aggressiven Stimmung; WALLS OF JERICHO aber das genaue Gegenteil: Positive Aggressivität, unterstützt durch ein fantastisches Publikum, welches an diesem Abend der klare Gewinner war. Würde mir wünschen, mehr Konzerte dieser Sorte zu erleben.

 

Rezension: Ben Aaronovitch – Schwarzer Mond über Soho

Spuren von Magie, einem Verbrechen und Jazz

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Peter hat nur kurz Zeit, um seine verletzte Freundin und Kollegin Lesley am Meer zu besuchen, prompt wird er zurück nach London zu einem mysteriösen Todesfall gerufen. Ein Jazzsaxophonist ist während eines Konzertes in einem kleinen Pub einfach tot umgefallen. Das Mysteriöse an der Sache: Weder war er krank genug für einen Herzanfall, noch ist der magische Nachhall eines Saxophonsolos üblich bei Toten. Noch dazu, wenn es ein Stück spielt, das zufälligerweise gerade lief, als im zweiten Weltkrieg eine Bombe auf einen Jazzclub fiel.

Außerdem scheinen sich Fälle zu häufen, bei denen den ausschließlich männlichen Opfern ihr bestes Stück abgebissen wurde – mit einem weiblichen Körperteil, das eigentlich gar keine Zähne haben dürfte. Da Nightingale häufig nicht zur Verfügung steht, arbeitet Peter mit der Magie gegenüber äußerst skeptischen Kampflesbe von der Mordkommission zusammen und versucht, beide Fälle zu lösen.

Davon abgesehen lacht er sich eine Freundin an, beobachtet glücklich das Wiederaufleben der Jazz-Karriere seines Vaters, muss auf einen übermütigen jungen Flussgott achtgeben und steckt seine Nase in Dinge, die ihn seine Neugier bald bereuen lassen dürften.

Schwarzer Mond über Soho knüpft kurz nach Die Flüsse von London an und steigt direkt ins neue Geschehen ein. Die Thematik Musik, insbesondere Jazz, dominiert das Buch und Ben Aaronovitch beweist großes Wissen und gute Recherche in allen Details. Es ist seinem Vorgänger in Sachen Humor und Niveau ebenbürtig, wirkt aber allgemein ein wenig ernster. Der Leser taucht tiefer in Peters Welt aus Magie und Polizeiarbeit ein, und auch London wird mit dem Einstieg in die Künstlerszene und das In-Viertel Soho detaillierter als noch im ersten Band skizziert.
Peter hat zwar viel gelernt, doch insbesondere ohne Nightingales ermittlerische Anleitung spürt man deutlich, dass er sich oft noch wie ein unreifer Teenager verhält, was ihn allerdings nicht weniger sympathisch macht. Auch seine äußerst amüsante Arbeitsbeziehung zur Chefermittlerin der Mordkommission unterstreicht dieses Gefühl.
In der Zusammenarbeit mit Nightingale allerdings wird schnell deutlich, dass der ältere (bzw. uralte) Polizist Peters moderne Einstellung und sein großes Verständnis für Technik und Wissenschaft durchaus zu schätzen gelernt hat. Hier prallen zwei Welten aufeinander, die gemeinsam unheimlich witzig und außerdem bemerkenswert erfolgreich sein können.
Schwarzer Mond über Soho scheint, obwohl eine in sich geschlossene Geschichte, bereits die Vorbereitung auf folgende Bände zu sein, deren Handlung wohl wesentlich weitreichender und größer werden wird. Aaronovitch führt Charaktere ein und macht Andeutungen, die darauf schließen lassen, dass das kleine Ermittlerteam des Folly sich bald einem wesentlich größeren Übel gegenüber sehen könnte als der Frage, wer Geisterjägerhund Toby Gassi führen muss.
Es endet nicht mit einem unbefriedigenden Cliffhanger, allerdings macht es unheimlich große Lust auf mehr und ich kann kaum erwarten, dass Teil drei Whispers under Ground in Deutschland erscheint. Wer nicht warten mag, hat die Möglichkeit, die englische Ausgabe auf amazon.de oder amazon.co.uk zu erwerben.

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Ben Aaronovitch – Schwarzer Mond über Soho
Deutscher Taschenbuch Verlag, Taschenbuch, 2012
415 Seiten
9,95€

Ebook: 8,99€

Schwarzer Mond über Soho bei dvt

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Ben Aaronovitch

22.09.2012 Sabaton, Backstage Werk

„Noch ein Bier, noch ein Bier…“

Nachdem Mitte des Jahres vier von sechs Bandmitgliedern die Band SABATON verließen, befürchtete die Musikbranche, die Gruppe würde sich komplett auflösen und die Musik an den Nagel hängen. Umso erfreulicher war die Meldung, dass die Verbleibenden schnell Ersatz für Gitarren und Schlagzeug gefunden hatten. SABATON begaben sich also wieder on the Road und machten mit ihrer „Swedish Empire Tour“ auch in München halt. Zur Unterstützung und zum Warm-werden für die Fans konnten sie WISDOM und ELUVEITIE gewinnen.
Bei der Anfahrt auf das Backstage Werk konnte man bereits sehen, wie groß der Ansturm auf die Karten gewesen sein muss. Das Konzert war komplett ausverkauft, eine scheinbar endlose Schlange wand sich auf der Straße. Leider hatte diese Information nicht alle erreicht, so dass das die Veranstalter und die Security zwei voll beladene Busse wieder heim schicken mussten. Aber zum Glück hatte ja die Wiesn-Zeit begonnen, vielleicht haben sie die Gelegenheit genutzt, um dahin einen Abstecher zu machen.

WISDOM
Die Ungarn sind außerhalb des Heimatlandes noch nicht wirklich bekannt, doch mit ihren Auftritten bei der „Swedish Empire Tour“ wird sich das recht schnell ändern.
Nach den ersten Takten und Klängen hatte die Band bei mir schon den „Wow“- Effekt erzielt und konnte nicht nur meine Aufmerksamkeit schnell auf sich ziehen. Von Beginn an spielten sie mit dem Publikum und animierten die Leute zum Klatschen, die sich auch nicht lange bitten ließen. Für das neue Album „Judas“ holte sich die Band einen neuen Sänger ins Boot. Gabor Nagy war definitiv eine sehr gute Wahl. Fans des hochmelodischen Power Metal kommen mit der Musik von WISDOM voll auf ihre Kosten. Dominant, ohne Scheu, mit vollem Körpereinsatz und starker, klarer, eindrucksvoller Stimme hatten sie die Münchner recht schnell im Griff. Mit der Version von IRON MAIDENS „Wasted Years“ konnten sie weitere Pluspunkte sammeln und dem Publikum zeigen, dass sie zurecht in einem Zug mit Namen wie HELLOWEEN und BLIND GUARDIAN genannt werden dürfen. Für mich eine absolut positive Neuentdeckung.

ELUVEITIE
Die Schweizer feiern aktuell zehnjähriges Jubiläum. Für die Fans gab es gleich zwei Alben in diesem Jahr zu ergattern. Anfang 2012 „Helvetios“ und im August „The early Years“. Zwei tolle Alben, die die gesamte Bandbreite des Könnens von Eluveitie umfassen. Seien es ruhige, mystische Momente oder rauchige, kraftvolle, die Band weiß, wie sie all diese Elemente in Harmonie bringen muss, um Stücke zu schaffen, welche wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das bekamen die Münchner an diesem Abend auch zu sehen. Die meisten Songs stammten von dem „Helvetios“-Album. Auf der Bühne stand eine starke Band. Sie überzeugte mich ein wenig mehr als die letzten Male, zudem war auch das Licht deutlich besser, so dass man diesmal die Mitglieder auch sehen konnte. Leider war die Abmischung für mein Empfinden wieder ein wenig misslungen. Sänger „Chrigel“ ging in seinen tiefen Parts oft zwischen den anderen Instrumenten unter, das Schlagzeug war zu dominant, die Gitarren hätten auch ein bisschen mehr Pegel vertragen können. Hinzu kommt, dass die Stimme von Sängerin Anna teilweise zu schrill und hoch klang, so dass man schon fast Ohrenschmerzen bekam. Ich stellte auch fest, dass bei diesem Auftritt etwas weniger Leute im Werk waren; schade, denn im Großen und Ganzen war es eine sehr schöne Show.

SABATON
Sie ließen die Fans ja schon ein wenig zappeln. Alle versuchten soweit wie möglich in die ersten Reihen vorzudrängen, dabei war die Luft eh schon stickig und heiß. Doch einen richtigen Fan hält das natürlich nicht ab. Nach scheinbar einer halben Ewigkeit erklangen dann endlich die ersten Takte des Intros „The Final Countdown“. Die Menge flippte aus, grölte in voller Lautstärke den Text mit und war in großer Erwartung. Mit „Ghost to Vision“ springen die Mannen von Sabaton voller Elan auf die Bühne und geben sofort ordentlich Gas. Was anderes war auch nicht zu erwarten, gilt Sänger Joakim doch als absolute Rampensau. Bereits nach den ersten beiden Liedern erklangen die „Noch ein Bier, noch ein Bier“-Chöre. Joakim stellte mit einem Grinsen im Gesicht fest, dass die Deutschen anscheinend lieber Bier trinken als gute Songs hören. Noch ließ er sich nicht zu einem Schluck hinreißen und Sabaton spielten lieber ein paar weitere Stücke. Das Trinken überließ er dann doch den Fans. Die Setlist war sehr gut gemischt, einem alten Song folgte wieder ein neuer, so dass es den Fans nicht langweilig werden konnte. Auch an diesem Abend merkte man wieder, dass SABATON ihr Geschäft verstehen und dass es schon ein Verlust für die Metal-Szene wäre, wenn sie sich auflösen würden. Nach dem Ausstieg einiger Mitglieder konnte für Bass, Gitarre und Schlagzeug schnell Ersatz gefunden werden, für den Posten des Keyboarders jedoch wurde noch nicht der richtige Mann eingestellt . Der fehlte nämlich auf diesem Konzert, war aber gut zu verkraften.

Fazit: Metal und Bier kommen bei den Münchnern sehr gut an, besonders, wenn so eine Größe wie SABATON das Schlusslicht bilden. Die Masse hatte Spaß und feierte ausgiebig bis zum bitteren Ende.

Setlist:

Intro:
The Final Countdown

Ghost Division
Gott Mit Uns
Uprising
40:1
Cliffs of Gallipoli
Midway
Carolus Rex
Into the Fire
Swedish Pagans
The Price of a Mile
The Lion From the North
The Art of War
Attero Dominatus
Encore:
Primo Victoria
Metal Crüe

Rezension: Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London

Harry Potter meets Metropolitan Police

fluesse-von-london

Das hat dem jungen Peter Grant bei seinem ersten Einsatz als Constable gerade noch gefehlt. Bei der Absperrung des Schauplatzes eines grausigen Mordes trifft ausgerechnet er einen Geist, der ihm auch noch bereitwillig als Zeuge zur Verfügung steht. Allerdings verpufft dieser, als Kollegin Lesley ankommt, und so tut Peter, was ein guter Polizist nunmal tut: Er kehrt am nächsten Tag zurück zu der kleinen Kirche am Covent Garden und geht auf Geisterjagd. Dass er dabei von einem älteren Polizisten gesehen wird, hält er für seine Karriere nicht besonders förderlich, doch am nächsten Morgen wird ihm ein merkwürdiges Angebot gemacht. Die Spezialeinheit der Metropolitan Police für übersinnliche Kriminalität, das Folly, bietet ihm eine Stelle als Zauberlehrling an. Leider besteht diese reichlich angestaubte Institution nur noch aus einem einzelnen, ebenso angestaubten Polizisten, der mit einer etwas mysteriösen Haushälterin im alten Hauptquartier lebt – seit mindestens dem Zweiten Weltkrieg. Sein neuer Chef, Thomas Nightingale, will Peter das Zaubern beibringen und seine Einheit wieder als ernstzunehmenden Teil in das Geflecht der Londoner Polizeiabteilungen einfügen.
So balanciert Peter bald zwischen normaler Polizeiarbeit, dem Büffeln von Lateinvokabeln und dem Fangen eines Mörders, der kein Gesicht zu haben scheint. Nebenbei widmet er sich seinen neuen Folly-Aufgaben wie Vampirnester ausräuchern und – Hallelujah! – die äußerst schwierige Versöhnung von Mama und Papa Themse, die Flussgötter, deren Sippen in einem ständigen Zwist liegen.

Die Flüsse von London ist ein urkomischer, cleverer Krimi, gut recherchiert und macht einfach nur Spaß. Oft überkam mich beim Lesen ein spontaner Lachanfall, der mir merkwürdige Blicke meiner Mitmenschen einbrachte. Aaronovitchs Humor ist tiefschwarz und herrlich englisch, aber er versteht es meisterlich, so auf dem Grat zwischen Fantasykrimi und Slapstick zu balancieren, dass er nie in eine Richtung abrutscht.
Die Geschichte ist geschickt konstruiert und kommt ohne übermäßigen Schnickschnack aus. Es bleibt bei einer Handvoll wichtiger Personen, zu denen der Leser schnell eine gewisse Sympathie entwickelt. Aus der Sicht von Peter geschrieben erhält man natürlich am meisten Einblick in seinen Charakter, doch auch Nightingale und Lesley bekommen von Anfang an ganz eindeutige Charakterzüge, die sich während des Lesens noch vertiefen und sie auf ihre eigene Art durchaus liebenswert machen.
Peter ist eine sympathische Hauptfigur, neugierig und wissenschaftlich begabt, allerdings kein Überflieger der Polizeiarbeit. Er muss hart arbeiten, um Nightingales Anforderungen zu erfüllen, und sein Hintergrund als dunkelhäutiger Junge, dessen Mutter Putzen geht, lassen ihn wirken wie den ganz normalen Typ von nebenan. Er wird in eine Welt geworfen, über deren Existenz er nie auch nur nachgedacht hätte, doch seine Wissbegier helfen ihm, Parallelen zwischen Magie und Wissenschaft zu erkennen und sogar einige „Gesetze“ zu formulieren. Zum Beispiel: „Magie + Handyakku = neues Handy nötig.“
London wird hier nicht als glänzende Weltstadt beschrieben, sondern als das, was es ist: Ein Schmelztiegel von Kulturen, in dem alles (und zwar wirklich ALLES), ob schön oder hässlich, einen Platz hat, und in dem man sich zuweilen wohl anstrengen muss, um das Schöne zu sehen. Aaronovitch als gebürtiger Londoner weiß dies wohl besser als jeder andere.
Die Flüsse von London ist ein lesenswerter Roman, der die Genres Fantasy und Krimi nahtlos vereint und somit insbesondere für Fans von Terry Pratchett und J.K. Rowling, aber auch Arthur Conan Doyle und Agatha Christie interessant sein dürfte. Natürlich fehlt der detektivische Spürsinn der Genies Sherlock Holmes und Miss Marple, dafür punktet Peter mit frechen Kommentaren und einer Begabung fürs Übersinnliche. Aaronovitch pickt sich aus beiden Genres das Beste heraus und garniert es mit seinem einmaligen Humor. Dabei kam ein gelungenes Buch heraus, das nicht umsonst in Deutschland schnell auf die Bestseller-Listen sprang.
Der zweite Teil Schwarzer Mond über Soho ist bereits beim Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen, der dritte Band Whispers under Ground wurde bisher nur auf Englisch veröffentlicht und Nummer vier ist für nächstes Jahr geplant.

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Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London
Deutscher Taschenbuch Verlag, Taschenbuch, 2012
478 Seiten
9,95€

Ebook: 8,99€€

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Ben Aaronovitch

19.09.2012 Royal Republic, 59:1 München

Exklusiver Abend

Die Alternative-Rock-Band Royal Republic aus Schweden verlosten im August zusammen mit Amazon und Warner Bros. Music Germany 125 x 2 Karten für ein Exklusivkonzert in München im 59:1. Und zwei von diesen besonderen Tickets wanderten in meine Tasche. Bereits im Jahre 2011 hatte ich das Vergnügen die Band beim Masters of Rock Antenne erleben zu dürfen. Schon bei diesem Auftritt überzeugten sie mich mit ihrer sympathischen Art und großartigen Musik.
Mitte des Jahres 2012 kam das neue Album „Save the Nation“, das sich nicht hinter dem Debüt „We are the Royal“ aus dem Jahre 2010 zu verstecken braucht. Die Band hat sich weiterentwickelt, die neue Scheibe ist durchdachter, aber ebenso rockig und dreckig wie die erste.

Der Einlass zog sich ganz schön in die Länge, fast eine Stunde benötigten die Gewinner, um den kleinen Club zu entern. Das Publikum war recht gemischt, die hartgesottenen Fans hatten es sich natürlich direkt vor der Bühne gemütlich gemacht. Ich hätte das jedoch nicht unbedingt getan, denn Sänger Adam Grahn schwitzte während des Auftrittes recht ordentlich bei den Temperaturen im Club und die kleinen feinen Tröpfchen flogen nur so ins Publikum.
Um 21.15 Uhr traten die vier jungen Schweden gut gelaunt auf die Bühne und rockten auch gleich los mit „Save the Nation“. Ein Kracher folgte dem nächsten. Sie gaben den Zuschauern keine Minute zum Durchatmen. Das Publikum war sehr ausgelassen, jubelte, sprang und moshte. Die Stimmung war hervorragend in dem kleinen Club und die Band merkte auch, dass vor ihnen wirkliche Fans standen. Nicht nur die alten, auch die neuen Songs konnten bis auf die letzte Textzeile mitgesungen werden. Sänger Adam hielt immer wieder den Kontakt zum Publikum aufrecht, widmete sich auch den Fans auf der rechten und linken Seite, ließ sogar zwei Mädels an seine Gitarre ran.
In Schweden, erzählte er dann, hieß es nach einem ihrer Auftritte, sie wären die neue Boyband des Rocks. Nach diesem Statement kam dann auch gleich die Aufforderung aus dem Publikum, „Cry Baby cry“ in der Softie Version zu spielen. Zunächst überlegte es sich die Band noch, doch ich denke, sie wollten sich selber den Spaß nicht nehmen lassen und gaben den Zuschauern eine sehr gefühlvolle Akustikversion des Songs, natürlich mit einem Hauch von Ironie. Doch der Charme der Band verfehlte nicht seine Wirkung. Sie wurden bejubelt und gefeiert bis in die letzten Reihen. Das sollte auch nicht die einzige Akustikdarbietung an diesem Abend bleiben und jede einzelne hinterließ eine Gänsehaut bei mir. Adam Grahns Stimme geht einfach unter die Haut. Die Setliste war wirklich bunt gemischt, die Münchner hatten die Ehre, dieses Programm als erste erleben zu dürfen. Richtig gute Stimmung kam aber vor allem bei den alten bekannten Liedern auf. „Full Steam Spacemachine“, „Tommy Gun“ und „Underwear“ ließen keinen mehr stillstehen. Es sind aber auch sehr rockige und geniale Songs.

Ich muss sagen, es war ein sehr schöner Abend. Die Jungs harmonierten wirklich sehr gut, sie kamen auch diesmal wieder sehr sympathisch und witzig rüber. Sehr angenehme und lockere Stimmung herrschte im gesamten Raum. Das 59:1 war als Location für dieses Event hervorragend ausgewählt. Es vermittelte eine familiäre Atmosphäre, bei der man der Band wirklich sehr nahe kam. Ein großartiges Ereignis und die Verlosung war eine hervorragende Aktion. Vielen Dank an die Band, Amazon und natürlich auch Warner Music Group Germany.

Interview mit Coppelius

„Niemals!“

Es gibt viel zu tun auf dem Herrensitz, denn Coppelius komponieren fleißig neue Musikstücke. 2013 soll es einen neuen Silberling geben, der vom Auditorium mit Spannung erwartet wird. Dazu gab es bereits Aufnahmen zu einer Videografie und natürlich den immerwährenden Zwist zwischen Max Coppella und Le Comte Caspar, wer denn nun der Bessere sei. Vielleicht können wir das endlich in diesem Interview klären – falls nicht, stehen die Herren immerhin Rede und Antwort.

Kyra Cade: Wie ist das werte Befinden der Herren?
Max Coppella: Zur Zeit sehr gut, mich plagen lediglich Selbstmordgedanken, sonst kommen immer noch mein schmerzender Rücken und die Sorge um die viel zu gute Verpflegung von Bastille hinzu.
Comte Caspar: Max Coppella ist so sehr mit Lamentieren beschäftigt, dass ich mich in Ruhe den Aufnahmen zum neuen Album widmen kann. Es sind also alle in ihrem Element!

K.C.: Genießen Sie den Sommer und lassen sich von Bastille kalte Getränke servieren – auch wenn sich die Sonne rarmacht?
M.C.: Ich genieße den Sommer in meinem Verlies, bei Hitze muss ich direkt unter das Dach, bei kühlem und feuchtem Wetter verbringe ich die Zeit im Keller mit ähnlichem Klima.
C.C.: Er hat sich den Südflügel selbst ausgesucht, ja, er hat darauf bestanden, dort zu wohnen. Nun regt er sich darüber auf, wenn die Sonne hineinscheint und übertreibt, wenn es regnet… Was mich angeht, ich mache bei strahlendem Sonnenwetter gern hin und wieder eine Aufnahmepause und lasse die Füße in den Brunnen baumeln. An diesigen Tagen macht es umso mehr Freude, sich ganz in den Arbeiten am neuen Album zu vergraben.

K.C.: Sie haben in „Ma Rue A Moi“ gefordert, Straßen und Plätze nach Ihnen zu benennen. Gibt es bereits Fortschritte in dieser Richtung?
M.C.: Ach wo denken Sie hin, ich will noch nicht einmal, dass mein Name auf meinem Grabstein steht.
C.C: Na ein Glück, dass es in diesem Stück darum geht, was nach MIR benannt wird, Herr Coppella! Und ja, es geht voran, es geht voran! Fanatiker brachten mir zum Beweis sogar schon Straßenschilder, die sie irgendwo abmontiert hatten. Wo, habe ich allerdings noch nicht herausfinden können. Wahrscheinlich, weil sie noch nicht ersetzt wurden …

K.C.: Als das Musikstück recht neu war, haben Sie einen Wettbewerb ausgerufen. Eingereicht wurden Collagen, Zeichnungen und sogar Figuren aus Ton. Wer hatte die Idee dazu?
M.C.: Das war meine Idee!
C.C: IHRE Idee? Ha! Haben Sie überhaupt von MEINEM Wettbewerb mitbekommen?

K.C.: Können Sie sich noch an die Beiträge erinnern? War etwas dabei, das Ihnen besonders gefallen oder gar geschmeichelt hat?
M.C.: Oh, ich erinnere mich nun, dass es doch nicht meine Idee war.
C.C: Da sehen Sie es! Ja, ich war sehr erstaunt, wie viel Kreativität und Kunstgeschick in unseren Fanatikern steckt. Und dabei sagt man doch, heutzutage seien alle Menschen ungeschickt und ohne Inspiration, weil sie nur noch vor dem Bildschirm hingen! Tatsächlich denke ich, solche Kreativwettbewerbe sollten wir öfter veranstalten, sozusagen als coppelianisch-künstlerisches Breitenbildungsprogramm!
Zum neuen Album werden wir ein Stück schon vorzeitig veröffentlichen und die künstlerische Welt da draußen bitten, eine Musikvideographie dazu zu zaubern! Das kann ja heutzutage nun wirklich jeder, ein paar bewegte Bilder einfangen und sie zur Musik zusammenstellen. Doch dies dann auch in künstlerischer Art zu tun, ist wiederum um einiges schwerer. Nehmen Sie die Herausforderung an! Im Herbst wird die Aktion auf unseren galvanischen Seiten bekanntgegeben werden! Gönnen Sie sich den Spaß, machen Sie mit!

K.C.: Das war nicht der einzige Wettbewerb. Sie riefen im Frühjahr des Jahres dazu auf, das Musikstück „Das Amulett“ zu interpretieren. Warum ausgerechnet dieses?
M.C.: Das war meine Idee, ich wollte, dass ein einfaches Stück von mir interpretiert wird, das leicht besser zu gestalten ist als von Coppelius. Es wird ja normalerweise vom Comte gesungen.
C.C. Herr Coppella, Sie sind wohl sehr eifersüchtig, dass hier die ganzen Fragen an MICH allein gerichtet sind!

K.C.: Waren Sie erfreut über die Beiträge?
M.C.: Aber natürlich, wie erwartet.
C.C: Haben Sie sie denn gehört!

K.C.: Was geschieht mit den Gewinnern?
M.C.: Sie haben sich sehr bemüht und werden für immer in unseren Gedanken bleiben.
C.C.: Haben Sie nicht! Herr Coppella! Wir haben einige Gewinner bereits auf Konzerten als Gast auftreten lassen. Das stand nämlich als Preis ausgeschrieben. Tatsächlich waren wir so begeistert über die Einsendungen, dass wir uns nicht recht entscheiden konnten und nicht nur dem ersten Platz sondern gleich allen drei Erstplatzierten einen Gastauftritt auf coppelianischer Bühne versprachen. Zu den Jahresendkonzerten in Annaberg-Buchholz und Kaiserslautern wird man dies erleben können.
Wo wir gerade davon sprechen, die restlichen Konzerte für dieses Jahr sind übrigens:
22.09.2012 (Sa) Zwickau – Alte Gasometer
28.12.2012 (Fr) Kaiserslautern – Kammgarn
29.12.2012 (Sa) Annaberg-Buchholz – Alte Brauerei

K.C.: Konnte das Auditorium den Herren Coppelius musikalisch das Wasser reichen?
M.C.: Nun, die Frage muss anders herum gestellt werden und dann antworte ich mit einem klaren Ja.
C.C.: Stellen Sie doch Ihr Licht nicht so unter den Scheffel, Herr Kollege! Für meinen Teil: Das Auditorium hat sich sehr bemüht und das soll auch gelobt werden. Einzig geht es bei Musik ja nicht nur um das sogenannte ominöse Talent, sondern auch um jahrelange, ja jahrzehntelange Übung auf dem Instrument, die dem wahren Künstler dann natürlich zu einem gewissen Vorsprung verhilft … Insofern ist diese Frage völlig unnötig und eigentlich auch schon fast etwas anmaßend. Oder anders gesagt: Genug andere Kapellen erreichen uns musikalisch nicht im Entferntesten, nein, greifen sogar auf elektrische Einspielungen während eines Konzertes zurück – was es bei Coppelius niemals geben wird – und da stellen Sie unsere musikalische Superiorität in Frage?

K.C.: Wird es noch weitere Ausschreibungen geben?
M.C.: Ich denke schon, aber warum fragen Sie nicht, wie die Vorbereitungen für den neuen Silberling laufen?
C.C.: Wie bereits erwähnt, im Herbst dann die Ausschreibung zur Videographie. Einen geeigneten Preis als Anreiz zur Teilnahme müssen wir uns noch ausdenken. Obwohl eigentlich die Teilnahme selbst schon Preis genug ist, aber das sieht ja heutzutage niemand mehr. Haben Sie passende Ideen, was attraktive Preise sein könnten? (Also jenseits von „Tonträger & Kleidungsstück“ )
(Anm. d. Red.: Veröffentlichen Sie eine Single mit dem Musikstück, einigen bisher unveröffentlichten Liedern und eben dem Gewinnervideo.)

K.C.: Sie planen einen neuen Silberling. Wie laufen die Vorbereitungen?
M.C.: Fragen Sie bloß nicht, es geht sehr schleppend und zerrüttet meine letzten Nerven.
C.C.: Das tut mir leid zu hören – MEINE Aufnahmen gehen herrlich voran! Ich will Sie nicht mit lähmenden Details aus dem Verfahren der Audioakustik entnerven – denn auch dies ist eine Wissenschaft für sich, mit der sich der Tonkünstler herumplagen muss -, aber durch viele entscheidende Verbesserungen in der klanglichen Abnahme der Klarinette ist es gelungen, den Klang zu revolutionieren! Nun, wahrscheinlich für das ordinäre Ohr kaum wahrnehmbar, und doch wird die Musik dadurch druckvoller und lauter, obwohl sie weniger anstrengend wirkt! Ach, Sie müssten die Tonproben hören! Schade, dass wir nicht jetzt schon kleine Klanghäppchen veröffentlichen! Sie würden dahin schmelzen!

K.C.: Wann wird das Auditorium selbigen erstehen können?
M.C.: Wenn das so weiter geht, niemals!
C.C.: Wenn ich so weiterkomme, im Januar 2013.

K.C.: Können Sie schon etwas über die neuen Musikstücke erzählen?
M.C.: Ich könnte schon, aber dafür reicht die Zeit nicht aus, ich muss gleich zur Therapie.
C.C.: Oh, dafür ist es etwas zu früh – wir stecken noch so tief in den musikalischen und klanglichen Details, dass wir erst wieder einige Schritte von der Tafel zurücktreten müssen, um das große Ganze zu überblicken. Gönnen Sie uns noch ein paar Wochen, dann können wir beginnen, uns zu den Stücken in ihrer Gänze zu äußern.

K.C.: Im Gesichtsbuch erwähnten Sie einmal, über eine Interpretation von Liedern anderer Kapellen nachzudenken. Haben Sie sich entschieden, welche?
M.C.: Ich interpretiere sowieso sehr gerne so etwas, kann mich aber nicht entscheiden, welche Künstler es verdient haben, von uns so beleidigt oder geadelt- dazwischen gibt es leider nichts – zu werden.
C.C.: Wir arbeiten an mehreren verschiedenen Stücken unterschiedlicher Künstler – darunter auch wieder Iron Maiden und sogar einmal die Beatles – jedoch haben wir insgesamt viel zu viele Stücke aufgenommen, als dass sie alle auf ein Album passen würden. Darum will ich jetzt noch nicht zu viel verraten und keine Begehrlichkeiten wecken, die dann nicht erfüllt werden, weil andere Stücke viel besser klingen und deswegen dann auf das Album kommen. Es wird ohnehin noch schwer genug werden, sich für einige Stücke zu entscheiden und einige andere herauszulassen!

K.C.: Es ist zwar schon wieder ein paar Monate her, aber bei Ihrem Auftritt in Nürnberg im Januar klangen die Instrumente etwas voller. Vor allem auch der Bass kam besser hervor. Haben Sie etwas verändert?
M.C.: Ich habe von unserem Amplifikator gehört, dass er bei den danach stattfindenden Konzerten die Klänge, die er aus den vorhandenen Anlagen zu zaubern wusste, sogar noch besser fand!
C.C.: Oh, Sie haben es von allein gehört? Welch feines Ohr! Ja, bei Coppelius tut sich etwas, auch durch die klangliche Arbeit an den Aufnahmen! Wir müssen doch das Auditorium daran erinnern, dass die Gitarren die Nachmacher sind und nicht andersherum! Man konnte ja in den letzten Dekaden den Eindruck gewinnen, dass die eine oder andere Gitarrenkapelle fast so voll klingt wie Streicher und Bläser!

K.C.: Ist Herr Voss nun auch zufrieden, hört man den Bass ausreichend oder muss da noch mehr getan werden?
C.C.: Herr Voss und zufrieden! Ha! Ich denke, er würde es so formulieren: Einige Weichen wurden in die richtige Richtung gestellt, nun kann man beginnen, an den Reglern zu drehen und auszuprobieren, in welche Richtung es weiter geht.

K.C.: Stichwort: Videographisches Tagebuch. Wer von den Herren hatte die Idee dazu?
M.C.: Ich, ich , ich…
C.C. rollt mit den Augen: Ist es nicht völlig unerheblich, wer die Idee dazu hatte? Das Auditorium scheint die videographischen Ausflüge zu lieben, also stehen wir ja quasi in Zugzwang, immer weiter und weiter zu drehen. Irgendwie macht es ja sogar Spaß.

K.C.: Der letzte elektronische Eintrag in diesem Tagebuch ist vom verregneten Rock-Harz-Freilicht-Konzert. Schadet so ein Wetter den Instrumenten sehr? Wird das Musizieren erschwert, muss öfter nachgestimmt werden?
M.C.: Haben Coppelius denn mehr nachgestimmt als sonst? Ich glaube, nein, das liegt nicht daran, dass es nicht nötig wäre, aber es ist doch bereits alles verloren, was soll da das schnöde Stimmen der Instrumente noch bringen.
C.C.: Max Coppella meint, dass feuchtes, kühles Wetter den Instrumenten schon sehr zusetzt. Allerdings spielen wir nur zwischen Mai und September an der frischen Luft, da kann das Wetter den Instrumenten nicht allzu viel anhaben. Im Winter allerdings können – insbesondere bei den Klarinetten – durch warme Atemluft und kühle Außentemperatur – sehr schnell große Spannungen im Holz auftreten, ja das Instrument kann sogar reißen. Alles schon passiert …

K.C.: Aktuell drehen sie eine neue Musikvideographie. Zu welchem Musikstück, wo, warum und vor allem: In 3-D?
C.C.: Das Stück nennt sich „Spieldose“. Es geht darum, dass heutzutage jeder nur in das kleine blinkende Ding schaut, anstatt dass die Menschen noch miteinander sprechen würden. Warum schweigt ausgerechnet hier Max Coppella, er könnte doch viel mehr dazu sagen! Lieber mischt er sich in MEINE Straßenumbenennung, MEINE Ma-Rue-A-Moi-Kunst-Aufrufe und überhaupt ein! Pah! 3-D. Ja. Also. Was ist das genau? Die Regie hat gesagt, dass dies das Werk besser zur Geltung bringt. Videographische Details interessieren Musiker nicht, man kann sich ja nicht mit allem beschäftigen! Aber mehr künstlerischer Ausdruck? Immer! Gern!

K.C.: Wie waren die Aufnahmen?
M.C.: Schrecklich, ich verfiel in tiefe Depressionen, man wird das den Aufnahmen ansehen.

K.C.: Müssen andere Dinge beachtet werden, als bei 2-D-Aufnahmen?
M.C.: Das war ja das schlimme, alles musste perfekt sein.

K.C.: Sie treten bald mit Unzucht, Lord of the Lost und anderen auf dem 1. Ostfriesischen Gothictreffen auf. Wie wäre es mal mit einer musikalischen Zusammenarbeit mit Unzucht?
M.C.: Niemals!
C.C.: Ihre Frage kommt zu unpassendem Zeitpunkt! Dieses OGT ist doch schon längst Vergangenheit! Oder haben wir etwa so lang gebraucht, diese läppischen paar Fragen zu beantworten?
(Anm. d. Red.: Haben die Herren, aber es sei ihnen verziehen, schließlich haben die Arbeiten am neuen Silberling absoluten Vorrang!)

K.C.: Und Kapellen wie Lord of the Lost? Da liegen ja nun Jahrhunderte zwischen den Herren und diesen jungen Leuten. Kommen Sie mit der Musik und dem „schmutzigen“ Auftreten der Kapelle zurecht oder runzeln Sie die Stirn, weil Sie selbst stets ordentlich gekleidet und sauber auftreten?
M.C.: Niemals!
C.C.: Unsere Hemden strahlen dadurch gleich noch weißer! Und es kann ja nun auch wirklich heutzutage nicht verlangt werden, dass jede Kapelle frisch gewaschen auf die Bühne ginge! Wo kämen wir denn da hin?

K.C.: Die Herren Coppelius – wohin geht’s? Ziele, Pläne, Wünsche für die nächste Zeit?
M.C.: Ich möchte einfach nur in Frieden ruhen und ein paar Mikrofone zerstören.
C.C.: Aufnahmen, Aktionen zur Albumveröffentlichung, dann Albumveröffentlichung, dann Konzertreise zum neuen Album, im Sommer 2013 dann einige größere Festivals. Dann vielleicht etwas ausruhen und wieder an einem neuen Album arbeiten? Wir sollten uns vielleicht dieses Mal nicht ganz so viel Zeit lassen, das Auditorium lechzt ja immer so schnell nach neuen Werken!

K.C.: Ein paar Worte zu Abschluss?
M.C.: Niemals!
C.C.: COPPELIUS HILFT!

K.C.: Vielen Dank für diese Befragung!

Aktuelle Informationen und Konzerttermine sind auf der galvanischen Seite zu finden.