CD: Joy/Disaster – Resurrection

Auferstehung aus Freude und Unglück

JoyDisaster-Resurrection_CoverAls die Franzosen Joy/Disaster 2005 im Gothic-Underground auftauchten, dachten viele schon fast zwangsläufig direkt an Joy Division, und auch in der Musik ließen sich einige Parallelen finden. Nach mittlerweile sechs Studioalben hat die Band, aktuell bestehend aus Sänger und Gitarrist Nicolas Rohr, Gitarrist Simon Bonnafous, Bassist Soupa Rundstadler und Drummer Nicolas Giraud, aber ihre Eigenständigkeit im Post-Punk-Kosmos bewiesen. Im nun 13. Jahr präsentieren Joy/Disaster ihr neues Album Resurrection, ich bin gespannt wie dieses nun ausgefallen ist.

Mit den ersten Takten und Gesangszeilen von „Something“ denke ich schon fast, ich hätte versehentlich die Genre-Kollegen The Exploding Boy aufgelegt, doch dann setzen massive Gitarren ein, wie man sie etwa auch von den Smashing Pumpkins kennt. Hier sind also doch Joy/Disaster am Werk. Ähnlich energetisch geht es mit „Let it bleed“ weiter, dessen Textzeile „She’s lost control“ eine eindeutige Hommage an Joy Division ist, das musikalisch dabei aber gleichzeitig cool nach David Bowie klingt. Erst mit „Enclosed“ wird ein Gang zurückgeschaltet, Düsterherzen schlagen schneller. Der Gesang scheint in einer Grabkammer aufgenommen zu sein, und die begleitenden Gitarren haben für mich einen 70er-Vibe, eine ungewöhnliche aber gelungene Kombination. Die für Post Punk typische Melancholie macht sich erst auf „Kisses & pain“ bemerkbar, etwa beim zweistimmigen Gesang, bei dem scheinbar eine Damenstimme Sänger Nicolas im Hintergrund unterstützt. Besonders herausstechend sind die, vom begleitenden Schlagzeug einmal abgesehen, alleingestellten Gitarrenklänge, die mich durchaus an die aktuellen New Model Army erinnern. Mit „New generation“ unternehmen Joy/Disaster einen tadellosen Ausflug ins Indie-Rock-Genre, als hätten sie nie etwas anderes gespielt. Auf „Million faces“ kombinieren sie dieses mit den Gitarren des Vision Thing Albums von The Sisters Of Mercy und kombinieren so Gothic und Indie Rock, wobei der Refrain sofort im Ohr hängen bleibt.
Der Titel „Dancing in sadness“ deutet es schon an, der Song ist nicht sonderlich fröhlich. Der Einfluss von Altmeister Nick Cave ist dabei wohltuend spürbar. Auf „My secret garden“ werden einerseits wieder viele Gitarren eingesetzt, gleichzeitig besitzt der Song aber eine epische Getragenheit und erinnert mich damit passagenweise an „Diane“ von Therapy?. „Evolution“ hat mich am meisten überrascht, weil der Song mit einer fast schon poppig-fröhlichen Atmosphäre daherkommt, die ich so von Joy/Disaster noch nicht kannte. Der Song geht direkt beim ersten Hören ins Ohr und nistet sich fort fest. Das folgende „Swallow“ ist ebenfalls ein Up-Tempo-Song, dem aber die gewohnte Düsternis wieder innewohnt. Der Refrain klingt saucool, die Gitarren sind hier wieder einmal auf den Punkt gerockt. Zum Ausgleich kommt „The last day“ wesentlich ruhiger daher und schielt beinahe schon Richtung Doom (wenn die Gitarren tiefer gestimmt wären). Das ebenfalls ruhige Titelstück „Resurrection“ beendet das Album, besitzt allerdings eine gänzlich andere Atmosphäre als das Vorgängerstück.

Fazit: Der Titel Resurrection verspricht nicht zu viel, Joy/Disaster sind eindrucksvoll wieder da und deutlich düsterer als auf der letzten EP 2016. Sie kombinieren Post Punk gekonnt mit Gothic Rock und überraschen mit einer breiten Gitarrenfront. Hoffentlich werden die vielfältigen Songs bald hierzulande auch live präsentiert. Beim diesjährigen WGT bietet sich die nächste Gelegenheit, Joy/Disaster auf der Bühne zu erleben.

Anspieltips: Something, Enclosed, Million faces, Evolution

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Joy/Disaster: Resurrection
Manic Depression Records, Vö. 14.03.2018
CD 12,00 €, LP 15,00 € erhältlich über Manic Depression Records, MP3 Download 10,00 € erhältlich über Bandcamp
Homepage: facebook.com/joydisasterofficial/
joydisaster.com/
manicdepressionrecords.com

Tracklist:
01 Something
02 Let it bleed
03 Enclosed
04 Kisses & pain
05 New generation
06 Million faces
07 Dancing in sadness
08 My secret garden
09 Evolution
10 Swallow
11 The last day
12 Resurrection

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  1. […] folgt eines meiner Highlights, da sie viele Songs vom tollen neuen Album präsentieren (Link zur Review). Auch Second Still halten das Niveau mit von Dark Wave bereichertem Post Punk weiter hoch, bevor […]

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