CD: Primordial – Exile amongst the ruins

Auf zu neuen Ufern

PRIMORDIAL-EATR_highVier Jahre sind seit dem gefeierten Album Where greater men have fallen vergangen, und Primordials Sänger Alan Averil „Nemtheanga“ nahm sich Zeit für sein doomorientiertes Soloprojekt Dread Sovereign, mit dem er letztes Jahr auch eine Clubshow in München gespielt hat (Link zur Review). Nun ist es Zeit für das mittlerweile neunte Primordial-Album Exile amongst the ruins, das mit den Gitarristen Ciarán MacUilliam und Michael O’Floinn, Bassist Pól MacAmlaigh und Simon O’Laoghaire am Drumset im heimischen Dublin eingespielt wurde. Aus praktischen und zeitlichen Gründen wurde das kleine Camelot Studio direkt neben ihrem Proberaum gewählt. Wie haben sich die beengte Umgebung und der Umstand, dass man, laut Presseinfo, anders als sonst vorher kaum zusammen komponieren konnte, auf das Album ausgewirkt? Hören wir es an und bilden uns ein Urteil.Mit einem verstörenden Intro, das gut die Titelmelodie einer Horrorserie sein könnte, beginnt „Nail their tongues“. Doch spätestens mit dem Einsetzen von Nemtheangas prägnater Stimme ist klar, das hier sind Primordial. In der zweiten Hälfte unternimmt der Song wiederholt Ausflüge zu den eigenen Black-Metal-Wurzeln, wenn die Double-Bass-Drums und der Krächzgesang einsetzen. Die Schlusspassage erinnert mich von der Melodieführung her überraschend an das Traditional „Greensleeves“. Das folgende „To hell or the hangman“ trägt gelungene Züge von Fields of the Nephilim, den Göttern des Gothic Rock. Das mag überraschend klingen, aber beide Bands sind Mystik und Okkultismus verbunden. Es gibt also inhaltliche Parallelen, aber auch beim Gesang gibt es hier solche zu deren Sänger Carl McCoy. Das Zusammenspiel von Percussion und Akustikgitarre beim Intro zu „Where lie the Gods“ hätte so auch von den späteren New Model Army stammen können. Doch mit den einsetzenden massiven Gitarrenwänden bekommt der Song eine völlig andere Note, auch wenn das Thema später noch einmal aufgegriffen wird, und nicht zuletzt natürlich auch durch Nemtheangas Gesang, der völlig anders ist. Das Titelstück „Exile amongst the ruins“ trägt ansatzweise Züge von Epic Doom. Es schleppt sich schwer voran, ist dabei aber gleichzeitig episch und erhaben. Die düstere Stimmung wird den ganzen Song über bis zum dramatischen Finale aufrechterhalten.
Marschtrommeln geben beim Intro zu „Upon our spiritual deathbed“ den Rhythmus vor und erinnern damit an die ersten Takte des Albums A journey’s end von 1998. Die Instrumente weben einen atmosphärisch sehr dichten Soundteppich, von dem man sich forttragen lassen muss. Beim mehrmaligen Hören gewinnt der Song immer mehr an Intensität, vielleicht auch wegen dem Wechsel von Klar- und Krächzgesang. „Stolen years“ beginnt überraschend ruhig, man könnte dies als Primordials Variante einer Ballade bezeichnen. Der Song besitzt eine zerbrechliche Schönheit und zeigt Nemtheangas Stimme von der unverfälschten Seite. Vielleicht wurde gerade wegen diesem Überraschungseffekt dieser Song als erste Vorab-Single veröffentlicht. Im Anschluss steigt auf „Sunken lungs“ der Energielevel wieder spürbar an. Zu einem vertrackten und nicht einfachen Rhythmus erzeugen die Saiteninstrumente wieder eine akustisch dichte Wand, über der Nemtheangas Stimme schwebt. Das letzte Stück, „Last call“, beginnt ganz ruhig mit Percussion und einer einzelnen gezupften Gitarre, es entsteht ein Wechselspiel zwischen lauten und leisen Passagen, bevor das Album ausklingt.

Fazit: Im Vergleich zum großartigen Where greater men have fallen von 2014 ist das neue Album Exile amongst the ruins deutlich roher und ungeschliffener ausgefallen. Es braucht ein paar Durchgänge, bis sich die Details und Feinheiten nach und nach erschließen. Aber Primordial sind eben keine Easy-Listening-Band. Wenn man sich die Zeit nimmt, kann man sich immer noch in den Songs verlieren. Doch eines hat sich nicht verändert: Mit den musikalischen Ideen, die Primordial in einem einzelnen Song verarbeiten, bestreitet manch andere Band ganze Alben. Exile amongst the ruins ist ein mutiges und wahrlich kein schlechtes Album, bei dem Neues ausprobiert worden ist, anstatt sich nur zu wiederholen. Am 25.04.2018 kann man sich davon auch live im Münchner Backstage überzeugen. Aber gemessen am Vorgänger tendiere ich insgesamt zu
:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Anspieltips: To Hell or the hangman, Upon our spiritual deathbed, Stolen years

Primordial: Exile amongst the ruins
Metal Blade, Vö. 30.03.2018
CD 12,99 €, LP 22,99 € erhältlich über EMP
Homepage: primordialweb.com
facebook.com/primordialofficial
metalblade.com/europe/de/

Tracklist:
01 Nail their tongues
02 To Hell or the hangman
03 Where lie the Gods
04 Exile amongst the ruins
05 Upon our spiritual deathbed
06 Stolen years
07 Sunken lungs
08 Last call

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