CD: BABYMETAL – Metal Galaxy

BABYMETAL die dritte

BABYMETAL_Metal_Galaxy_Cover_4000pxNach dem selbstbetitelten Debüt und dem zweiten Album Metal Resistance steht nun mit Metal Galaxy das dritte Album der japanischen Überflieger BABYMETAL in den Startlöchern, die wie kaum eine andere Band die Metal-Gemeinde polarisieren. Lieben oder hassen, viel mehr Optionen scheint es nicht zu geben bei ihrem Kawaii Metal, der alle Genregrenzen sprengt. J-Pop wird mit Elementen aus Black, Death und Industrial Metal sowie Dance kombiniert und mit Gothic-Lolita-Outfits abgerundet.
Die als „Yuimetal“ bekannte Yui Mizuno (Tanz und Backgroundgesang) mußte letztes Jahr die Band aus gesundheitlichen Gründen verlassen, seitdem unterstützen verschiedene Tänzerinnen bei Auftritten Sängerin Suzuka NakamotoSu-Metal“ und die zweite Tänzerin und Backgroundsängerin Moa KikuchiMoametal„. Wie hat sich die Band also entwickelt?

Der Opener „Future Metal“ fungiert als Intro, bei dem sich Stakkato-Riffs mit einer an Roboter erinnernden Stimme abwechselt. Mit „Da da Dance“, bei dem der japanische Gitarrist Tak Matsumoto einen Gastauftritt hat,  melden sich BABYMETAL schließlich eindrucksvoll zurück. Die Kami-Band legt sich mächtig ins Zeug mit regelrechten Riff-Gewittern und vertracktem Drumming. Dazu singt Su-Metal mit ihrer prägnanten Stimme eine typische J-Pop-Melodie, die mit entsprechenden Dance-Elementen angereichert ist. Dazu passt auch die Rap-Einlage von Tak Matsumoto, die an den Eurodance der neunziger Jahre erinnert. Beim englischsprachigen „Elevator girl“ geht der Gesang deutlich in Indie-Richtung, was die Experimentierfreude von Su-Metal zeigt, auch wenn die Kami-Band weiterhin aus allen Rohren feuert. Das wird beim folgenden „Shanti Shanti Shanti“ aber noch viel deutlicher, denn hier lässt unverkennbar Bollywood grüßen. Indische Folklore wird wieder mit Dance kombiniert, und dem passen sich nun auch die Instrumente an. Beim ersten Hören ist das schon sehr gewöhnungsbedürftig, doch dann entwickelt sich der Song immer mehr zu einem Ohrwurm. Ohrwurmqualität bietet auch das folgende „Oh! Majinai“ mit seinem von Irish Folk oder Shanty Rock beeinflussten Power Metal. Als Gastsänger ist Joakim Brodén von Sabaton mit im Boot, dem man den Spaß beim Einsingen förmlich zuhören kann. Auf „Brand new day“ hingegen hört man Tim Henson and Scott LePage von der amerikanischen Progressive-Rock-Band Polyphia, die mir bislang unbekannt gewesen ist. Mit dieser Musikrichtung werde ich nicht warm, und das färbt leider auch auf den Song ab. „Night Night Burn!“ hingegen ist von Breaks durchzogen, ähnlich wie beim Nu-Metal, die Kami-Band feuert einzelne Salven ab, die von Dance-Sounds begleitet werden. Das Ganze ergibt also eine ziemlich schräge Kombination.
BABYMETAL_Metal_Galaxy_press_picture_album_announcement_Copyright_earMUSIC_Photo_Credit_Amuse_IncEin erhabener Chor eröffnet „In the Name of“, das damit ganz leicht an „Carmina Burana“ von Carl Orff erinnert, doch dann übernimmt die Kami-Band das Ruder, und es entwickelt sich ein schleppender Industrial-Metal-Song, den ich gerne mal auf der Tanzfläche hören würde. Auf „Distortion“ gibt sich niemand geringeres als Alissa White-Gluz von Arch Enemy die Ehre, die ihre markanten Growls beisteuert, die völlig im Kontrast zu dem zuckersüßen Refrain von Su-Metal stehen. Das brachiale Soundgerüst dazu hält alles zusammen. Mit ähnlichen Zutaten arbeitet auch das folgende „Pa pa ya!!“ mit dem thailändischen Rapper F.Hero, das zwischen Eingängigkeit und Brutalität schwankt. Die Rap-Passage trägt in ihrer Wirkung wie schon eingangs Züge von neunziger Jahre Eurodance. „Kagerou“ hingegen orientiert sich wohl eher an traditionellem J-Pop, woran sich auch die Kami-Band anpasst und etwas zurücknimmt. Hier klingen BABYMETAL mehr nach sich selbst und leiten so zu „Starlight“ über, einem meiner Favoriten. Sie zeigen sich pur und unverfälscht und kombinieren auf ihre unnachachmliche Art und Weise Metal und J-Pop. Das folgende „Shine“ nimmt sich etwas zurück und entwickelt sich so zu einer teils zerbrechlich wirkenden Rock-Ballade. „Arkadia“ startet zum Abschluss mit klassischem Heavy Metal und integriert dann nach und nach wild galoppierenden Power Metal, über allem sitzt Su-Metals Gesang fest im Sattel. Ein gelungener Abschluss also.

Fazit: Für mich ist Metal Galaxy etwas zwiespältig. Auf der ersten Hälfte wird viel experimentiert, durch die vielen Gastauftritte öffnen sich BABYMETAL für neue Einflüsse. Diese zeugen natürlich einerseits von der Anerkennung, die ihnen in Metal-Musikerkreisen erfährt, auf die sie auch stolz sein können und dürfen. Andererseits verlieren sie sich dabei meiner Meinung nach aber auch selbst ein wenig. Die zweite ist für mich die bessere Hälfte, auf der sie sich mehr auf die eigenen Stärken konzentrieren, die ja schließlich auch ihren Welterfolg begründet haben.
Ob die Entwicklung nun letzten Endes der Abschied von Yuimetal ist, eine bewußte Vergrößerung der potentiellen Hörerschaft aus kommerziellen Erwägungen oder schlicht natürliche künstlerische Entwicklung, sei einmal dahingestellt.

Anspieltipps: Shanti Shanti Shanti, Starlight, Arkadia

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

BABYMETAL: Metal Galaxy
earMUSIC, Vö. 11.10.2019
CD 11,99 € erhältlich über earMusic, 2LP 25,99 € erhältlich über Nuclear Blast
Homepage: https://www.babymetal.com/en/
https://www.facebook.com/BABYMETAL.jp
https://www.ear-music.net/

Tracklist:
01 Future Metal
02 Da da Dance (feat. Tak Matsumoto)
03 Elevator girl – Engl. ver. –
04 Shanti Shanti Shanti
05 Oh! Majinai (feat. Joakim Brodén)
06 Brand new day (feat. Tim Henson and Scott LePage)
07 Night Night Burn!
08 In the Name of
09 Distortion (feat. Alissa Wite-Gluz)
10 Pa pa ya!! (feat. F.Hero)
11 Kagerou
12 Starlight
13 Shine
14 Arkadia

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