Kälte, Nebel, Tanzfläche

Raskolnikov-Lazy-people-will-destroy-youDie Jungs von Raskolnikov haben sich 2015 in Genf kennengelernt, haben sich aber mittlerweile auch nach Konstanz, Paris und Reims verbreitet. Nichtsdestotrotz haben sie fleißig an ihrem zweiten Album Lazy people will destroy you gearbeitet, das nun bei Manic Depression Records erschienen ist. Was also haben sich Sänger und Bassist Mathieu Pawełski-Szpiechowycz, die Gitarristen Pablo Garrido und Quentin Allamand, der zusätzlich den Synthie bedient, und Schlagzeuger Jérôme Blum musikalisch einfallen lassen? Nachdem ich sie letztes Jahr im Rahmen einer Decadance-Party live erleben konnte, was ja derzeit nicht möglich ist, freue ich mich um so mehr auf die neue Scheibe.

Mit den ersten Klängen von „Faus pas faire chier Albert Roche“, die diese vertraute verträumte Melancholie verbreiten, ist klar, Raskolnikov sind zurück. Doch dann ist doch spürbar etwas anders, denn der Song entwickelt sich zu hartem und kaltem Gothic Rock und zeigt eine neue Komponente von Raskolnikov. Im Anschluss knüpft „Stockholm 2“ an den Vorläufer auf dem Debütalbum Hochmut kommt vor dem Fall an. Der Song ist ähnlich atmosphärisch, und noch dazu gefallen mir die Sequenzen aus dem Drumcomputer sehr gut. Auch „Fall colours“ verströmt Cold Wave durch und durch. Dieser wird in „Montauk Point lighthouse“ wieder deutlich mit Elementen des Gothic Rock angereichert. Der treibende Rhythmus lässt meine Pikes zucken, und ich will mehr. Auch „No safety word“ ist eine gelungene musikalische Mischung aus Wave und Gothic.
Das folgende „Vij“ besitzt einen dunklen und hypnotischen Rhythmus, der mich davon treiben lässt. Der Gesang von Mathieu variiert dabei von beschwörend bis dramatisch. Im Anschluss nimmt „Sisyphos“ wieder mehr Fahrt auf. Vom Gesang her erinnert mich das zum Teil an EBM, auch wenn hier der harte, stampfende Rhythmus fehlt. In „Soul dead souls“ ist dieser deutlich mehr betont, was Dank des Nachhalls für eine herrlich kalte Atmosphäre sorgt. Der einzige Haken dabei ist, dass man in Zeiten wie diesen Nebel und Tanzflächen schmerzlich vermisst. Gleich zu Beginn von „Don’t want to see the doctor today“ fällt mir der coole Snare-Sound auf, der etwas an „She drives me crazy“ von den Fine Young Cannibals erinnert. Doch sobald der Gesang einsetzt, ist der Geist von Ian Curtis und Joy Division deutlich sichtbar, auch durch den Nebel hindurch. Ein sehr eindringlicher und gelungener Song. Zum Abschluss macht „Stockholm 3“ die Song-Trilogie perfekt, und episch und erhaben klingt das Album hiermit aus.

Fazit: Auch auf dem zweiten Album Lazy people will destroy you bleiben Raskolnikov erkennbar, wer sie sind. Dennoch sind sie nicht stehengeblieben, sondern haben sich musikalisch weiterentwickelt. Auch das Debüt hatte mir bereits sehr gut gefallen (Link zur Rezension), und hier präsentieren sich Raskolnikov noch gereifter. Freunde von Post Punk und Cold Wave können hier bedenkenlos zugreifen. Bleibt nur zu hoffen, dass wir Kälte, Nebel und Tanzfläche bald wieder bedenkenlos genießen können.

Anspieltipps: Faus pas faire chier Albert Roche, Montauk Point lighthouse, Soul dead souls, Don’t want to see the doctor today
:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Raskolnikov: Lazy people will destroy you
Manic Depression Records, Vö. 28.02.2020
MP3 9,00 €, CD 13,00 €, LP 17,00 € erhältlich über Manic Depression Records

Homepage: https://www.raskolnikov-band.com
https://facebook.com/raskolnikov.band
https://www.manicdepression.fr/en/

Tracklist:
01 Faus pas faire chier Albert Roche
02 Stockholm 2
03 Fall colours
04 Montauk Point lighthouse
05 No safety word
06 Vij
07 Sisyphos
08 Soul dead souls
09 Don’t want to see the doctor today
10 Stockholm 3

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