Hier stimmt die (Al-)Chemie

672155Ein neues Album von The Awakening flattert ins Haus, This alchemy ist das mittlerweile zehnte. Dabei ist vor erst einem Jahr das letzte Soloalbum Waiting for a voice von Mastermind Ashton Nyte erschienen, dem aus Südafrika stammenden und mittlerweile in den USA lebenden Künstler. Die Pandemie erzeugt bei ihm keinen Stillstand, sondern fördert offensichtlich seine Kreativität. Da mir das Vorgängeralbum Chasm außerordentlich gut gefallen hatte (Link), bin ich natürlich dementsprechend gespannt.
„Bitter bliss“ beginnt ganz langsam, und auch der Gesang wird nur zögerlich eingesetzt. Dafür baut sich eine Intro-gerechte Spannung auf, die auf This alchemy vorbereitet. „Into the machine (part 1 + 2)“ kann man dann direkt wörtlich nehmen, denn die Maschinen aka Synthesizer übernehmen das Zepter. Mit stampfendem Rhythmus geht es voran, wobei Ashton Nyte sein Gespür für feine Melodien behält, das er vor allem beim Refrain mit seinem dunklen Gothic-Gesang unter Beweis stellt. „Zero down“ ist die erste Single und fällt ebenso tanzbar aus. Der Gesang ist noch eine Spur düsterer, und auf den Tanzflächen kommt der Song daher bestimmt gut an. Mir persönlich ist hier leider der stringente maschinelle Rhythmus zu monoton gehalten. Dafür ist „Shadow call“ im Anschluss ungleich abwechslungsreicher und schließt stimmungsmäßig mehr an das Gothic-Rock-lastige Vorgängeralbum Chasm an. Nur wird der Sound hier eben elektronisch umgesetzt. Mit „Winter’s unknown“ ist auch wieder eine schöne Klavierballade dabei, die leider fast ein wenig zu kurz ist und daher wie eine Überleitung wirkt. Das könnte aber zur Mitte des Albums auch so gewollt sein.

Electro Wave ist die Basis für „When the fear subsides“, das sehr modern klingt, auch wenn sich hier und da blubbernde Sounds aus den 80ern eingeschlichen haben. 80er ist das Stichwort, denn es folgt die Coverversion „A victory of love“ von Alphaville. Diese wurde von The Awakening neu arrangiert und so ins Hier und Jetzt katapultiert. Von Beginn an etwas tanzbarer und anfangs im Dark Wave angesiedelt, denn die Stimme klingt etwas nach Alexander Veljanov von Deine Lakaien. Aber nur, bis es auf der Tonleiter endgültig nach oben geht. Der Song ist klar erkennbar und trägt doch eine neue Handschrift. Ganz so, wie ich mir ein gelungenes Cover vorstelle. Erst SJÖBLOM (Link), nun The Awakening. Dabei haben Alphaville ihre Musik seinerzeit für nicht sonderlich relevant gehalten. Nun, es zeigt sich, dass ihre Musik quer über den Globus von Schweden bis Südafrika für immer jung bleiben wird. Das folgende „Take me home“ ist eine bombastische Ballade mit Streicherarrangements, bei der sich Ashton stimmlich wieder in die Höhe schwingt und so für Kraft und Dramatik sorgt. „Empty garden“ hingegen nimmt sich zu Beginn erst einmal zurück und ist ganz ruhig gehalten. Es wirkt dabei etwas psychedelisch und gleichzeitig orientalisch angehaucht. Der Gesang ist teils eher rezitiert als gesungen. Mit „All tomorrow’s saints“ kehrt die Dramatik zurück. Richtig düster, aber trotzdem voller Energie. Das wäre eigentlich ein perfekter Gothic-Rock-Song, der wie schon zuvor mittels elektronischer Musik arrangiert worden ist. Zum Schluss wird es dank dem Titeltrack „This alchemy“ noch einmal ruhig und gefühlvoll, aber gleichzeitig musikalisch abgrundtief. Das ist richtig schön gotisch. Dabei wirkt der Song auf mich im Kontext des Albums irgendwie wie ein Resümee.

Fazit: This alchemy ist deutlich elektronischer ausgefallen als das Vorgängeralbum Chasm, und damit stehen The Awakening in Tradition mit bespielsweise Clan Of Xymox oder The Cassandra Complex, deren Alben sich auch wahlweise mehr dem Elektro oder dem Gothic Rock zuwenden. Und dieser, ich muss es leider sagen, gefällt mit stets besser. Dabei ist This alchemy ganz gewiss kein schlechtes Album, und alchemy-Umwandlung ist ein passender Titel auf die Musik bezogen. Diese ist zwischen (Dark) Electro und Dark Wave abwechslungsreich angelegt und tanzbar, und es sind einige tolle Songs und Melodien dabei, und noch dazu dieses sehr gelungene Cover. Hier stimmt die (Al-)Chemie auf jeden Fall, und das Album wird also ganz sicher und völlig zu Recht seine Fans finden. Außerdem ist es völlig verständlich, dass man sich als Künstler nichtwiederholen möchte. Aber ich persönlich stehe halt einfach mehr auf Gothic Rock.

Anspieltipps: All tomorrow’s Saints, A victory of love

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

The Awakening: This alchemy
Intervention Arts, VÖ: 25.05.2021
MP3 9,99 $, CD 14,99 $ erhältlich über https://theawakening.com/this-alchemy

Homepage: https://theawakening.com/
http://www.facebook.com/theawakeningofficial
https://www.interventionarts.com/

Tracklist:
01 Bitter bliss
02 Into the machine (part 1 + 2)
03 Zero down
04 Shadow call
05 Winter’s unknown
06 When the fear subsides
07 A victory of love
08 Take me home
09 Empty garden
10 All tomorrow’s saints
11 This alchemy

(1978)