CD: GGU:LL – Dwaling

Gehirn und Abgrund

Ggull-Dwaling-CoverDie Niederlande – ein kleiner Staat, der aber schon eine Reihe hochkarätiger Metalbands aus den verschiedensten Untergenres hervorgebracht hat. Man denke hier nur an God Dethroned, Gorefest, Asphyx oder Pestilence, die leider mittlerweile aufgelösten Vanderbuyst, Within Temptation, After Forever, Ayreon oder die viel diskutierten The Devil’s Blood.
GGU:LL ist ein Quartett aus Tilburg und existiert im derzeitigen Line-up seit 2009. Nach einem Demo im Jahr 2010 und der Debüt-EP Waan:Hoon aus dem Jahr 2014 veröffentlicht die Band nun auf dem renommierten Label Ván Records ihren ersten Longplayer Dwaling. Hypnotischen Drone-Doom-Metal verspricht der Pressetext, außerdem eine Mitarbeit von Farida Lemouchi (Ex-The Devil’s Blood) – als aufgeschlossener Metalfan sollte man hier also schnellstens die Ohren spitzen.

Schon die ersten tiefergelegten Gitarrenriffs von „Hoon“ zeigen, dass nicht zu viel versprochen wurde. Erhaben und abgrundtief fräsen sich die Riffs ins Gehirn, bis nach gut zweieinhalb Minuten der heisere, gutturale Gesang einsetzt. Dieser setzt allerdings nur beschwörende Akzente, weite Teile des achtminütigen Eröffnungstracks sind instrumental und entführen den Hörer in eine vielschichtige Doomlandschaft. „Dwaling (Gehirn und Abgrund)“ kommt noch eine Schippe schwerer und schleppender daher, hoffnungsloser und – der Titel sagt es ja schon – abgründiger. Vom klassischen Doom-Muster wird hier trotz des extrem verlangsamten Tempos deutlich abgewichen, was den Track richtig spannend macht. „Het smerige kleed van de ziel“, ein neunminütiges Monster, wartet mit Farida Lemouchi als Gastsängerin auf, die der Szene als Sängerin von The Devil’s Blood und Schwester von Selim Lemouchi bekannt ist. Für Fans der nach dem Selbstmord des Bandkopfs aufgelösten Gruppe wird dieser Song daher ein absoluter Leckerbissen sein – ich habe leider wieder dasselbe Problem wie bei The Devil’s Blood: Die Musik gefällt mir ausnehmend gut, aber ich ertrage den hohen, stets gleichförmig klingenden Gesang nicht. Zum Glück übernimmt hier die Männerstimme auch wieder einige Krächzparts, sodass der Track insgesamt für mich noch hörbar ist.
„Waan“ präsentiert sich als reduzierter, auf den Punkt gebrachter Wahn von verhältnismäßig knackigen sechs Minuten, wohingegen „Het masker vande wereldt afgetrocken“ wieder alle Register des musikalischen Universums von GGU:LL zieht. Düster, richtig düster, mit schaurig-verhalltem Gesang und hynotischen Gitarrenläufen, die einen in die unendliche Hoffnungslosigkeit hinabziehen. „March 28 1941, drowning“ behält einen gleich im Abgrund, das große Nichts wird hier zur doomigen Perfektion gebracht und entlässt einen nach fast zehn Minuten zurück ins kalte, graue Leben.

Fazit: GGU:LL sollte jeder Doom- und auch Drone-Fan unbedingt antesten, Fans von The Devil’s Blood gleich dreimal, auch wenn sich die musikalische Ausrichtung natürlich meilenweit unterscheidet. Für mich persönlich ist diese Verbindung der einzige richtige Nachteil an Dwaling, aber das ist schließlich absolute Geschmackssache und sagt nichts über die Qualität dieses Debüts aus. Wer düstere, hoffnungslose Musik mag, die in ihrer Intensität ein wenig an Bölzer erinnert (nicht vom Tempo her), der darf hier gern zuschlagen.

Anspieltipp: Dwaling (Gehirn und Abgrund)

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GGU:LL – Dwaling
Ván Records/Soulfood, VÖ.: 24.06.16
Spielzeit: 49 Minuten
Kaufen: 12″ Doppel-LP, 19,99 €, bei Ván Records

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